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Alain Badiou:
Lob der Liebe
3. Auflage
Aus dem Französischen von Richard Steurer
80 S., Br., € 11,00
978-3-85165-966-5
Der französische Bestseller Éloge de l’Amour erscheint erstmals in deutscher Übersetzung. Der Philosoph Alain Badiou erklärt darin in einem Gespräch mit Nicolas Truong seinen Begriff der Liebe: „Die Überzeugung, dass jeder nur seine Interessen verfolgt, ist heute weit verbreitet. Die Liebe ist nun der Gegenbeweis dafür. Die Liebe ist das Vertrauen auf den Zufall.“ Der Philosoph muss sicherlich ein geübter Wissenschafter sein, ein Liebhaber der Gedichte und ein politischer Aktivist, aber er muss es auch auf sich nehmen, dass das Denken niemals von den gewaltigen Ereignissen der Liebe zu trennen ist. Gelehrter, Künstler, Aktivist und Liebender, das sind die Rollen, die die Philosophie von ihrem Subjekt verlangt. Badiou nennt das die vier Bedingungen der Philosophie. Beim Festival von Avignon 2008 fand im Rahmen des „Theaters der Ideen“ dieser Dialog über die Liebe zwischen Alain Badiou und Nicolas Truong statt: „Geben wir ein wenig an: Nicolas, der Fragende, und ich in der Rolle des verliebten Philosophen, wir waren in Form und es wurde ein Erfolg, ja sogar ein beträchtlicher Erfolg.“
Alain Badiou, geboren 1937 in Rabat, Marokko, lebt als Philosoph, Mathematiker und Romancier in Paris.
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Jean Baudrillard:
Der Geist des Terrorismus
Aus dem Französischen von Michaela Ott, Markus Sedlaczek
3., überarbeitete Auflage.
104 S., Br., € 14,90
978-3-85165-967-2
Warum fällt es uns so schwer, den abscheulichen Terroranschlag auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 zu verstehen? Im Versuch einer Antwort konfrontiert uns Baudrillard mit dem Unbewussten der westlichen Zivilisation. Haben wir nicht alle schon einmal von der Zerstörung der Macht geträumt? Haben wir nicht von diesem Geschehen geträumt, auch wenn wir es nie bewusst gewollt haben? Der Terrorismus hat unseren (Alb-)Traum in die Tat umgesetzt. Er hat das weithin sichtbare Symbol, das Zentrum der bestehenden Ordnung, das World Trade Center zerstört. Dort klafft nun eine Wunde, die wir nicht ertragen. Unser System akzeptiert nicht den Tod und vor allem keine Opfer an solch einem symbolischen Ort. Die Zerstörung eines Symbols, das für sich genommen eine ganze Ordnung repräsentiert, verweist auf das Wesen des Terrorismus. Jean Baudrillard (1929–2007) war Professor für Soziologie an der Universität Paris-Nanterre.
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Jacques Derrida:
Bleibe
Maurice Blanchot
Aus dem Französischen von Hans-Dieter Gondek
2., überarbeitete Auflage.
136 S., Br., € 18,90
978-3-85165-968-9
Neben Gestade legt auch Bleibe ein Zeugnis von jener besonderen Freundschaft ab, die Jacques Derrida und Maurice Blanchot verbunden hat. Blanchots Werk von 1994, Der Augenblick meines Todes, das den Beinahe-Tod (s)einer Erschießung durch die deutschen Besatzer am 20. Juli 1944 schildert, war Anstoß für diese Schrift. Darin befragt Derrida die Literatur nach ihrem Verhältnis zu Tod, Leiden oder Passion und das Zeugnis nach seinem Verhältnis zu Wahrheit, Literatur und Fiktion. Eine Reinheit oder Unschuld des Zeugnisses gibt es nicht.Es ist immer der Fiktion bedürftig, schwebt in Gefahr des Meineids – so auch die „autobio-thanatographische“ Erzählung Blanchots. Bei aller Freundschaft unterlässt es Derrida nicht, sich mit den politischen Einsätzen dieser Schrift als möglicher Rechtfertigung auseinanderzusetzen. Am Ende wird nicht nur die Aporie des Zeugen als eines Überlebenden sichtbar, sondern auch die Aporie eines Lebens, welches das unmittelbare Bevorstehen des Todes zwar überlebt hat, aber damit auch schon einen Tod gestorben ist.
Jacques Derrida (1930–2004) lehrte Philosophie in Paris und den USA.
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Ernst H. Gombrich:
Jüdische Identität und jüdisches Schicksal
Hg. von Emil Brix
Aus dem Englischen von Dorothea McEwan
2., überarbeitete Auflage.
80 S., Br., € 13,00
978-3-85165-970-2
In dieser Untersuchung, die zehn Jahre nach dem Tod des berühmten Kunsthistorikers neu aufgelegt wird, zeigt Sir Ernst H. Gombrich, dass die Rolle des Judentums im geistigen Leben Europas nicht auf rassistische Anlagen, sondern auf lang wirkende soziale Entwicklungen zurückzuführen ist. Ernst H. Gombrich verwirft den Begriff der jüdischen Kultur. Das Konzept jüdischer Kunst, so zeigt er, gründet sich keinesfalls auf dem Selbstverständnis der KünstlerInnen. Es sei vielmehr ein Produkt derer, die die Kunst und Literatur von Kunstschaffenden jüdischen Glaubens oder jüdischer Herkunft diffamieren wollten: „[...] ich bin der Meinung, dass der Begriff der jüdischen Kultur von Hitler und seinen Vor- und Nachläufern erfunden wurde.“ Diese Fremddefinition führt Gombrich auf die Verschiebung sozialer Hierarchien im Übergang von der Feudalherrschaft zum Kapitalismus zurück. Weil Juden der Landbesitz versagt war, nahmen sie als erste soziale Schlüsselpositionen in Handel und Finanzwesen ein. Erst dadurch wurden sie – vor ihrer Herkunft und ihrer Nationalität – als Juden wahrgenommen. Ernst H. Gombrich gelingt es, den jüdischen Mythos zu Gunsten eines humanistischen Denkens zu dekonstruieren. Sir Ernst H. Gombrich (1909–2001) war Leiter des Warburg Institute in London, unterrichtete von 1959 bis 1976 Kunstgeschichte an der University of London und gilt international bis heute als einer der wichtigsten Kunsthistoriker.
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François Jullien:
Die Affenbrücke
Über künftige Diversität – kulturelle Fruchtbarkeit statt nationaler Identität
Aus dem Französischen von Paul Maercker
88 S. Br., € 11,90
978-3-85165-972-6
Der Philosoph und Ostasienwissenschaftler François Jullien verknüpft den Bericht seiner Vietnamreise mit philosophischpolitischen Reflexionen und einem Plädoyer für den Dialog der Kulturen. „Affenbrücken“ sind aus drei Bambusrohren bestehende, fragile Konstruktionen, die im Mekong-Delta in Vietnam jahrhundertelang die einzige Möglichkeit der Flussüberquerung boten. Nun werden sie von Betonbrücken verdrängt. Jullien veranschaulicht an diesem Phänomen die Notwendigkeit einer Erweiterung des westlichen Denkens und nimmt die „Affenbrücke“ als Symbol für die Überwindung kultureller Abstände: Anstatt uns auf Werte zu berufen, die, unveränderlich und voreingenommen, nur zur Reproduktion von Kolonialismen führen, müssen wir beginnen, uns auf kulturelle Ressourcen zu stützen, die inklusiv und allen zugänglich sind, um eine künftige Diversität zu bewahren. François Jullien, geboren 1951, lehrt an der Universität Paris VII klassische chinesische Philosophie und Ästhetik und war Präsident des Collège International de Philosophie. Er wurde 2010 mit dem „Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken“ ausgezeichnet.
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Jacques Rancière:
Politik der Literatur
Aus dem Französischen von Richard Steurer
2., überarbeitete Auflage
264 S., Br., € 34,00
978-3-85165-978-8
In Politik der Literatur geht es nicht darum, ob die SchriftstellerInnen Politik betreiben oder sich eher der Reinheit ihrer Kunst widmen sollen, sondern darum, wie diese Reinheit selbst mit der Politik zu tun hat. Die Politik der Literatur ist nicht die Politik der SchriftstellerInnen und ihres Engagements. Sie betrifft auch nicht die Weise, wie diese die gesellschaftlichen Strukturen oder politischen Kämpfe darstellen. Der Ausdruck „Politik der Literatur“ setzt eine spezifische Verbindung voraus zwischen der Politik als Form der kollektiven Praxis und der Literatur als bestimmte historische Ordnung der Schreibkunst. Rancière versucht zu zeigen, wie die literarische Revolution tatsächlich die sinnliche Ordnung umwirft, die die traditionellen Hierarchien unterstützte. Er geht aber auch der Frage nach, warum die literarische Gleichheit jeden Versuch vereitelt, die Literatur in den Dienst der Politik zu stellen oder sie an ihre Stelle zu setzen. Rancière erprobt seine Hypothesen an Schriftstellern wie Flaubert, Tolstoi, Mallarmé, Brecht oder Borges und verweist auch auf die Konsequenzen für die psychoanalytische Interpretation, die historische Erzählung oder die philosophische Konzeptualisierung. Jacques Rancière, geboren 1940, ist emeritierter Professor für Philosophie und Ästhetik.
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Paul Virilio:
Die Verwaltung der Angst
Aus dem Französischen von Paul Maercker
88 S. Br., € 11,90
978-3-85165-981-8
Klimachaos, Börsenpanik, Wirtschaftskrise, Terrorismus... Die stetig wachsende Zahl der Bedrohungen, denen wir heute ausgesetzt sind, veranlasst Paul Virilio zu Überlegungen über das Phänomen der Angst, ihre mediale Verbreitung und politische Instrumentalisierung in einer globalisierten, unablässig beschleunigten Realität. Im Gespräch mit dem Herausgeber und Journalisten Bertrand Richard zeichnet Virilio das Porträt einer „unbewohnbar gewordenen Welt“. In dieser erscheint die Angst als unvermeidliche Kehrseite der Fortschrittspropaganda, weil die Politik neuerdings von globaler statt von individueller Sicherheit spricht und damit sukzessive die Gesellschaft unterminiert. Paul Virilio liefert eine umfassende Analyse der politischen, medialen, aber auch philosophischen Implikationen der allgegenwärtigen Angst, die von den Mächtigen verbreitet, orchestriert und verwaltet wird. Einmal mehr warnt er davor, schreckensstarr und tatenlos den Ereignissen zuzusehen und ruft zum Bruch mit der „Echtzeit“ auf, damit die Diversität, jene des Lebens, der Orte, aber auch jene der Zeit, fortlebt. Paul Virilio wurde 1932 in Paris geboren. Er begründete die École Spéciale d’Architecture und lebt heute als Architekt, Stadtplaner und Schriftsteller in La Rochelle.
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Reingard Maria Gold:
Auf der Suche nach dem verlorenen Gott
Ein Essay über Nietzsche
392 S., Br., € 42,00
978-3-85165-969-6
Dieses Buch stellt den Versuch einer Annäherung an Nietzsches Gedankenwelt im Kontext seiner existenziellen Problematik dar. Dazu wurden nicht nur Nietzsches Werke, sondern auch sein gesamter Nachlass, sein Briefwechsel und die Wahrnehmung seiner Zeitgenossen mit einbezogen. Nietzsche stilisierte sich stets als Rätselhafter und zutiefst Verborgener, dem niemand auf die Spur kommen könne. Dieser Befund ist noch um eine weitere Dimension zu ergänzen: Er war auch sich selbst ein Verborgener, ein Zerrissener, der die beiden Komponenten seines Daseins nicht in Einklang bringen konnte. Was er verkündete und was er wirklich ersehnte, standen in krassem Gegensatz zueinander. In diesem zermürbenden Kampf gegen sich selbst verbrauchte er seine geistigen und körperlichen Kräfte bis es kein anderes Entkommen mehr gab als die Flucht in die Erlösung der geistigen Nacht. Die „Unzeitgemäßheit“, die er sich selbst bescheinigte, gilt für beide Richtungen des Zeitpfeils: Für seine Vorstellungen der Zukunftsgestaltung nahm er Maß an Konzepten der Vergangenheit. Wie originell war sein Denken? Welche wertvollen Erkenntnisse seiner Ideen bleiben uns? Reingard Maria Gold, geboren 1944 in Graz, Studium der Philosophie und Geschichte, freie Forschung auf beiden Gebieten.
