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Lucy Peters (am 18.09.1888 geboren als Maria Hulda Lucie Schulz) war die grosse Schwester meiner Oma und die war mit ihr den Rest des Lebens nicht gerade befreundet, weil sie mit dem Mann meiner Oma, Paul Schiller mal probeweise geschlafen hatte und die Schwestern darüber in Streit gerieten. 
An ihrem 21sten Geburtstag hat Lucy dann den Ingenieur und  Reichsbahner Bruno Georg Max Peters (geb.18.01.1884) geheiratet. Die beiden hatten 2 Söhne: Werner Heinz Bruno (geb 1913) und Arno Harry Peter (geb.22.05.1916) 




Lucie Peters hat mit Mitte 20 am Vorabend des Weltkrieges versucht, die Familiengeschichte aufzuschreiben:





Bilder von Haus und Garten in Mühlhausen findest Du auf der Seite über Hulda und Heinrich Schulz


- Klein Lucy ganz rechts mit ihren Schwestern

Lucy mit ihren Söhnen Werner und Arno sowie Ehemann Bruno, die Familie lebt damals in Mönchwinkel hinter Erkner.

Aber ganz so gross war das Zerwürfniss der Schwestern wohl doch nicht. Ihre Kinder trafen sich oft zum Spiel und auf diesem Bild trinken die 3 Schwestern Anfang der 30er Jahre in Bürgerablage zusammen Kaffee:
Lucy schenkt ein, neben ihr Tell Schillers Bubikopf, in der Mitte Frida (meine Oma) und rechts lacht Emmi in die Kamera.

Lucy und Bruno erzählen später der Berliner Zeitung aus ihrer Jugend:



Werner und Arno Peters als Schuljungen beim segeln

Jeweils zu ihrem 50sten Parteijubiläum bekamen Lucy und Bruno einen Zeitungsartikel:

Lucy Peters



Zum 60. Geburtstag erschien auch schon ein Artikel über Lucy,
den meine Oma mit Rotstift kommentiert und mit einem Zeitungsausschnitt (rechts) aus der Nazizeit in Zusammenhang brachte:

Die in dem obigen Artikel erwähnte Verfolgung der Peters Söhne durch die Nazis empfand meine Oma als etwas übertrieben, zumal Arno Peters im November 1936 die Titelseite der FUNK-POST zierte, um zusammen mit einer populären Schauspielerin für den vom Winterhilfswerk propagierten Eintopfsonntag zu werben:
 
 


 
 
 


Arno Peters hatte Anfang der 30er Jahre nach einer UdSSR-Reise Kinderlähmung der schwersten Form bekommen.
Die Familie wohnte inzwischen in Charlottenburg und er war damals Schüler der Waldoberschule [heute Wald-Gymnasium]. Arno verpasste wegen der Krankheit für längere Zeit den Unterricht. Meine Mutter erzählte, dass Arno lange in einem abgedunkelten Zimmer liegen musste.

Aufforderung an Arno nach hundert Tagen Krankheit mal endlich zu gesunden von Tell Schiller, meinem Onkel.
Als es ihm dann wieder besser ging, wollten seine Eltern das die Schule ihn wieder aufnehmen sollte. Inzwischen hatte aber die Nazizeit angefangen und nach deren Regeln brauchten Kommunistenkinder eben kein Abitur. Arno durfte nicht mehr zur Schule. Während seiner Genesung (es blieb ein Hinkefuss zurück) hatten die Eltern ihm eine LEICA-Kamera mit Dunkelkammer zum Geburtstag geschenkt und er hat das Fotografieren für sich entdeckt.
Nachdem das mit der Fortsetzung der Schule nun nix wurde, sollte Arno eine Lehre als Fotograf machen. Als das losgehen sollte, war aber die Ausbildungsfirma einfach weg: Das jüdische Fotografen-Ehepaar rief Wochen später bei Familie Peters aus New York an und schlug vor, Arno von dort aus auszubilden. Als erstes schickten Sie Geld mit dem sich Arno Eintrittskarten für die Olympischen Spiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen und Berlin besorgen sollte. Und so wurde Arno dann Fotoreporter, schickte Negative nach New York und seine Ausbildungsfirma verkaufte Bilder an die Presse. Die Firma war auf Bilder aus Deutschland spezialisiert. Das Fotografen-Ehepaar hatten ihr Archiv aus Berlin mitnehmen können. Aber die aktuellsten Fotos aus Deutschland schickte ihnen Arno Peters. Besonders seine Bilder wurden in grossen amerikanischen Fotomagazinen abgedruckt. Einen Teil der Honorare hob die Firma für Arno auf und irgendwann waren es sehr sehr viele Dollars, die er verdient hatte, dabei war er doch erst Anfang zwanzig.
Um ihm noch wirklich mehr beizubringen lud man Ihn nun ein, nach New York zu kommen. Als er mit dem Schiff dort eintraf, wollte er sich aber nicht mehr sich als Fotograf weiterbilden, sondern wollte nach Hollywood - zum Tonfilm. Man besorgte ihm tatsächlich eine Stelle als Produktionsassistent in der Traumfabrik und Arno Peters studierte die neuesten und fortschrittlichsten amerikanischen Filmproduktionstechniken. Insbesondere erarbeitete er dort Produktionsbücher, die analog zum Drehbuch festlegten, an welchem Tag, zu welcher Stunde, welche Technik gebraucht bzw. welche Darsteller am Set zu sein hatten.