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Cem Kömürcü:
Sehnsucht und Finsternis
Schellings Theorie des Sprachsubjekts
312 S., Br., € 35,00
978-3-85165-973-3
Mit der Sehnsucht und der Finsternis versucht Schelling uns die vorweltliche, vorsprachliche Phase, den Grund von allem Sein und Denken, spekulativ zu verdeutlichen. Daher steht die Welt als solche, die Regel und die Ordnung, nicht im Mittelpunkt des Buches. Die weitaus interessantere Frage scheint zu sein: Was war vor der Welt? Schellings Philosophie zeichnet sich – besonders deutlich seit der Freiheitsschrift (1809) – dadurch aus, dass sie eine Theorie der Sehnsucht entwickelt, die ihren Ausgang von Fichtes subjektividealistischem Begriff des Sehnens nimmt und diesen zugleich überschreitet. Dabei gewinnt die Sehnsucht an sprachtheoretischer Bedeutung. Kömürcü stellt diese den Sprachkonzeptionen des 20. Jahrhunderts gegenüber, etwa jener Lyotards oder Heideggers. Nicht die „Sprache spricht“ (Heidegger), sondern das personaliserte Andere: Sprache ist auf Persönlichkeit, das heißt auf Selbstverhältnisse angewiesen. Die Konsequenzen dieser präexistierenden, wortsuchenden Sehnsucht deutet Kömürcü in Anlehnung an die bislang kaum beachteten Stuttgarter Privatvorlesungen (1810) Schellings anthropologisch und anarchopolitisch. Cem Kömürcü, geboren 1981 in Mannheim, lehrt Philosophie und Literatur an der Universität Heidelberg.
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Peter Rech:
no/men
Bildnisse der
Immaculation
184 S. zahlr. SW-Abb., Br., € 22,90
978-3-85165-979-5
Die Nötigungen von Kunst und Kirche sind in den Bildern von der Jungfrau übereingekommen. Das Zeichensystem der Immaculation verschwindet nicht. Zu schonen und zu verkennen soll der Missbrauch sein. Das Religiöse mit dem Heiligen verbindend, gerät ein Bild zu einer Glaubenslehre. In Abgrenzung zum Mittelalter wurden in der Renaissance durch mächtige Männerbünde der Bilderzunft und der Geistlichkeit die Formen und Vorstellungen des römischen Altertums „wiedergeboren“. Die Bilder wurden von der Baukunst unabhängig. Als Tafel-(„Brett“-)Bilder waren sie damit gleichzeitig als leer und vertraulich zu lesen. Mit dem Abbilden der wunderschönen Kindmutter wurde dem unschuldigen Mädchen göttlicher Anfang anheim gegeben. In diesem Buch werden Madonnenbilder der Renaissance zeichnerisch nachempfunden und mit verschiedenen Texten in Verbindung gebracht. Das Irremachende der weltlichen Allianz von Kunst und Religion setzt sich bis heute in wahnhaften Phantomen und Erzählungen durch. Der Autor thematisiert Bilder, die als autonyme Sakramentalien die Kunst heiligen. Peter Rech, geboren 1943, lehrte Kunst, Kunsttherapie und Malerei an der Universität Köln.
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Laurence A. Rickels:
Geprüfte Seelen
Aus dem Amerikanischen von Nicola Behrmann,
Thorsten Carstensen, Egbert Hörmann und Marietta Kesting
128 S., Br., € 25,90
978-3-85165-980-1
Lässt sich aus der Figur der Seelenprüfung, die Daniel Paul Schreber in seinen Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken entwickelte, in den Werken von Philip K. Dick, Aby Warburg, Ludwig Binswanger, Ian Fleming und Melanie Klein ein gemeinsames Gedankenexperiment ableiten? Ja. Mit Hilfe symptomatischer Metabolisierungen dessen, was Freud als „Realitätsprüfung“ bezeichnete, führt Rickels die Androiden- Bilder der Pop-Kultur, den Empathie-Test für Menschlichkeit und Ian Flemings James Bond gekonnt zusammen. Die Konfrontation mit der Wirklichkeit des Verlusts erweist sich hierbei als signifikant. Im Kontext von Dicks Werk legt Rickels die Ruinen der Realitätsprüfungen frei, die im Leid animalischer und psychotischer Subjekte erkennbar sind und Verlust implizieren. Er verweist dabei auf einen Ansatz zur Überwindung eines zerstörerischen Bestandteils der jüdisch-christlichen Traditionen – des Speziesismus. Ian Flemings James Bond-Erzählungen stellen im Kampf von Autor und Protagonist um die „innere Welt“ einen Versuch zur Abgrenzung gegen den Verlust dar. Auch in Melanie Kleins Auseinandersetzung mit „Hamlet“ muss die „innere Welt“, als Kernpunkt psychischer Realität, mittels Realitätsprüfung durch Trauer gegen Angriffe des Verlusts in der äußeren Welt verteidigt werden. Laurence A. Rickels lehrte Sprachwissenschaften und Psychoanalyse an der University of California. Derzeit unterrichtet er Kunsttheorie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe.
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David Grand:
EMDR – Ein Durchbruch in der Psychotherapie
Aus dem Englischen von Cäcilie Koßmann
264 S., Br., € 29,90
978-3-85165-971-9
David Grand beschreibt ausführlich die Wirkungsweise der traumatherapeutischen Methode EMDR. Auf verständliche und sehr persönliche Weise stellt das Buch eine ideale Einführung in die aktuelle Praxis und in die Effektivität dieses Verfahrens dar. David Grand schöpft aus seiner reichhaltigen Erfahrung als Psychotherapeut in New York. Sein Engagement bei nationalen Katastrophen und seine Hilfe in internationalen Krisengebieten schärften seinen Blick für die Bedeutung des Einsatzes von EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing). Anhand einer großen Zahl von Fallbeispielen führt der Autor ausführlich in die EMDR-Therapie ein und erläutert die Schritte des therapeutischen Prozesses. Neben den heilenden Anwendungen verweist er in weiteren Beispielen auf die Hilfsmöglichkeiten im Bereich des Sports und der Kunst. Auch für Alltagsprobleme wie Lampenfieber, Höhenangst oder Lernschwierigkeiten zeigt er Wege, mit EMDR zu arbeiten. Im Anhang stellt David Grand seine Weiterentwicklung des EMDR zu Brainspotting vor. Dieses Buch ist hilfreich für alle, die mit Menschen arbeiten wie Lehrer, Ärzte, Seelsorger oder Einsatzkräfte, aber auch für Studierende und Klienten.
David Grand, geboren 1952, arbeitet als Psychotherapeut in New York und lehrt die Methode des Brainspotting.
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Christian Krall-Wartlsteiner:
Apriljahrsbucht 4: Bonustrack
Textformate. / Daumenklo und anderes
128 S., Br., € 14,90
978-3-85165-974-0
Wenn der Mensch noch nicht ins Bett will und die Literatur noch nicht zurück ins Regal, tut es gut, Nachschub zu haben. Ein weiteres Holzscheit, mehr Naschwerk, im Kännchen ein Rest. Oder Band 4 einer Trilogie, die keine Reihung, aber nun einen Bonustrack hat. Nachgeschobenes: Literarische Konfiserie, Approposen, Überhang. Parerga ja. Paralipomena nein. Ob Bleibendes? (You never know what will happen next.) Aber Gebliebenes immerhin: wichtig, übrig, beharrlich, hängen, frisch. Frisch aus dem Inhalt: Eine geheimnisvolle Kiste wird getragen. Ein Gegenteil wird postuliert. Es wird um Geld getan oder auch nicht. In ein Gebetbuch gemacht (von einer Schwalbe). Ein Pferd winkt herüber. Sushi wird definiert (klebrig trifft auf roh; wie in der Politik). In der Leselupe erscheint Arno Robinson Crusoe Schmidt. Noch kürzere Filme und kurze Texte laufen in Unsynchronologie. Schritte auf-blaue-Schemen-zu werden gemacht. Äpfel gepflückt. Und Wein rinnt über das Feld. Christian Krall-Wartlsteiner, geboren 1955 in Waidhofen an der Ybbs, verheiratet, ein Sohn, lebt in Linz.
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Fotini Ladaki:
Freud kam nach Parl-Dora
136 S., Br., € 15,90
978-3-85165-976-4
Der Text umkreist das Unbewusste als einen ortlosen Ort und verbindet ihn mit den Begriffen des Exils und der Chora. Die berühmte „Scherzfrage“ Freuds über die Sage des Christophorus erreicht dabei den Status eines polyvalenten Paradoxons. Gibt es heute noch Gründe, die Größe der psychoanalytischen Entdeckung zu schätzen? Die Autorin thematisiert eine Mortifizierungstendenz der Psychoanalyse in der Nachfolge Sigmund Freuds. Die Lehre vom Unbewussten droht dabei in den Sog eines suggestiven Selbstläufers von Übertragung und Gegenübertragung zu geraten. Damit würde sie sich der Nymphe Echo angleichen, die nur die letzten an sie gerichteten Wörter wiederholt. Jacques Lacan hat mit seiner buchstäblichen „Rückkehr zu Freud“ einen Kampf um die „Freudsche Sache“ geführt. Dennoch wird seine Theorie, die sich in ihrer methodischen Strenge auch als eine geniale Praxis des Hörens erwiesen hat, aus der Institution der Psychoanalyse ausgeschlossen. Wofür kann aber ein Diskurs haften, der sich selbst der Praktiken von Selektion und Aussonderung bedient? Fotini Ladaki, 1952 in Nordgriechenland geboren, ist niedergelassene Psychoanalytikerin und Autorin.
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Götz Wienold
Planet Grynszpan
Mit einem Essay Herschel Grynszpan – eine andere Sicht
112 S., Br., € 13,90
978-3-85165-982-5
Dem Pariser Attentat durch Herschel Grynszpan, folgten im November 1938 nationalsozialistische Pogrome: ein Mord als Fanal? Mit homosexuellem Hintergrund? Von Reinhard Heydrich und dem SD vorgeplant und angestiftet? Herschel Grynszpan, Attentäter von Paris, den Nazis willkommener Vorwand für die Pogrome an deutschen Juden im November 1938, als zentrale Figur eines zeitgeschichtlichen Stücks. Statt einer geschlossenen Sicht von Ereignissen bietet es drei unterschiedliche Versionen: Tötete Grynszpan, um die Welt aufzurütteln? Stand das Opfer, ein deutscher Diplomat, in homosexuellen Beziehungen zu ihm und zahlte nicht? Oder – eine wenig verfolgte, doch nicht unwahrscheinliche Hypothese – wurde Grynszpan von Heydrich und dem SD angestiftet, damit der lange vorausgedachte Terror gegen die Juden in Gang gesetzt werden konnte? Die Person Grynszpans lässt sich weder mit „gut“ noch „böse“ oder „tragisch zwiespältig“ fassen, steht unbestimmt und unbestimmbar zwischen den drei Blicken auf Attentat und Folgen. Herschel Grynszpan, ein anstößiger und unheilvoller Planet mit historischer Wirkung – eine große Rolle. Götz Wienold, geboren 1938, lebt in Tokyo, schreibt Theaterstücke Romane und Erzählungen.
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Anna Meyer (Hg.):
Another Time, Another Planet
Mit einem Text von Raimar Stange
16 S., Br., € 7,00
978-3-85165-964-1
Mit dem Billboard Another Time, Another Planet realisierte Anna Meyer ein überdimensioniertes Ölbild (5 x 20 Meter, Öl auf Airtex-Folie) an der Außenfassade eines Firmengeländes, die ein Jahr lang als Spiegel der Umgebung fungieren wird. Das Bild geht von einem Setting der Wirklichkeit aus und schildert explizit und exemplarisch die Situation am Stadtrand um die Gasometer-Gebäude in Wien Simmering. Dort, wo die Stadt „ausfranst“, treffen verschiedene Welten und Zeitschichten aufeinander. Das Billboard beschreibt und untersucht die Realität in all ihren auswuchernden Aspekten und fungiert als schillernder Verwalter für Zweifel, Melancholie, Auflösung, Bild, Sprachbild und Wirklichkeit. Anna Meyer, 1964 in der Schweiz geboren, lebt und arbeitet in Wien. Sie ist Dozentin an der HSL Luzern und realisierte verschiedene internationale Ausstellungen.
Literatur-Nobelpreisträger 2010: Mario Vargas Llosa![]()
Mario Vargas Llosa
Demokratie heute
32 S., Br., € 7,00
978-3-85165-072-3
In seiner Vorlesung, vom Institut für die Wissenschaft vom Menschen in Wien veranstaltet, beschäftigt sich Vargas Llosa mit dem Nationalismus als Gefahr für die Demokratie. Der Ursprung des Nationalismus scheint legitim: die Verteidigung des natürlich gewachsenen Partikularen und Pluralen gegenüber einem nivellierenden Universalismus. Die Geschichte der Nationen zeigt aber, dass keine von ihnen natürlichen Ursprungs ist. Nationen sind politische Fiktionen, die – fast immer gewaltsam – einer heterogenen Realität übergestülpt wurden. Das aktuelle Wiedererwachen des Nationalismus kann allerdings nicht über die fortschreitende Auflösung der Nationen hinwegtäuschen. Der weltweite Prozess der Internationalisierung ist nicht aufzuhalten. Sein Motor ist nicht, wie einst erhofft, der Sozialismus, sondern der Kapitalismus.
Mario Vargas Llosa, geboren 1936 in Areqipa (Peru), lebt als Schriftsteller und Essayist in Lima und London. 1993 lehrte er Literatur an der Princeton University.
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Jacques Derrida
Das Tier, das ich also bin
280 S., Br., € 38,00
978-3-85165-944-3
Die Frage nach „dem Tier“ ist für Derrida stets von großer Bedeutung gewesen und in vielen Texten präsent. Der von Marie-Louise Mallet posthum zusammengestellte Band versammelt die vier Teile eines langen Vortrags, den Jacques Derrida 1997 auf einem ihm gewidmeten Kolloquium zum Thema „L’Animal autobiographique“ in Cerisy-la-Salle gehalten hat. Die in der philosophischen Tradition verankerte Dichotomie von Mensch und Tier stellt dem vernunftbegabten Subjekt ein – den logos entbehrendes – homogenes „Tier“ gegenüber. Sie begründet damit eine logozentrische Herrschaftsposition des Menschen, dessen potenzielle Animalität ausgelöscht wird. Derrida unterläuft diese gewaltsamen Zugriffe von Sprache und Denken, indem er ein neues Wort einführt: animot. Es zeigt, dass die Rede von „dem Tier“ nur ein Wort (mot) ist, und gibt homophon zu hören, dass es „Tiere“ (animaux) nur im Plural gibt. Im Durchgang durch die Tradition von Aristoteles über Descartes, Kant, Heidegger bis Lacan und Lévinas sowie unter Befragung der Erfahrungen der „Nacktheit“ und des „Leidens“ verweist Derrida auf die Zerbrechlichkeit der angenommenen Grenzen des „Eigenen“ des Menschen, die den klassischen Mensch-Tier-Gegensatz begründen.
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Jacques Derrida
Prejuges
4. Aufl.
112 S., Br., € 14,90
978-3-85165-915-3
Ausgehend von der Frage nach dem Urteilen und dem Verweisungsspiel des unübersetzbaren Titels Préjugés unternimmt Derrida eine philosophierende Lektüre von Kafkas Erzählung „Vor dem Gesetz“. Préjugés handelt von dem in Kafkas Erzählung „Vor dem Gesetz“ paradigmatisch aufzuzeigenden Verhältnis von Gesetz und Erzählung, der vorgeblichen Geschichts- und Narrationsfreiheit des „Du sollst“ oder des Kategorischen Imperativs Kants und der Narrativität. Diese ist – wie Derrida und andere an Freuds Quasi-Erzählungen vom Ursprung der Moral zeigen – vielleicht nur im Modus des „Als ob“ vom Gesetz, der Moral, ja der Philosophie ausgeschlossen. Ein Grundtext für die Unternehmung einer Relektüre der Affären von dem, was man vielleicht „Literatur“ und „Philosophie“ zu nennen gewöhnt ist!
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Jean-Francois Lyotard
Streifzüge
200 S., Br., € 25,90
978-3-85165-941-2
Im Mai 1986 hielt Jean-François Lyotard in Irvine drei Vorträge. Zusammen bilden sie die erste „intellektuelle Autobiographie“ des Pariser Philosophen, der mit seinem Postmoderne-Begriff die Debatten der achtziger Jahre beherrschte. Streifzüge, Lyotards persönlichstes Buch, ist ein Bericht über Motive und Hintergründe seiner Arbeit, aber auch eine kritische Analyse seiner komplexen und oft widersprüchlichen intellektuellen Entwicklung. Der Untertitel „Gesetz, Form, Ereignis“ benennt die drei Hauptinteressensgebiete, um die sein Denken kreist: Ethik/Politik, Ästhetik und Geschichte. Lyotards Analyse zeigt die Schwierigkeiten, mit denen ein kritisches Denken konfrontiert ist, welches das Ereignis nicht einem theoretischen Dogmatismus opfern will. Ziel seiner Arbeit ist eine Theorie, die offen ist für Nuancen, für Heterogenität und existierende Widersprüchlichkeit.
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Jean-Luc Nancy
Identität
Fragmente, Freimütigkeiten
88 S., Br., € 11,90
978-3-85165-958-0
2009 eröffnete die französische Regierung eine öffentliche Debatte über die „nationale Identität“. Der Philosoph Jean-Luc Nancy entlarvte sie sofort als Wahlkampf- und Ablenkungsmanöver. Der vorliegende Band ist ein Versuch, die philosophische Tragweite dieser Frage nach nationaler Identität zu untersuchen. „Diese Fragmente sind dem sprachlosen Erstaunen abgerungen: Der Staat, dessen Bürger ich bin, bringt eine nationale Debatte über die nationale Identität in Gang. Ist sie denn verloren gegangen? Ist sie etwa entschieden zu unentschieden geworden? Ist sie vielleicht in Gefahr? Der Staat ist doch immer nur das Instrument der Nation: Es obliegt nicht ihm, ihre Identität zu definieren, noch weniger, sie zu konstituieren. Weiß man denn überhaupt, wovon man spricht? Mein anfängliches Staunen kommt daher, dass belastete Begriffe wie ,Identität‘ und ,Nation‘, die seit – mindestens – einem halben Jahrhundert mit philosophischen, psychoanalytischen, ethnologischen, soziologischen und politischen Fragen überfrachtet sind, so frisch-fröhlich in eine ,Debatte‘ hineingetrieben werden.“ (Jean-Luc Nancy)
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Jean Baudrillard
Die Intelligenz des Bösen
2. Aufl.
200 S., Br., € 22,90
978-3-85165-961-0
Baudrillards Reflexionen zu Politik, Kunst und den neuen Technologien beschreiben die Entwicklung hin zu einer scheinbar kontrollierbaren Realität wie auch die Umkehrung dieser Struktur gegen sich selbst – die Manifestation einer Intelligenz des Bösen. Das Realitätsprinzip ist im Zuge einer Totalisierung der Welt durch die Guten im Verschwinden begriffen. An dessen Stelle tritt eine virtuelle Realität, eine integrale Realität, die scheinbar vollkommen, kontrollierbar und ohne Widerspruch ist. Doch bringt diese fatale Logik des Exzesses zugleich das verdrängte Andere hervor: das Übermaß an Gesundheit den Virus, das Übermaß an Sicherheit neue Bedrohungen und so weiter. Hierin liegt die Intelligenz des Bösen, die bösartige Umkehrung der Struktur gegen sich selbst. Wie schon in Der Geist des Terrorismus gelingt Baudrillard auch mit diesem Buch ein faszinierendes Psychogramm unserer Weltordnung zu Beginn des 21. Jahrhunderts.
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Denken im Affekt
Bernd Bösel /Elisabeth Schäfer /Eva Pudill (Hg.)
192 S., Br., € 21,90
978-3-85165-956-6
Welche Beziehung unterhalten Denken und Affekt? Kann man Denken und Affekt überhaupt trennen? Oder denken wir nicht immer im Affekt? Über Stimmungen, Emotionen, Affekte wird seit einigen Jahren viel nachgedacht. Scheinbar hat man damit die metaphysische Trennung von Sinnlichkeit und Verstand überwunden. Dieses Denken über die Affekte fragt aber nicht, ob das Denken überhaupt außerhalb der Affekte stattfinden kann. Ist das Denken nicht immer im Affekt? Und wurzelt der Wille zum affektfreien Sprechen nicht zuletzt in einem geschickt verschleierten Pathos der Nüchternheit? Mit diesen Fragen soll einem anderen, „redlicheren“ Denken der Affektivität das Feld bereitet werden. Dieses Buch eröffnet die „Praterstern Protokolle“ – eine neue philosophische Reihe des Passagen Verlages mit jungen Wiener PhilosphInnen, deren Arbeitsprinzip es ist, Texte miteinander wachsen zu lassen und die Möglichkeiten essayistischen Schreibens auszuloten.
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Gerhard Burda
Mediales Denken
152 S., Br., € 15,90
978-3-85165-943-6
Mediales Denken beschäftigt sich mit dem Knoten von Phänomediologie, Epistemediologie und Ontomediologie. Es untersucht das medial vermittelte Erscheinen aller Phänomene sowie den phantasmatischen Aufbau erkenntnistheoretischer Formate und denkt eine Ethik der medialen Solidarität in den Wissenschaften (Mediarität) an. Mediales Denken untersucht mediale Ereignisse und Zusammenhänge (Mediamorphose, Immedialität) sowie Differenzen (Alteraktion, Medialterität). Phänomediologisch ist es durch das medial vermittelte Erscheinen aller Phänomene ausgewiesen. So nutzt es das Spannungsverhältnis zwischen Erkenntnistheorie und methodischem Skeptizismus dazu, eine die phantasmatischen Bedingungen ihrer Möglichkeit reflektierende Epistemediologie und Ontomediologie zu entwerfen, die eine absolute Fragilität von Welt und Subjekt nahelegt. Vor diesem Hintergrund wird eine Ethik der medialen Solidarität in den Wissenschaften (Mediarität) angeregt.
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Ulrich Engel
Europa als Versprechen
Philosophisch-theologische Debattenbeiträge
128 S., Br., € 15,90
978-3-85165-962-7
Ohne Zweifel befindet sich Europa in der Krise. Sowohl das Scheitern des Verfassungsprojekts der Europäischen Union 2007 als auch der mühsame Weg bis hin zum Inkrafttreten des Reformvertrags von Lissabon 2009 sind als deren Phänomene zu lesen. Zur Diskussion steht nicht weniger als die Frage nach der kulturellen Identität des Kontinents. Wie sind in diesem Europa, mit seinen heterogenen Wurzeln und geschichtlich ausgebildeten Antagonismen, Einheit und Vielfalt als sich gegenseitig befruchtende „Einverschiedenheit“, als „discordia concors“ zu denken? Mit Jacques Derrida kann die Identität Europas als Versprechen bestimmt werden. Im philosophisch-theologischen Angang gilt es ein zukünftiges Europa zu rekonstruieren, das nicht bloß das eigene Wohl im Auge hat, sondern auch und besonders um die Anderen (jenseits der Grenzen) weiß. Vor diesem Hintergrund wird eine offene, gleichsam performative Identitätskonzeption für Europa vorgeschlagen. Ihre theologische Reflexionsgestalt findet sie im Rückgriff auf die Negative Theologie.
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Matthias Gaertner
Die Sinne erörtern den Leib
Vom Wesen des Menschen III. Leib und Sinne
200 S., Br., € 22,90
978-3-85165-947-4
Auch die Toten sind Menschen. Vielleicht sind gerade sie im doppelten Sinn des Wortes endlich, ja, vollendet Menschen. Der sterbende Sokrates verzichtete auf die Überlegenheit eines mächtigen Verstandes. Er dachte nicht für das Leben, hoffte nicht bis zuletzt auf Rettung – Anfang der Philosophie. Wesen des Menschen ist nicht das Leben. Leiblichkeit aber gehört zu allen Weisen Mensch zu sein, zum Lebendigsein wie zum Totsein. Die Frage nach Leib und leiblicher Fundierung der Sinne gehört daher ins Zentrum einer Besinnung zum Wesen des Menschen. Sinne sind nicht Wahrnehmungen. Sinne sind neben den meist genannten fünf auch Geschlecht, Lachen, Tanzen; auch Glauben, Handeln, Gewissen, Erinnerung; sogar Sterben ist ein Sinn. Insbesondere muss aber Denken Sinn sein können. Sinnlich und sinnlich er-örtern die Sinne den Leib. So ist der menschliche Leib, anders als der Körper, immer nur für ein Gegenüber gegeben, nie für das Ich selbst. Leib heißt Wohnen im Sinn – An-Fangen des Sicht- und Hörbaren, Sagbaren, Fühlbaren, Glaub-Würdigen; des Erinnerbaren; Denkbaren – alles Sinnlichen, und daher und darin: von Sinn.
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Dimitri Ginev
Das hermeneutische Projekt Georg Mischs
160 S., Br., € 17,90
978-3-85165-948-1
Das Buch rekonstruiert das hermeneutische Projekt Georg Mischs, indem der Autor den Schwerpunkt auf einen Vergleich mit der Daseinsanalytik Heideggers und der philosophischen Hermeneutik Gadamers legt. Besondere Aufmerksamkeit wird der Frage geschenkt, inwieweit die hermeneutische Lebenslogik die spätere Dekonstruktion der logozentrischen Begrifflichkeit metaphysischer Tradition antizipiert. Die Lebensphilosophie, die Georg Misch konzipiert hat, sucht nach einer Befreiung des Logos vom „Logismus“ der metaphysischen Tradition. In dem Bemühen, diese Aufgabe zu lösen, wird eine hermeneutische Logik der Konstitution kultureller Lebensformen entwickelt. Das philosophische Projekt Mischs setzt so radikal an, dass auch die Phänomenologie für einen Restessentialismus kritisiert wird. Die „Unergründlichkeit des Lebens“ schließt die Verselbständigung einer transzendentalen Position aus. Mit dem Projekt Mischs beginnt ein unendlicher Dialog zwischen Hermeneutik und Dekonstruktion.