Arno Peters in Californien
Ende der 30er Jahre, zurück in Deutschland, wurde er von der Bavaria über die Tobis bis zur Ufa herumgereicht und bekam jede Unterstützung, um die "neue amerikanische Produktionsmethode" im Reich einzuführen und die Neuerungen beim Tonfilm zu erläutern, die er in den USA kennen gelernt hatte. Das alles sicher nicht ohne Kenntnis des Propagandaministeriums und von dort kam dann sicher auch die Idee mit dem Foto auf der Titelseite der FUNK-POST.
1941 dreht Arno Peters seinen ersten Film als Produktionsleiter bei der Tobis, ein erfolgreiches Musikal mit bedeutenden Stars und einem wahnsinnig beliebten Soundtrack: Man müßte Klavier spielen können (Filmtitel: "Immer nur Du") mit Johannes Heesters und Dora Komar, Fita Benkhoff, Paul Kemp, Paul Henckels u.v.a.m. Die Uraufführung war 1942. Das brachte Arno nicht nur Geld ein, sondern auch Beziehungen.
Und so erfüllte sich sein Traum und er konnte das Abitur nachholen und ein Studium an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin Unter den Linden beginnen. Eingeschrieben für Geschichte, Kulturgeschichte und Zeitungswissenschaften hat er angefangen sich die Gleichzeitigkeit historischer Ereignisse kultureller oder politischer Art wie in den Produktionsbüchern aufzumalen (daraus entstand dann zehn Jahre später seine erste grosse Erfindung, die Synchronoptische Weltgeschichte). An der Berliner Uni war Arno nun Hahn im Korbe: alle Männer ohne Handicap waren eingezogen zum Militär und es gab fast nur Studentinnen. Er bezauberte durch sein Akkordeonspiel, seine Erfahrungen und seinen Humor.

Nach dem Krieg begann schon bald sein Versuch mit einer auf Fairness gegenüber allen Kulturen und Völkern der Erde basierenden Geschichtsbuch die Gesamtheit des vergangenen Geschehens von allgemeiner, fortwirkender Bedeutung sichtbar zu machen eben in der Synchronoptischen Weltgeschichte.
Arno und seine erste Frau Anneliese hatten extra einen eigenen Verlag gegründet und traten gemeinsam als Autoren auf. Das Buch sollte in ganz Deutschland untergebracht werden. Als Peters noch mit der DDR-Kultur- und Volksbildungsbürokratie (auch mit Hilfe meines Vaters) verhandelt um seine neue Synchronoptische Weltgeschichte als Schulbuch einzuführen, hatte er das Buch im Westen schon an die Behörden in Hamburg, Bremen, Westberlin, Niedersachsen und Hessen verkauft. Doch die DDR und auch die westdeutschen Politiker fanden im Kleingedruckten der Synchronoptische Weltgeschichte die Haare in der Suppe. Den einen war das Buch zu rechts den anderen zu links. Es kam zum Streit. Peters konnte das Buch aber in Frankreich in einer gekürzten Übersetzung von Robert Minder Anfang der 60er Jahre als Schulbuch unterbringen. Inzwischen hat sich die veröffentlichte Meinung zu dem Werk geändert:
"genial und wohl durchdacht eingerichtet" (Hessischer Rundfunk): "Man kann für jedes Jahr genau ablesen, was sich auf politischem, militärischem, geistigem und zivilisatorischem Gebiete ereignete. In diesem Werk ist zum ersten Mal Universalgeschichte anschaulich gemacht worden" (Bayerischer Rundfunk).

Die Zahl der positiven Stellungnahmen öffentlicher Personen und in Presserezensionen immer wieder propagiert, wurde Peters PEN-Club-Mitglied.

Meine Mutter mit ihrem Cousin Arno Peters und Frau zu Besuch bei Tante Gertrud

Mein Opa, Paul Schiller erhebt sein Glas (mit Apfelsaft) auf seinen Neffen Arno bei uns zuhause.