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Andrea Günter
Platons Politeia
Philosophie. Pluralität. Gerechtigkeit
124 S., Br., € 14,90
978-3-85165-949-8
Was will eine Seele, die nicht aufgrund des Mangels, sondern in Anbetracht ihres Habens begehrt, und dieses Begehren Gerechtigkeit nennt? Was ist dann Gerechtigkeit, was außerdem das Politische? Platon entwickelt in der Politeia eine Theorie über das Politische, die zum Ausgangspunkt nimmt, dass die Seele das Mehr zum Haben und Haben-Wollen ergreifen will. Diese Disposition des Begehrens evoziert die Suche danach, welche Dynamik Gerechtigkeit sein könnte. Gerechtigkeit ist kaum mehr idealistisch oder pragmatistisch zu verstehen. Sie kann vielmehr als
libidinös-politische Kraft Wirkungen entfalten. Hierzu, so Platon, muss sie sich vor allem an etwas „Unglaublichem“ bewähren: an der Geschlechtergerechtigkeit als Inbegriff von Ethik, Pluralität, Kulturation. Verfügt das Begehren über das Vermögen, menschliches Gemeinsames hervorzubringen? Platons Text kann als konzeptionelle Alternative des Politischen nach dem Tod der großen Erzählungen und Ideen rekonstruiert werden.
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Benno Hübner
Der metaphysische Identitäts-Bruch
Einbruch des kausal-logischen
in das teleo-logische Denken
Band I
164 S., Br., € 18,90
978-3-85165-950-4
Der metaphysische Identitäts-Bruch des heutigen Menschen hat bewirkt, dass das telos menschlichen Ek-sistierens sich zunehmend vor dem kausal-logischen Denken und dem autonomen Willen zu verantworten hat. Nur indem wir Gott das Recht auf den Menschen nahmen, wurde es möglich, das Natur-Recht auf uns selbst – die Menschen-Rechte – wieder zu erringen. Aus dem metaphysischen Gefängnis befreit, erkennen wir, dass wir uns dieses einst selbst bauten. Die Macht, die wir den Göttern nahmen, um uns selbst zu ermächtigen, war eine aus unserer ursprünglichen Ohn-Macht heraus auf diese projizierte. So sind wir Menschen letztlich auch für unsere Götter verantwortlich. Ethische Fragen können folglich nicht mehr verbindlich im „göttlichen (kursiv: B.H.) Licht der Vernunft“ (Josef Ratzinger) gesehen und beantwortet werden, sondern nur im Licht der menschlichen. Hierbei entspringt eine, jeglichem Imperialismus absoluter Werte widersprechende, „Diktatur der Relativität der Werte“ (Benedict XVI.).
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Axel Pichler
Nietzsche, die Orchestikologie und das dissipative Denken
240 S., Br., € 26,90
978-3-85165-953-5
Das Buch unternimmt eine Neu-Lektüre von Friedrich Nietzsches Philosophie. In dieser tritt an die Stelle eines begründenden Denkens die radikalkritische Denkbewegung der Orchestikologie. Das Werk Nietzsches gilt als Inbegriff einer Philosophie der Ambivalenz. Bedingt durch die Fülle von Antinomien und Paradoxien, die Nietzsches Schriften durchziehen, scheint eine vereinheitlichende Lektüre seines Werkes zum Scheitern verurteilt. Axel Pichler legt demgegenüber einen erneuten Ordnungsversuch dieses zum Fragment tendierenden Denkens vor, ohne bloß beim Konstatieren besagter Polysemantizität zu verharren. Mit Hilfe einer eigens entwickelten Lektüremethode – eine für die Eigenheiten der Nietzscheschen Texte adaptierte Version von Michel Foucaults Diskursanalyse – gelingt es dem Autor, Nietzsches Denkbewegung zu isolieren. Unter dem Namen „Orchestikologie“ zusammengefasst entspringt diese aus Nietzsches Destruktion und Verabschiedung der Epistemologie und schafft durch ihre spezifische Form die Möglichkeit einer Kritik, die jegliche „Autorität überwindet, ohne selbst den Anspruch auf Autorität zu erheben“ (Rorty).
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Rumänien heute
Hg. lulia Dondorici
240 S., Br., € 32,00
978-3-85165-945-0
Der Band bietet einen kritischen Überblick über die Entwicklung Rumäniens in der Transformationszeit und verbindet dabei die westeuropäische Außensicht mit der rumänischen Innensicht. Die Beiträge erkunden die Situation in unterschiedlichen politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Bereichen. Bekannte Persönlichkeiten aus Rumänien und Deutschland, aber auch junge Wissenschaftler, Künstler und Schriftsteller suchen Antworten auf hochaktuelle Fragen. Welche Rolle spielt Rumänien in Südosteuropa und in der EU? Worin besteht die europäische Identität Rumäniens? Eine Vielfalt an Themen und Standpunkten
soll dem deutschsprachigen Leser einen Eindruck von diesem osteuropäischen Land mit seinen Widersprüchen und Schwierigkeiten sowie seinen Leistungen, seiner Geschichte und Gegenwart vermitteln.
Passagen Architektur![]()
Wolfgang Meisenheimer
Der Rand der Kreativität
Planen und Entwerfen
146 S., Br., € 17,90
978-3-85165-951-1
Jeder künstlerisch und wissenschaftlich Tätige macht die Erfahrung, dass nicht im Zentrum seiner Bemühungen, sondern gerade an ihren Rändern, an der Schwelle der rationalen Felder zum Sinnlichen und Ungefähren das Neue entsteht. Kostbar sind die Wahrnehmungen, Versuche und Erfahrungenin der Randzone von Planen und Entwerfen. Aus dem Wissen um die „Erkenntnisse des Leibes“ ist hier eine hilfreiche Philosophie entstanden, die ausdrücklich vom Geruch des Machens lebt, von den Erfahrungen eines Architekten und Künstlers, die nicht erstarrt ist in den Feldern der begrifflichen Systeme. Sie hält sich an den Grenzen des Rationalen auf und lässt sich auf Entdeckungen ein, verknüpft das spielerische Suchen und die ahnungsvolle Affektion der Sinne mit den Daten des logischen Wissens und begrifflicher Systematik. Im Hintergrund eigener Werkstatterfahrung werden historische Ausbruchsversuche aus dem Rationalismus-Prinzip ausgebreitet und insbesondere ihre Auswirkungen auf die Architektur-Theorie der Gegenwart analysiert.
Neue Jüdische Passagen![]()
Hans-Jürgen van der Minde
Glanz und Elend jüdischer Geschichte
Epochen. Gestalten. Ereignisse
367 S., Br., € 42,00
978-3-85165-952-8
Die Geschichte des nachbiblischen Judentums wird von Gegensätzen geprägt: den tragischen Epochen schlimmster Verfolgung der Juden stehen die großartigen Leistungen jüdischer Dichter und Philosophen gegenüber. Sie haben entscheidend das abendländische Geistesleben mitgestaltet. Eine Geschichte des Abendlandes kann nicht geschrieben werden, ohne die Leiden und Leistungen der Juden miteinzubeziehen, die jahrhundertelang in den verschiedenen europäischen Ländern gelebt haben. Verfolgungen und Mitgestaltung der Geisteswelt stehen sich gegenüber und münden in der Neuzeit in den Bestrebungen nach Gleichberechtigung auf der einen und der zionistischen Idee einer Rückkehr ins Heilige Land auf der anderen Seite. Der Holocaust beendete abrupt die emanzipatorischen Tendenzen, beschleunigte die Einwanderung nach Palästina und führte schließlich zur Gründung des Staates Israel. Kenntnis und Anerkennung des jüdischen Beitrags zur Kultur Europas, die das Buch vermitteln will, sind die Voraussetzungen für einen fruchtbaren Dialog mit den Juden.
Passagen Kunst![]()
Elisabeth von Samsonow
Egon Schiele: Ich bin die Vielen
Mit einem Nachwort von Peter Sloterdijk
212 S., Br., € 26,90
978-3-85165-954-2
Elisabeth von Samsonow rollt die Schiele-Forschung neu auf, indem sie die zeitgenössische Bedeutung dieses Künstlers der very first generation of pop zeigt. In ihrem Versuch der Frage nachzugehen, was Egon Schiele mit der Popgeneration zu tun hat, verwickelt sich die Autorin allmählich in eine Art kybernetische Schleife. Bilder, Theorien, Gedichte, Materialien, neue Archivalien zu Schiele und reale Ereignisse verdichten sich zunehmend bis zu einem Punkt, an dem sich die die Massenbewegungen des 20. Jahrhunderts steuernden Zusammenhänge zu enthüllen beginnen: Ich-Zerfall und Ich-Vervielfältigung, (erotisches und elektronisches) Telekommando und mediale Trance (Kino, Fotografie), Androgynie und Hybridisierung (technisch, spirituell), Expressivität der Kunst und ambient Sex. Elisabeth von Samsonow bettet Egon Schiele in jenen Kontext ein, den er für sich selbst reklamiert hatte, nämlich in die große Bewegung der europäischen Moderne („Zweite Aufklärung“), die als unvollendet gebliebenes Projekt, das heißt als schwieriges Erbe der 68er Generation zugefallen ist.
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Barbara Frenz,
als sie so vor ihm stand in ihrer grünen Cordjacke
96 S., Br., € 13,90
978-3-85165-946-7
„Der rosa Panther ahmt nichts nach, er reproduziert nichts, er malt die Welt in seiner Farbe, rosa auf rosa, das ist sein Welt-Werden: er wird selbst unsichtbar und asignifikant.“ (Deleuze, Guattari, Rhizom) Es ist ganz leicht: Es wäre nicht notwendig, wenn es etwas Verborgenem in der Welt Ausdruck verleihen müsste. Auch umfasst es nichts. Es ist eine Bewegung, die mit Unbedingtheit etwas folgt. Es verwandelt sich und bewegt sich in eine andere Richtung. Es hat keinen Anfang und kein Ende. Es ist eine Bewegung in der Verknüpfung mit dem, was es nicht ist – dem Gelebten, dem Gedachten, dem Überlieferten, dem Gehörten, dem Gelesenen, dem Gesehenen, einem archaischen Bild, einer Person, dem Verlorenen. Wohin geht es? In die Unbestimmtheit. Nicht weil es nur durch Annäherungen vorankäme. Vielmehr ist die Unbestimmtheit der genaue Verlauf der Ereignisse.
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Heinrich Spaeth
Bronski
176 S., Br., € 21,00
978-3-85165-959-7
Spaeths parodistische Schädelöffnung eines selbsternannten Poeten mit eigentümlichen Grundsätzen, die sich einer höchst obszönen Praxis keineswegs als hinderlich erweisen, setzt männliche Widersprüche frei, wie sie im Dispositiv feministisch geforderter „Political Correctness“ üblicherweise geleugnet werden. Wiewohl ausgerechnet ein Altersheim in tiefster Provinz Ort der absurden Handlungen ist und der Dichter – ein Pensionist – in ständiger Beschwerde betreffs der vorkommenden Personen, Zustände und Sitten ist, stellt sich heraus, dass gerade dort ein recht freier Geist fröhliche Urständ feiert, der den eher wenig attraktiven Protagonisten mit ausreichenden Manneskräften zu später Hochform auflaufen lässt. Ein poetisch verbrämter Rumpelkurs entlang pornographischer Tabus und selbstgerechter Halbwahrheiten!
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Tasos Zembylas
Die Mönchsrepublik Athos
Eine spirituelle Gesellschaft mit beschränkter Haftung
112 S., Br., € 13,90
978-3-85165-942-9
Das Meer ist allgegenwärtig. Wenn ich im Zimmer stehe, sehe ich es, wenn ich im Bett liege, höre ich es, wenn das Zimmer nicht nach kaltem Zigarettenrauch stinken würde, könnte ich es bestimmt auch riechen. An einem spätsommerlichen Tag entspinnen sich im Innenhof des Klosters Vatopedi Gedanken zur monastischen Lebensform: Ein Leben, gewidmet dem Seelenheil in Erwartung der Ankunft des Einen. Ein Leben, das einen hohen Einsatz abverlangt. Die wehenden Kutten der vorbei eilenden Mönche, die eloquenten Reden des Abtes, zufällige Begegnungen mit Besuchern sowie die zahlreichen Legenden rund um Athos erzeugen ein Gewebe von Erzählsituationen. Doch jäh und unerwartet bahnt sich ein Skandal an. Irreführung, Betrug sowie Verdacht auf Geldwäsche, vermutet die Staatsanwaltschaft. Unerhört, Athos betet nur!, meinen die einen. Waren Profis oder Amateure am Werk?, fragen sich die anderen. Das öffentliche Drama rund um die Mönche, ihre schlauen Geschäftsideen, ihre guten Freunde und treuen Politiker ist ein lehrreiches Stück. Ein Reisebericht und Sittenbild über eine halbfremde Welt in der Wiege der Demokratie.![]()
Jacques Rancière
Der Philosoph und seine Armen
319 S., Br., € 39,90
978-3-85165-931-3
Die erste philosophische Frage ist politisch: Wer kann philosophieren? Rancière weist nach, wie seit Platon die Philosophie sich bemüht, dem Armen noch die Möglichkeit der Muße und des Denkens zu nehmen, um das Privileg der Philosophie vor der unheilvollen Vermischung, den Zwitterwesen, den Bastarden zu bewahren. Im 19. Jahrhundert sind die Schuster in Aufruhr und die Philosophen proklamieren die große Veränderung: Der Produzent wird nunmehr König sein und der Ideologe Sklave. Doch folgt man dem Weg von Marx, nimmt die Wissenschaft der neuen Welt eine beunruhigende Haltung ein: Der „wahre“ Proletarier ist immer erst im Kommen, das Buch unbeendbar und der Gelehrte weist alle zurück, die seine Wissenschaft anwenden wollen. Der Philosoph ist nicht mehr König. Über Marx, Sartre und Bourdieu zeigt Rancière jedoch, wie der Profi des Denkens sich wohlfeil den „klarsichtigen“ Blick auf die Blindheit seines Nachbarn sichert, einem Volk zuliebe, das immer gebeten wird, an seinem Platz zu bleiben.
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Hélène Cixous
Manhatten
Schreiben aus der Vorgeschichte
212 Seiten, 284g, Brosch., € 24,90
9783851659269
Die Ursache des Schreibens, wo liegt sie? Immer wieder warnt die Autorin ihre Leser: „Ich werde dieses Buch nicht schreiben“, und doch bahnt sich das Buch Wege ans Licht der Seiten und umschreibt in bebenden Rucken und heftigen Erschütterungen die zertrümmernde Begegnung mit G.
Die Liebe zu G. war nicht Liebe zu G., sondern in Wahrheit Liebe zur Literatur. Ja, dass es G. gar nicht gab, dass er Zitat, Abschrift, Imitation und Zusammenschnitt aus den berauschend berückendsten Werken der Weltliteratur war – hätte sie das ahnen können oder sollen, sie, die damals, 1965 in Amerika, glaubte, einen jungen Mann namens Gregor zu lieben? Und wer, wenn nicht die geheimen Andermächte der von ihr über alles geliebten Literatur hatte diesem G. die Schlüssel zu ihrem Wesen in die Hände gespielt: einen Namen zum Beispiel, der klanglich ihre geliebtesten Verstorbenen heraufbeschwor, oder einen leichten Husten und dann die Eingebung, ihr eine Lungenkrankheit vorzutäuschen mit einem Schreiben aus Kafkas Briefen an Milena?![]()
Paul Virilio
Der Futurismus des Augenblicks
€ 11,00
9783851659320
Die drei Essays dieses Bandes zeigen den Fortschrittsskeptiker Virilio einmal mehr als brillanten Analytiker der brennenden Fragen des beginnenden 21. Jahrhunderts. Die stetig wachsenden Migrationsströme, die Transformationen urbaner Lebenswelten und der veränderte Umgang mit den Begriffen Raum und Zeit führen Virilio zur Widerlegung der klassischen Dichotomie von Sesshaftigkeit und Nomadismus. Er formuliert das Konzept der Ultrastadt, ein Knotenpunkt menschlichen Lebens und Handelns, der anders als die früheren Stadtzentren ein transitorischer Unort ist und dessen Entstehen er in Riesenbahnhöfen und Flughäfen verortet. In prägnantem und beinahe aphoristischem Stil deckt der Dromologe die Absurdität des Imperativs der Beschleunigung in den westlichen Gesellschaften auf und warnt vor seinen unmittelbaren Folgen: der Erschöpfung der natürlichen Ressourcen, dem Verlust von Identität und Perspektiven und der Zerstörung des individuellen Zeitgefühls – der Chronodiversität.
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Jacques Derrida
Bleibe, Athen
120 S., Br., € 16,90
978-3-85165-934-4
Im Sommer 1996 reist Jacques Derrida nach Griechenland. Im Gepäck: Photographien von Jean-François Bonhomme mit Motiven aus Athen – Antikes und Alltagsszenen gemischt –, sowie das Versprechen, ihre Publikation mit einem Text zu begleiten. Der wie eine Momentaufnahme plötzlich auftauchende Leitgedanke ist datiert, „3. Juli, gegen Mittag, nahe Athen“. Ein vieldeutiger, im Fortgang des Textes viel gedeuteter Satz über den Tod, die Schuld und „uns“. Der Wunsch, ihn „in Stein zu meißeln“, führt zum ersten Bild (ein Grabmal aus dem Kerameikos), das auch als Metonymie aller anderen gesehen werden kann. Sogleich steht auch die Form des Textes fest: „aphoristisch und seriell“, um in Anlehnung an die Photographie mit dem Schwarzen (der Schrift) und dem Weißen (der Lücke), mit Hell und Dunkel, Licht und Schatten zu spielen. Reflektiert wird, auf den Spuren von Sokrates und Platon, der Zusammenhang von Philosophie, Photographie („Photographie: Schrift aus Licht, gibt es ein griechischeres Wort?“) und Tod. Vielleicht ist es ein „Buch der Epitaphien“, das im photographischen Bild (die) Trauer trägt..
Jean-Luc Nancy
Das Vergessen der Philosophie
3.Auflage
€ 15,90
9783851659184
„Von verschiedener Seite wird uns verkündet, unsere Epoche habe die wahre Philosophie vergessen, ihre eigentlichen Pflichten vernachlässigt und es an gesunder Reflexion fehlen lassen. In Wirklichkeit zeugt aber oft gerade dieser Ordnungsruf von einem Vergessen: dessen nämlich, was die Philosophie ist, was sie geworden ist und was mit ihr oder in ihrem Namen geschehen sollte.“ Das Werk Jean-Luc Nancys, im deutschen Sprachraum noch immer nicht ausreichend übersetzt, zeigt, welche Wege die Generation französischer Philosophen nach Jacques Derrida geht. Das Vergessen der Philosophie, ursprünglich eine Antwort auf eine niveaulose, restaurative Polemik gegen die „68er-Philosophie“, zeigt kaum noch Hinweise auf den Anlass des Buches, das sich zu einem selbstständigen Essay über die Bedeutung der Philosophie in unserer Zeit entwickelt hat. In der besten Tradition französischer Essayistik geschrieben, gibt Das Vergessen der Philosophie Antworten auf Lebensfragen der Philosophie, die nicht nur Fragen an und für Philosophinnen und Philosophen sind.
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Slavoj Žižek
Das Unbehagen im Subjekt
2., überarbeitete Auflage
232 Seiten, Br., € 24,90
978-3-85165-933-7
Was hat die Psychoanalyse zur Philosophie beizutragen? Gibt es ein Vorrecht der Philosophie, die Grundlagen der Psychoanalyse zu definieren? Slavoj Žižek untersucht paradigmatisch für diese Fragen die Konzeption des Subjekts in der Psychoanalyse und vergleicht sie mit philosophischen Theorien der Subjektivität. Žižek zeigt, wie Jacques Lacan Descartes’ Begriff eines autonomen, dekontextualisierten Subjekts übernimmt, dieses Subjekt aber zum zweifelnden, strauchelnden, phantasierenden Schöpfer seiner illusorischen Welt werden lässt. Entsprechend interpretiere Lacan das Unbewusste als eine psychische Maschine, die jegliche Erfordernisse des Realitätsprinzips missachte. In der Studie zum Unbehagen im Subjekt tritt Žižek mittels des Lacan‘schen Modells deshalb an, philosophische Konzeptionen, die in Opposition zu Descartes die Lebenswelt konstitutiv in die Konzeption des Subjekts integrieren, zu dekonstruieren: Weder Heidegger‘sches In-der-Welt-Sein noch die Modelle der Kognitionswissenschaften, der klassischen Ethik und der politischen Theorie sind geeignet, die Plausibilität der modernen Version von Subjektivität, die Jacques Lacan für die Psychoanalyse fruchtbar machte, zu erreichen..
Giuliano di Bernardo
Die Freimaurer und ihr Menschenbild
Über die Philosophie der Freimaurer
3., durchgesehene Auflage
€ 24,90
9783851659160
In ihrer mehr als 270 Jahre dauernden Geschichte hat die Freimaurerei ein eigenes Menschenverständnis entwickelt, das im europäischen Denken eine Sonderstellung einnimmt. Das freimaurerische Menschenbild ist nicht exklusiv und verträgt sich mit jedem religiösen oder philosophischen Weltbild. Es setzt jedoch verbindliche ethische Normen, die für Menschen jeder Kultur, Rasse, Herkunft oder Überzeugung akzeptabel sind. Die Freimaurerei versteht sich als hohe Schule der Toleranz und Brüderlichkeit und eint in diesem Ideal alle Maurer der ganzen Welt. Jedem lässt sie seine eigenen Überzeugungen und Lebensweisen, aber jeden verpflichtet sie zu den gleichen ethischen Normen. Sie vermittelt keine Offenbarungen oder Dogmen, sondern möchte zu einem ganz besonderen Stil der Lebensgestaltung führen. Giuliano di Bernardo erklärt das Menschenbild der Freimaurer, zeigt seine Position im philosophischen Denken der Gegenwart und stellt es in geistesgeschichtliche Zusammenhänge. Dieses Buch geht auf die philosophischen Grundlagen der Freimaurerei ein und wird dadurch zu einem unentbehrlichen Standardwerk.
Giuliano Di Bernardo ist Professor für Wissenschaftsphilosophie an der Universität Trient und Großmeister der Gran Loggia Regolare d'Italia, der einzigen von der Vereinigten Großloge von England anerkannten, regulären maurerischen Organisation Italiens.
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Christian Augustin (Hg)
Aber ein Paul hilft doch dem anderen
Paul Feyerabend - Paul Hoyningen-Huene
Briefwechsel 1983 - 1994
€ 36,00
9783851659207
Der Briefwechsel ist ein intellektuelles und bewegendes Dokument einer Freundschaft zweier Gelehrter. Diese entfaltet sich in 115 Briefen in der Zeit von 1983 bis zu Feyerabends Tod 1994. Begleitet werden die Briefe von einem Vorwort, einer Einführung von Hoyningen-Huene und biographischen Anmerkungen des Herausgebers. Die Korrespondierenden sind beide davon überzeugt, dass die Wissenschaft etwas über die Welt herausfindet – über Kriterien und Methodik disputieren die beiden Gelehrten humorvoll, tiefsinnig und zeitweilen sarkastisch-nachdenklich. Der Briefwechsel zeugt von einer tiefen lebendigen Freundschaft und ist mehr als ein Emblem der Wissenschaftstheorie gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts. Bislang unveröffentlichtes Quellenmaterial dient dem Herausgeber als Grundlage für seine biographischen Kommentare.
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Michael Breisky
Groß ist ungeschickt
Leopold Kohr im Zeitalter der Post-Globalisierung
129 S., Br., € 15,90
9783851659245
Leopold Kohr (1909–1994) ist Begründer der Small-is-beautiful- Bewegung. Das Buch schildert zunächst sein optimistisches Menschenbild, seine Skepsis gegenüber Großen Ideen und sein an den natürlichen Wachstumsgrenzen ausgerichtetes Gesellschaftsbild. Es folgt eine Kritik seiner Lehre aus heutiger Sicht: Positive Überraschungen sind dabei Europa und die heutige Informationsgesellschaft, die zu einer Stärkung des Lokalen führen. Sodann werden zehn aktuelle „Megatrends“ beschrieben, die Kohrs Thesen unterstützen. Des Weiteren wird untersucht, wie die menschliche Neugier vor der wachsenden Informationsflut geschützt werden kann, sodass Kohrs Forderung nach Überschaubarkeit eine neue Dimension erfährt. Schließlich wird gezeigt, wie Kohrs Thesen in Zeiten der Post-Globalisierung zur allgemeinen Richtschnur werden können..