Arno Peters hat Erfindungen zu Hauf gemacht und zahlreiche Projekte und Publikationen unterstützt. Am populärsten wurde seine Peters-Projektion und damit sein Atlas. Auch diese Projekt war der Fairness gegenüber allen Ländern und Völkern der Erde gewidmet. Das eurozentristische Weltbild wollte er mit Flächentreue bekämpfen. So sieht Europa bei Peters nun nicht mehr größer aus als Südamerika (obwohl es nur gut halb so groß ist), wie in der vorher allein üblichen Mercator-Projektion. Mir hat Arno das so erklärt: "Länder-Auto-karten zeigen die Entfernungen von Orten in Nord-Süd und Ost-West Richtungen meist richtig an. Wenn man aus diesen Karten eine Weltkarte bastelt, hat man meine Weltkarte". Der Widerstand gegen dieses Neuerung war eheblich und doch hat diese gerechtere Weltkarte ihren Platz behauptet. Mit seinem Atlas wollte Arno "dazu beitragen, die Ursachen und Hintergründe des Nord-Süd-Gefälles wie des Ost-West-Gegensatzes als Ausdruck der tiefen Kluft zwischen armen und reichen Menschen und Völkern zu begreifen und auf diese Weise die Umwälzungen unserer Epoche zu verstehen" sagte er im Vorwort zum Peters-Atlas.

Peters hat seine Erfindungen immer im Kontakt und unter Mithilfe anerkannter Fachwissenschaftler gemacht. Unter anderen schrieb er sich mit dem Statistiker und DDR-Ökonomie-Professor Jürgen Kuczynski von 1954 bis 1962. Im Jahre 1964 trat Arno Peters mit einem Reparationsausgleichsplan an die Öffentlichkeit: Die Kriegsschulden seien fast ausschliesslich von der DDR bezahlt worden, der die BRD nun dieses Geld schulde. 1986 erhielt Arno Peters den Professorentitel.
2000 forderte Peters im Interview mit Prof. Dieterich eine neue Weltwirtschaftsordnung, partizipative Demokratie, Äquivalenz-Ökonomie und einen neuen Sozialismus.

Onkel Arno, wie ich ihn nannte, hat meiner Familie und auch mir zahlreiche Ausgaben der Synchronoptischen Weltgeschichte (und andere Schriften von ihm - oft mit einer Widmung) geschenkt. Mir hat das Buch in der Schulzeit und bis heute sehr geholfen. In den Jahren vor seinem Tod hat er mich öfter angerufen (meine Mutter war ja schon einige Zeit tot) um Fragen zu den Nachauflagen der Synchronoptischen zu besprechen.

Ein Blatt von Arno Peters für meine Mutter zum 70. Geburtstag. mehr...
2000  war ich für den Verlag Neues Leben unter der Leitung von Rudi Chowanetz tätig, der damals Arnos Buch "Computersozialismus" herausgebrachte  und ich habe mich mächtig ins Zeug gelegt, dieses Buch über seine Gesprächen mit Konrad Zuse, seinem berliner Freund, in die Buchhandlungen zu bekommen. In dem Zusammenhang haben wir dann wieder öfter telefoniert. Ich habe Arno damals eine illustrierte Internet-Version der Synchronoptischen vorgeschlagen. Sein Mitarbeiter Kaiser war da noch nicht dafür und hat erst jetzt an einer digitalen Fassung mitgearbeitet, die nach meiner Meinung noch verbesserte Fassungen braucht, die dann auch illustriert und leichter öffentlich zugänglich sein sollten!

1996 war ich zu Arnos 80.Geburtstag in Bremen: Da waren alle seine Töchter und Söhne versammelt: Arno hatte 7 Kinder aus drei Ehen - Anita, Anja, Aribert, Axel, Marco, Mirko und Sabine. Er lies mich in seinem privaten Hallenbad schwimmen, was ich sehr genossen habe. Arno Peters wohnte und arbeitete in seiner zweiten Lebenshälfte in Bremen, wo er am 02.12.2002 auch starb.



Werner Peters 1946 verliebt mit Ingeburg

und dieselben als junges Ehepaar in FDJ-Outfit 1951 am Sowjetischen Ehrenmahl im Treptower Park
1948 wird ihr Sohn Harro Walter Henry geboren
 und auf dem Foto ist er nicht mehr allein: Harro in der Bildmitte und rechts sein Bruder Klaus-Michael Willy

Werners Bruder Arno ganz rechts und in der Bildmitte Inge mit weisser Handtasche
beim Peters-Familientreffen 1965 in Weimar

Werner Peters mit seiner Frau Ingeburg im Alter.




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