Irene Freudenschuss-Reichl, Georg Lennkkh (Hg)
Nachbar Afrika
Dimensionen eines Kontinents
316 S., Br., € 39,00
978-3-85165-929-0
Die allgemeine Wahrnehmung Afrikas im deutschen Sprachraum ist in hohem Ausmaß Klischees und Verallgemeinerungen unterworfen. Nachbar Afrika – Dimensionen eines Kontinents zeigt aus politikwissenschaftlicher Perspektive die Vielfalt und Vitalität von afrikanischer Politik und Wirtschaft auf. Mühsam, aber unumkehrbar finden die Staaten Afrikas zu regionaler und kontinentaler Integration und bauen eine eigenständige Sicherheitsarchitektur auf. Die afrikanischen Gesellschaften ringen um Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, um nationale Versöhnung, Verfolgung von Kriegsgreuel und Wiederaufbau. Trotz hartnäckiger Armut und Unterentwicklung ist Afrika mit einer Milliarde Menschen bereits heute ein Wirtschaftsraum, der nicht länger vernachlässigt werden kann. Der Druck des Klimawandels erfordert Anpassung und birgt die Chance für Verbesserungen der Regierungsführung auf allen Ebenen.
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Robert Fleck
Die Ablösung vom 20. Jahrhundert.
Malerei der Gegenwart
€ 13,90
9783851659399
Welche Zukunft hat die Malerei im neuen Jahrhundert? Anhand von neuen Themen, ästhetischen Verwerfungen und Generationskonflikten in der Malerei der letzten zehn Jahre formuliert der Autor Fragen und Perspektiven für das traditionsreichste Medium der euroamerikanischen Kunst im Zeitalter von Globalisierung und Digitalisierung. Was ist los in der Malerei hundert Jahre nach der Erfindung der Formensprache des 20. Jahrhunderts mit Picassos „Demoiselles d’Avignon“ (1907)? Wie reagieren Künstler auf den Umstand, dass dieses jahrhundertelang in der westlichen Kunst hegemoniale Ausdrucksmittel zu einem minderheitlichen Medium abgestiegen ist, seit mechanische und digitale Reproduktionstechniken den Alltag und die aktuelle Kunst beherrschen? Wer sind die künstlerischen „Väter“ (und „Mütter“) des 21. Jahrhunderts, gegenüber Cezanne, Gauguin, Seurat und Van Gogh ab 1905? Wie beeinflusst die Globalisierung der künstlerischen Produktion und Debatte seit den neunziger Jahren die gegenwärtige Malerei? Welche Schlüsse ziehen Malerinnen und Maler aus der Raumund Zeiterfahrung dieser neuen Welt auf die Darstellung von Raum und Zeit in ihren Bildern? Malerei ist auch gegenwärtig ein Bereich, in dem philosophische und ontologische Probleme im Sinne von Deleuze mit mediumspezifischen Instrumenten beantwortet werden.![]()
Maria Bussmann, Elfriede Czurda
Ich war nie in Japan
€ 19,90
9783851659252
Elfriede Czurda komplementiert Maria Bussmanns „Japanische Übungen“ mit Texten, die ihre eigene Japan-Erfahrung reflektieren. In der Begegnung der Schriftstellerin mit der Künstlerin entsteht ein Buch als eigenes, grenzüberschreitendes Kunstwerk. Maria Bussmann entspricht der Behauptung des Titels: Sie war nie in Japan. Sie nutzt in ihren Zeichnungen oft triviale Motive, wie zum Beispiel die Mandelaugen, die sie einer katholischen Madonnenstatue andichtet, um einer Befremdung Raum zu schaffen, die aus dem Zusammenprall zweier Unbedingtheiten der jeweiligen Kultur herausblitzt. Elfriede Czurda war in der Tat insgesamt ein Jahr in Tokyo und Nagoya, aber bei ihren Versuchen, über diese Zeit zu schreiben, stellte sie fest, dass auch sie nur in einem imaginären Japan war. Im Schwanken zwischen den Klischees, die sie mit sich hinträgt, und einzelnen Motiven dieser Kultur, die ihr auf Schritt und Tritt ins Auge springen, reibt sie sich an der falschen Erfahrbarkeit, die doch kein richtiges Wissen generiert, aber dafür – gerade weil es sie so anzieht – einen neuen Blick auf die eigene Kultur freigibt. Der Titel erscheint auch noch in einer Vorzugsausgabe, nähere Informationen auf Anfrage im Verlag.
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Armin Klein, Martin Kubaczek
Thoreau's neighbourhood
Ein Fotoprojekt entlang der Grenze
48 S., Br., € 25,00
978-3-85165-938-2
Armin Kleins Fotoarbeiten, begleitet von der Grasschrift minimaler Verdichtung; Reduktion, Diskretion, ein diskursiver Blick, der vieles offen lässt, nichts ausdeutet in seiner Dialektik von Anwesendem und Abwesendem, in seiner Poetik des Raums. Isoliert stehen sie, jede für sich, in Ruf- oder Wink-Weite auf Stelzen am Ufer, sichtbar im Gehölz erst, wenn das Laub fällt, in dem sie sich verbergen; dann erscheint die bunte Bricolage, die phantasievolle Re-Semantisierung ihrer Materialien, als Farbigkeit in der Chaos-Struktur von Unterholz und Auwald. Die Hütten jener, die sich gemäß ihrem fernen Verwandten Thoreau der Zivilisation entziehen, werden zum Thema der ebenso dichten wie stillen Fotoarbeiten. Das Bild wird Erzählung, voll von präzisen Details und von Spurenelementen einer Mythologie. Martin Kubaczek begleitete den Fotografen Armin Klein durch die Wälder, seine Notizen, Wahrnehmungen und Recherchen laufen als Dreizeiler unter der Bildebene mit, öffnen sich am Ende des Buches nochmals auf einer essayistischen Lichtung zu einem „Gespräch über Bäume“.
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Nikolaus Breisach
Veturagen
Photographs by Nikolaus Breisach
€ 39,90
9783851659405
Nikolaus Breisach transportiert in seinen Fotografien gewissermaßen die Banalität des Alltags fotografisch zur ästhetischen Ausnahme. Er verklärt das Gewöhnliche, er entdeckt im Alltäglichen das Absolute, im Normalen das Sublime. (Peter Weibel) Bazon Brock sagt, Nikolaus Breisach fordere mit seinen Fotowerksätzen das kunstinteressierte Publikum zu neuen Anstrengungen seines Unterscheidungsvermögens heraus, weil seine Fotografien von zu Haufen geworfenen Kleidungsstücken Erinnerungen an Arbeiten anderer Künstler wachrufen – an Arbeiten von Boltanski etwa, Peter Piller, Anna Blume, Silvie Fleury, um nur wenige zu nennen. Peter Weibel wiederum sieht Breisach als einen Anwalt der unbedeutenden Objekte, der ihnen durch die Wahl des Ausschnittes und des Moments nicht nur Bedeutung gibt, sondern sie auch ins Ästhetische übersetzt.![]()
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Volker Demuth
Zyklomoderne
Ein Essay
€ 14,90
9783851659351
Die neuzeitlichen Linearitäten haben ihre Kraft, der Fortschritt seine Plausibilität, Utopien ihren Glanz eingebüßt. Inzwischen geschieht die kulturelle Ordnungsbildung nach rekursiven, zyklischen Modellen. Ihre historische Gewalt erlaubt es, von der Zyklomoderne zu sprechen. Körpergeschichte, Technikgeschichte, Mediengeschichte und Ökonomie sind heute geprägt von der zentralen Figur der Drehung, der Schleifen, Rekursionen, Loops und Kreisläufe. Menschen, Gesellschaften und Automaten siedeln sich in der nichtlinearen Wirklichkeit von kybernetischen Strukturen, medialen Informationszirkulationen und technischen Schaltkreisen an. Mit der globalen Computer- und Medienrealität wird das Kreisen zur dominierenden Semantik der Weltkultur. Eine Zeit, die am Rotieren ist und in der die globalen Prozesse zunehmend zu zyklonischen Gebilden heranwachsen. Ihre Dynamik wird zur formativen kulturellen Konfiguration. Deswegen ist es unumgänglich, für die Gegenwart ein neues Deutungsmodell zu etablieren: Die Choreografie von Gesellschaften westlichen Typs ist aus der progressiven Moderne heraus- und in die Epoche einer Zyklomoderne eingetreten.
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Wolfgang Meisenheimer
Schattengespräche
€ 12,90
9783851659368
Das Denken ist auch ein leibliches Ereignis. Eine Erfahrung, die jeder Kreative macht, jeder Maler, Architekt, Philosoph, Tänzer etc. Die Bildung der Begriffe und Systeme geht mit elementaren Leiberfahrungen einher. In den Schattengesprächen erzeugen fiktive Dialoge die Gegenwart historisch weit entfernter Figuren der Kulturgeschichte, die sich auf einer gedachten Bühne begegnen: Zum Beispiel Francesco Borromini und Merce Cunningham oder Leonardo da Vinci und Lebbeus Wood. Die konstruktivistischen Prozeduren gegenwärtiger Kunst werden so aus dem Raum der Geschichte heraus beleuchtet und umgekehrt, bedeutende historische Erfahrungen werden durch Fragen der Gegenwart eingefärbt. In den 23 Gesprächsskizzen bekommt die eigene Erfahrung des Lesers – der Leib begleite die begriffliche Produkion – einen neuen Geruch.
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Swantje Lichtenstein
Entlang der lebendigen Linie
Sexophismen - Ein lyrischer Zyklus
€ 11,00
9783851659306
Der Zyklus umkreist die Themen: Literatur und Pornographie, poetische Erkenntnis und Geschlecht. Von der Hure Babylon zur Sprachverwirrung, von der Linie zum Straßenstrich. Die poetischen „Gegenschlüsse“, so nannte Aristoteles die Sophismen, sprechen von Lüge und Betrug des Textes, vom missbräuchlichen Schreiben und Sprechen. Die Beziehungen zwischen Leser und Text sowie Leser und Autor sind intim. Es handelt sich dabei um ein Wechselverhältnis von Nähe und Distanz, von aktiven und passiven Parteien, von anhängigem und unabhängigem Teil. Das reziproke Moment wechselt ständig die Seiten in diesen Texten. Die „Sexsophismen“ handeln von der listigen Erfindung und den Stadien des Lesens, von den verschiedenen Arten des Konsums, von der Erotik zwischen den Zeilen, vom Durchdringen und Eindringen in den Text, von Wechselseitigem, von Bezügen und Anzüglichem. Die lyrische Form weist von Beginn an auf den Anfang zurück.
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Friedrich Hahn
und besorgte mir stufen für meine schritte
über die durchlässigkeit.
€ 12,00
9783851659276
hahns gedichte sind texte eines wartenden. eines spaziersitzenden. ein vazierender in den warteräumen der gegen-warten. vertrautes rückt ins unvertraute. reales ins irreale. die zentren von friedrich hahn liegen am rand. er ist zwar gerne wo, fährt aber nicht gerne hin. so ist er der ideale empfänger von ansichtskarten. die motive kehren wieder: wasser, bäume. oder eben fische. nicht die wie-,was-,wo- und warumheit der sujets interessiert hahn, sondern das gestische. das spielerische. der vorgang des versprachlichens wird zum hauptmotiv. unser denken und fühlen als ergebnis eines filters. durchlässigkeit als abgleich dessen, was kommt, was bleibt, und was sich verliert. hahns lyrik ist der versuch, das geschehene zu entwirklichen. das verschriftlichte wird zum bild der lebensvergehenserfahrung.
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Ginka Steinwachs
www.herzschriFtmacher.net
156 S., Br., € 18,00
978-3-85165-644-2
Das World Wide Web überzieht die ganze Erde. Jedes Kind kann sich heute Informationen aus dem InterNETZ herunterladen. Immer mehr Menschen handeln on-line. Das widerspiegelt sich in den Gedichten von Ginka Steinwachs, deren SiebenZeilenstiefel dem Zeitgeist auf den Versen ist. Es sind Herzgewächse in kurzen Strophen und lose Blätter, wie sie vom Tagebuchbaum fallen. Die Sprache hochkalorig. Ein Fettdeutsch voller Kilo-bytes. Und Musik. De la musique avant toute chose. Achtung! Remote control. Überprüfen von Benutzername und Kennwort. Verbindung hergestellt. Es kommt zur VerSschmelzung von Klang und Sinn. N.B. HerzschritTmacher: der Sinusknoten des Herz-Reiz-Leitungssystems, von dem dessen Impulse ihren Ausgang nehmen. SchriFt: Zeichen, die eine sprachliche Mitteilung aus dem Feld des Hörbaren in das des Sichtbaren umsetzen. Merke: Wer schreibt, der bleibt. Wer spricht, nicht.Ginka Steinwachs beim Passagen Verlag:
Barnarella oder Das Herzkunstwerk in der Flamme: 978-3-85165-538-4
die feder im mund - der mund in der welt: 978-3-85165-561-2
george sand abc: 978-3-85165-798-2
der mund ist aufgegangen: 978-3-85165-597-1
Der schwimmende Österreicher: 978-3-85165-743-2
Sommerträumereien am Meeresufer: 978-3-85165-620-6
stein, wachs!: 978-3-85165-670-1![]()
Fotini Ladaki
Weiß - die Nacht
Wer hat Angst vorm Judenfisch
€ 11,00
978-3-85165-928-3
Das Theaterstück versteht sich als eine Apologie über das unfassbare Geschehen von „Auschwitz“, dem sich die Autorin mittels des psychoanalytischen Diskurses annähert. Alptraumhaft inszeniert es einen Gerechtigkeitsakt, der so nie stattgefunden hat und auch niemals stattfinden kann. Das Phantasma wirkt wie ein Traum, der mit grotesker Radikalität und taumelnder Naivität seinen Platz in der Erinnerungskultur sucht. Es gibt einen Ort, der gleichzeitig von den Nachgeborenen der Opfer wie auch der Täter aufgesucht wird. Dieser Ort hat sich der Sprache gewidmet, um die Schatten der Vergangenheit zu erfassen, die in die Gegenwart eingreifen und die Zukunft verformen. Manche pflegen ihn als skandalös und ketzerisch zu bezeichnen. Andere dichten ihm mystische Kräfte zu. Und wieder Andere halten ihn irrtümlich für ein verstaubtes Relikt der Vergangenheit. Es handelt sich um die analytische Couch. Hier nimmt das Theaterstück seinen Ausgang.
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Jacques Rancière
Der emanzipierte Zuschauer
160 S., Br., € 19,90
978-3-85165-908-5
„Wer sieht, versteht nicht zu sehen“: Dieses Vorurteil zieht sich quer durch unsere Geschichte, von Platons Höhle bis zur Anklage der Gesellschaft des Spektakels. Manche benutzen subtile Erklärungen oder spektakuläre Installationen, um den Blinden zu zeigen, was sie nicht sehen. Andere wollen das Übel an der Wurzel packen und das Schauspiel in Aktion und den Zuschauer in einen Handelnden verwandeln. Die hier versammelten Studien setzen diesen zwei Strategien eine einfache Hypothese entgegen: Das Sehen impliziert keinerlei Behinderung; wandelt man die, die den Zwängen und Hierarchien des Handelns unterworfen waren, in Zuschauer um, kann man dazu beitragen, die gesellschaftlichen Positionen durcheinanderzuwerfen; und die Denunziation des Menschen, der durch das Übermaß der Bilder entfremdet wäre, war vor allem die Antwort der herrschenden Ordnung auf diese Unordnung. Die Emanzipation des Zuschauers ist also die Behauptung seiner Fähigkeit zu sehen, was er sieht, und zu wissen, was er darüber zu denken und damit zu machen hat.![]()
Peter Weibel, Slavoj Žižek
Inklusion : Exklusion
Probleme des Postkolonialismus und der globalen Migration
2. Auflage
200 S., Br., € 24,90
978-3-85165-922-1
Heute ist alle Welt vom Phänomen der Globalisierung fasziniert; davon, wie ethnische und kulturelle Eigenheiten durch die im Entstehen begriffene globale, kulturelle und ökonomische Totalität aufgesogen werden. Wesentlich weniger Aufmerksamkeit erfährt hingegen das komplementäre Phänomen der Exklusion, das die notwendige Kehrseite der Globalisierung darstellt. Es gibt keine einfache Lösung, um dieser Exklusionstendenz entgegenzuwirken: Alle liberal-demokratischen Projekte, die den Raum sozialer Inklusion offen zu halten behaupten, betätigen früher oder später den Exklusionsmechanismus.
Der Multikulturalismus verkehrt sich zur Verfechtung in sich geschlossener ethnischer Identitäten; die Verdammung des „fundamentalistischen“ Anderen als intolerant schließt diesen gerade im Namen der Inklusionslogik aus. Die in diesem neu aufgelegten Band versammelten Essays suchen neue Antworten auf dieses Dilemma, dessen Brisanz ungebrochen ist.PETER WEIBEL:
Die koloniale Kondition
HOMI BHABHA:
Globale Ängste
ERNESTO LACLAU:
Inkusion, Exklusion und die Logik der Äquivalenz
(Über das Funktionieren ideologischer Schließungen)
CHANTAL MOUFFE:
Inklusion/Exklusion: Das Paradox der Demokratie
RENATA SASSEN:
Die Immigration überdenken: Eine internationale Perspektive
GAYATRI CHAKRAVORTY SPIVAK:
Achtung: Postkolonialismus!
IVO ŽANIC:
In den Fesseln der Sprache
Einige Anmerkungen dazu, wie Menschen redundant gemacht werden.
SLAVOJ ŽIŽEK:
Das rassistische Schibboleth
Anmerkungen
Bibliografie
Biografien![]()
Jean-Luc Nancy
Wahrheit der Demokratie
72 S., Br., € 12,90
978-3-85165-905-4
Was 68 vorangegangen war und ihm die grundlegende Möglichkeitsbedingung verliehen hatte – die anderen Bedingungen wurden von eingeschränkteren Umständen geliefert wie die Archaismen in Frankreich, die Schwerfälligkeit in Deutschland, die Verbissenheit der USA in Vietnam usw. –, war, um direkt zum Wesentlichen zu kommen, eine kaum sichtbare, aber hartnäckige Enttäuschung, das andauernde Gefühl eines Mangels das wiederzugewinnen, wessen triumphale Rückkehr die ersten Tage der Nachkriegszeit ankündigen zu können glaubten: die Demokratie nämlich.
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Jean-François Lyotard
Postmoderne für Kinder
Briefe aus den Jahren 1982-1985
3., durchgesehene Auflage.
144 S., Br., € 15,90
978-3-85165-903-0
Im Rahmen des 30-jährigen Erscheinungsjubiläums von Das Postmoderne Wissen ist ein Schwerpunkt, der den Texten Jean-François Lyotards gewidmet ist, nur allzu schlüssig. Mittels der Neuauflage seines Werkes Postmoderne für Kinder soll diesem Rechnung getragen werden.
Das Wort Postmoderne ist längst zu einem Schlüsselbegriff für das Verständnis unserer kulturellen, sozialen und politischen Umwelt geworden. Mit seinem Buch Das postmoderne Wissen hat Jean-François Lyotard die weltweite Diskussion um die Postmoderne in Gang gebracht. Mit der Postmoderne für Kinder führt der Pariser Philosoph seine Arbeit am Postmoderne-Begriff weiter und klärt Missverständnisse auf. Das literarische Prinzip, seine Essays, Briefe und Polemiken an Kinder seiner Freunde zu adressieren, macht diese Klärung noch immer zu einem außergewöhnlichen Lesevergnügen. Diese Textsammlung ist mit Sicherheit eine hervorragende Einführung in das philosophische Werk von Jean-François Lyotard.1. Beantwortung der Frage: Was ist postmodern?
2. Randbemerkungen zu den Erzählungen
3. Sendschreiben zu einer allgemeinen Geschichte
4. Memorandum über die Legitimität
5. Kurze Bemerkung zur Vernunftverwirrung
6. Post-Skriptum zum Schrecken und zum Erhabenen
7. Notizen über die Bedeutung von „post-“
8. Einladung zu einem neuen Bühnenbild
9. Eine Widerstandslinie
10. Der philosophische Gang
Jetzt auch Online zu lesen bei LIBREKA http://www.libreka.de/9783851656831:![]()
Jean-François Lyotard
Das postmoderne Wissen
6., veränderte Auflage.
200 S., Br., € 22,00
978-3-85165-902-3
Das postmoderne Wissen – erstmals 1982 in einer Zeitschrift erschienen – ist ein Schlüsseltext der Postmoderne, der nichts an seiner Aktualität eingebüßt hat. Nun, anlässlich des 30-jährigen Publikationsjubiläums der französischen Erstausgabe, erscheint Lyotards Grundlagentext in neuem Gewand.
Ausgehend von Wittgensteins Theorie der Sprachspiele entwickelt Jean-François Lyotard Ansätze zu einem völlig neuen, philosophischen Begriff der Postmoderne. Mit seiner Verwendung in der Architektur hat Lyotards philosophischer Postmoderne-Begriff nur noch den Namen gemein. Er versucht vielmehr, den zu Ende des 20. Jahrhunderts einsetzenden, fundamentalen Umbruch der Gesellschaftstechnologien zu erfassen. Das prognostizierte Ende der „großen Erzählungen“ von Freiheit und Aufklärung erschüttert den eingefahrenen Glauben an Konsens und Wissenschaft als interessefreien Raum und führt konsequent die Aporien des „Projekts Aufklärung“ vor. Das Werk Jean-François Lyotards bestimmt noch immer eine der wichtigsten philosophischen Diskussionen um Ethik und Handlungsfähigkeit im neuen Jahrtausend.1. Das Untersuchungsfeld: Das Wissen in den informatisierten Gesellschaften
2. Das Problem: Die Legitimation
3. Die Methode: Die Sprachspiele
4. Die Natur des sozialen Bandes: Die moderne Alternative
5. Die Natur des sozialen Bandes: Die postmoderne Perspektive
6. Die Pragmatik des narrativen Wissens
7. Die Pragmatik des wissenschaftlichen Wissens
8. Die narrative Funktion und die Legitimierung des Wissens
9. Die Erzählungen von der Legitimierung des Wissens
10. Die Delegitimierung
11. Die Forschung und ihre Legitimierung durch die Performativität
12. Die Ausbildung und ihre Legitimierung durch die Performativität
13. Die postmoderne Wissenschaft als Erforschung der Instabilitäten
14. Die Legitimierung durch die Paralogie![]()
Paul Mecheril
Politik der Unreinheit
Ein Essay über Hybridität
128 S., Br., € 14,90
978-3-85165-917-7
Hybride Zugehörigkeiten stellen natiokulturelle Identität dort in Frage, wo sie als reines und exklusives Phänomen propagiert, geglaubt und sozial praktiziert wird. Hybridität widerspricht Reinheitsgeboten und kann unter der Perspektive der Un-Reinheit im Hinblick auf ihr zuweilen widerwilliges, zuweilen widerspenstiges Sprechen untersucht werden. Dies tut der vorliegende Essay, indem er vor allem regulativ-normative Fragen der Anerkennung von Hybridität als Anerkennung von Unreinheit thematisiert. Diese ist eine paradoxe und dilemmatische Politik, die sich sowohl affi rmativ als auch transformativ auf Unreinheit bezieht. Kennzeichnend ist hierbei eine kommunikativ- tentative Ausrichtung, in der es um zweierlei geht: um das Darstellen sowie um das Verändern von Verhältnissen der Identität und Differenz.
Paul Mecheril ist Hochschuldozent an der Fakultät für Pädagogik der Universität Bielefeld.
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Peter Rech
a girl?
Umkreisungen der Immaculation
208 S., Br., € 22,90
978-3-85165-909-2
a girl? versucht, dem Ebenbild des Mädchens als Sinnbild von Wirklichkeit auf die Spur zu kommen. Des Mädchens Schutzlosigkeit ist seit uralten Zeiten allgegenwärtig. Der Mensch möchte, im Zauber des Mädchens, eine vollständige Rückkehr zur Mutter hervorrufen. In den Gerüchten um die Gottesgebärerin lüftet sich das Geheimnis. Ihre Überhöhung führte zu den herrlichsten Bildern der Menschheit. Die bildende Kunst ist in männlicher Verschwörung mit der Kirche entstanden. Das Mutter-Gottes-Bild ist im Inbegriff des girls erhalten geblieben und ruft nun Literatur, Erziehung und Werbung ins Leben. Allein, man darf sich in der Anbetung des Mädchens nicht outen. Zur philosophischen Freiheit verdammt, geht man dabei der Kindfrau auf den Leim. Was sich im Wahn der Massenmedien auf Begriffe sexueller Missstände bringen lässt, findet auf lyrischer Ebene in die Ungebundenheit unbewusster Reize zurück. Das Thema der Immaculation. Der Text wird zu Dichtung. So wandelt sich Schreiben allmählich. Das Bild vom Mädchen verändert sich nicht. Wem bleibt man treu, dem Bild oder dem Mädchen?
Peter Rech, geboren 1943, lehrte Kunst, Kunsttherapie und Malerei an der Universität Köln.
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Theat_Reales Denken
Herausgeber: Arno Böhler, Susanne Granzer
272 S., Br., € 29,90
978-3-85165-894-1
Das Verhältnis von Denken und Theater ist seit Alters her mehrdeutig. Einerseits bestimmte die antike Philosophie den Akt des Denkens in Analogie zum Theater als Ereignis einer Schau (theoría), andererseits ortete gerade Platon im Theater einen radikalen Widersacher des Denkens. Die Beiträge dieses Sammelbandes stellen sich einer Relektüre des ambivalenten Verhältnisses von philosophischer Theorie und theatraler Praxis. Sie zeigen, dass ein Denken des Ereignisses eine theat_Reale Neubestimmung des Denkens erforderlich macht, die das Gewicht des Körpers achtet, der mit im Spiel ist. Das Theat_Reale an der Performance des Denkens schätzen lernen heißt daher, es als signifi kant sinnliches Geschehen begreifen lernen. Dieses Buch ist aus dem FWF-Forschungsprojekt „Materialität und Zeitlichkeit performativer Sprech-Akte: Philosophy On Stage“ hervorgegangen, das sie von 2005 bis 2007 geleitet haben.
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Alma und Selma Koeppe
Atopien des Widerstands
Max Horkheimers platonische Akademie
Redigiert und aktualisiert von Hartwig Zander
400 S., Br., € 39,00
978-3-85165-912-2
Das Buch beschreibt den Einbruch des „Racket“ als exoterischen Logos in die exilierte Kritische Theorie. Deren Radikalisierung im Schrecken weist den Gedanken an, den Ausdruck des „(ganz) Anderen“ bei Foucault und Blanchot zu suchen, die sich „in brüderlicher Nähe“ zu Horkheimer wussten.
Die Sache, um die es geht, ist das Prinzip des Widerstands. Aufgesucht werden seine Unorte: Exil, Draußen, Abseits. „Exil“ heiße die Stätte, in der Wort, Begriff, Satz als Zeugen der Wahrheit die Dinge bei ihrem Namen nennen; deren zynischer Inbegriff ist das „Racket“. „Draußen“ heiße die Stätte, in der die ohnmächtigen Gesten des poetischen und mathematischen Gedankens im Begriff der Naturrevolte ihre Entsprechung fi nden, im atopischen Gedanken, dass alles auch ganz anders hätte sein können, „un monde autre“ (Foucault). „Abseits“ heiße die Stätte, an der sich der theoretische Gedanke frei von den Bedingungen seiner Genese verhalten kann, also unbedingt. An Horkheimers „platonischer Akademie“ wird in den „unteren Klassen“ das „Racket“ gelehrt, in den „oberen“ werden der mathematische und der poetische Gedanke als Gesten des Widerstands gelesen.![]()
Karl Werner Modler
Der Ritt auf dem Tiger
Skizzen zur Logik der Sucht
160 S., Br., € 16,90
978-3-85165-904-7
Radikales Konsumverhalten und massenmediale Abhängigkeit sind Beispiele aktueller Phänomene, die die Frage nach Sucht als Mittel zur Identifi kation akut erweitern und problematisieren. Der Autor skizziert die Mechanismen des heutigen Suchtverhaltens anhand kommunikationstheoretischer Vorstellungen.
Der Drang zur Sucht zeigt sich als Ausdruck eines Mangels an Realität. Die Suche nach Ersatz ist unterschiedlich: Während sich der Borderline-Kranke in die Arme schneidet, um spüren zu können, versinkt der Lifestyle-Mäzen in einer Welt der Werbeillusion. Die Gesetzmäßigkeit der Sucht, die heute ein weltumspannendes Ausmaß angenommen hat, beherrscht nicht bloß unser Konsumverhalten. Ihr Sog ist so groß, dass er auch Kunst, Politik, Informations- und Wissensvermittlung in den Suchtbetrieb hineingezogen hat. Zentral stellt sich dabei die Frage nach der Kraft des Suchtmechanismus, die sich selbst anreichert, indem sie sich in ihrer Expansion verausgabt. Modler versucht die paradoxe Logik der Sucht zu erfassen, die Mechanik des double-bind zu erforschen, seine Voraussetzungen und Wirkungsstätten aufzuspüren und den Bezug zu hermeneutischen, epistemologischen und ontologischen Fragestellungen aufzudecken.
Einleitung: „Immer trunken sein“1. Der Fetisch: Betrug und Vergebung
2. Wirbel und Schlaufen: Im Räderwerk der Weltbeschleunigung
3. Extase: Zittern, Übertragung, Abdrift
4. Knoten: Die Logik des double-bind
5. Medien: Das Diktat des lifestyle
6. Sagen: Verwirrspiel der Emotionen
7. Politik und Erziehung: Gewalt in der Höhle
8. Wissen: Die Dialektik der Niedertracht
9. Letzte Dinge: Entzug und Verhängnis
Anmerkungen![]()
Rainer Schubert
Räumlichkeit online
Der Mensch im Internet
112 S., Br., € 15,90
978-3-85165-910-8
Der Text diskutiert eine neue Sichtweise gegenüber dem Internet. Er erörtert die vernachlässigte Frage nach seiner Räumlichkeit und die damit zusammenhängende technopolitische Dimension.
Während räumliche Darstellungen im Internet gang und gäbe sind, geht es in der vorliegenden Schrift um ein Raumgebilde, das dem Internet selbst zugrunde liegt. Der Begriff Distanz in seiner räumlichen und zeitlichen Bedeutung steht dabei im Zentrum der Untersuchung. Daraus ergibt sich eine Neubewertung des Begriffs virtuelle Realität. Die landläufi ge Vorstellung von parallelen Welten wird dabei zugunsten einer einzigen räumlichen Wirklichkeit überwunden. Der Mensch innerhalb und außerhalb des Internets ist ein und derselbe Mensch. Diese Identität hat enorme technopolitische Konsequenzen. Globale Mehrheiten können über die technische Gestaltung des Erdballs im Internet in Wirklichkeit abstimmen. Es dient der Vorbereitung eines Weltstaats und macht eine weltdemokratische Struktur sichtbar.
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Matthias Gaertner
Sprache ist nicht Kommunikation
Vom Wesen des Menschen II
136 S., Br., € 17,90
978-3-85165-899-6
Sprache ist nicht Kommunikations- oder Ausdrucksmittel, sie ist kein Mittel zu… Sie kann dazu zwar gebraucht werden, ist von sich aus aber anderes. Zum Wesen des Menschen gehört, auf den Wegen der Sprache zu gehen. Sie erschließen das Da seines Da-seins. „Das Wesensverhältnis zwischen Tod und Sprache blitzt auf, . . .“ (Heidegger). Was zeigt dieser Blitz? Die Gegend, das Da des Da-Seins, durch das die Wege der Sprache führen, das die Wege der Sprache überhaupt erst eröffnen, Denken ermöglichen, Dinge zeigen und Sprach-Gemeinschaften stiften; weswegen von Alters her der Mensch als das Wesen gilt, das durch die Sprache bestimmt ist. Populär ist es fast selbstverständlich, dass die Sprache Mittel zur Verständigung ist. Wissenschaftlich wurde dieses Grundverständnis der Sprache – Sprache ist Kommunikationsmittel – untermauert, ausgebaut und dem global wachsenden Kommunikationsbedürfnis zur Verfügung gestellt. Aber auch die Philosophie geht oft davon aus, dass die Sprache Mittel zur Kommunikation ist. Wenn die Sprache aber Wesen sein soll, kann sie nicht Mittel sein. Sprache, mit all ihren lautlichsinnlichen, bewahrenden und erhellenden Qualitäten, ist also nicht Kommunikation, sondern Wesen in dem durch Undurchdringlichkeiten behausten Wesen des Menschen.
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Franz Fischer
Systematische Untersuchung zum Affinitätsproblem
184 S., Br., € 20,90
978-3-85165-898-9
Philosophische Kritik der Vermittlung von Sprache und Wirklichkeit wird zur Verteidigung der Transzendenz von Sinn. Sinntheorie entmachtet die Zwänge semantischer Kollektivierung und befähigt das Subjekt zu praktischer Selbstreflexion. Die Systematische Untersuchung zum Affinitätsproblem des österreichischen Philosophen Franz Fischer aus dem Jahr 1956 begründet ein radikales Denken aus der Transzendenz von Sinn. Fischers Sprachkritik diskutiert das Affi nitätsproblem von Sprache und Wirklichkeit vor dem Hin tergrund der Philosophie Kants, Hegels und des späten Schelling. Er entwirft dabei ein neues Paradigma der Selbstrefl exion, das den Monismus der Sprache und des Diskurses sinntheoretisch überwindet. Philosophie wird zur kritischen Aufklärung einer undurchschauten Herrschaft der Sprachgewissheit und befreit die Frage unserer Selbstbestimmung aus den Zwängen einer, in un mittelbarer Sprachintention kollektivierenden, Selbstbezüglichkeit.Einleitung von Reinhard Aulke
Systematische Untersuchungen zum Affinitätsproblem (1955)
I. Einführung in das Problem
II. Das Affinitätsproblem bei Kant
III. Das Affinitätsproblem bei Hegel
IV Exkurs zur Hegel-Kritik Schellings
V Die Affinität des Sinnes von Sinn
Anhänge
A Sinn und Wirklichkeit (1954)
B Das Erkenntnisziel der Philosophie (1955)
C Von Kant zum späten Schelling (1955)
D Theorie des Sinnes von Sinn – Untersuchungen
Zur Affinität des Erziehungssinnes![]()
Tasos Zembylas, Claudia Dürr
Wissen, Können und literarisches Schreiben
Eine Epistemologie der künstlerischen Praxis
168 S., Br., € 18,90
978-3-85165-913-9
Die Erweiterung der Ästhetik und Poetologie durch den produktiven Einsatz der tacit knowing-Perspektive ist längst überfällig. Der Entstehung von literarischen Werken in actu zu folgen, zeigt die radikale Offenheit und Fragilität kreativer Schaffensprozesse auf. Die Frage, wie es SchriftstellerInnen gelingt, ihre Schreibprojekte zu realisieren, steht im Zentrum dieser interdisziplinären Studie. Die empirische Beobachtung von literarischen Arbeitsprozessen über einen längeren Zeitraum hinweg eröffnet neue Einsichten: Künstlerisches Können entpuppt sich als ein dynamischer Strom, der sich aus Werkkonzeption, domänen-spezifi schem Wissen und arbeitsrelevanten Rahmenbedingungen formt. Eine Schlüsselrolle dabei spielt praktisches Wissen, das häufi g implizit und kaum artikulierbar ist. Diese Dimension ist wissenstheoretisch bislang wenig erforscht. Die AutorInnen dieses Buches begehen methodisch und theoretisch innovative Wege und ermöglichen ein tiefes und zugleich praxisnahes Verständnis von künstlerischen Prozessen.
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Lebensform Wittgenstein
Im SpielRaum der Sprache
Herausgeber Christian Denker
160 S., Br., € 15,90
978-3-85165-895-8
Der Begriff „Lebensform“ erscheint in der Philosophie Ludwig Wittgensteins an prominenter Stelle. Der Sammelband gibt einen ausführlichen Einblick in unterschiedliche Zusammenhänge dieser Begriffsbedeutung. Unsere Lebensform gehört zum Baugrund jener alten Stadt, mit welcher Wittgenstein die Sprache vergleicht. Lebensform Wittgenstein gleicht einem Reisehandbuch, das seiner Leserschaft die Entdeckung lebendiger Bezirke erleichtert, indem es sie dorthin führt, wo Begriffsarbeit die Sprache des Alltags bereichert. Durch Darstellung verschiedener Gassen, Plätze, Häuser, Zubauten und Vororte des philosophischen Sprechens veranschaulichen die gesammelten Aufsätze aktuelle Entwicklungstendenzen der Bedeutung des Begriffs „Lebensform“. Unterschiedliche Ausfl üge in die ländliche Umgebung zeigen Wittgensteins Sprachstadt aus aufschlussreichen Perspektiven.DR. THOMAS AUINGER
Divergente Lebensformen oder die Frage nach den Grenzen interkultureller Verständigung
DR. CHRISTIAN DENKER
Kunst als Ausdruck einer Lebensform
DR. FABIAN GOPPELSRÖDER
Praktisch Denken. Wittgenstein, Philosophie, Lebensform
PROF. DR. RICHARD HEINRICH
Sprache, Ausdruck, Leben
DR. ALEXANDER HIPPMANN
Ludwig Wittgenstein und die Traumerzählung. Betrachtun gen zu einem vernachlässigten Sprachspiel der Lebensform: „Mensch“
DR. HERBERT HRACHOVEC
Lebenslauf und Lebensform
PROF. DR. H.C. DR. PETER KAMPITS
Ethik und Lebensform
DR. ESTHER RAMHARTER
Es geht immer mindestens ums Ganze: Wittgensteins Umgang mit Löwen, Königen und anderen Religiösen
DR. HANS-DOMINIK SCHWABL
Der kollektive Aufbau der Bildwelten einer Kultur
DR. FRANZ SCHWEDIAUER
Die „künstlerische Lebensform“: Bemerkungen zur Ambivalenz einer heute bestimmenden Formung des Lebens![]()
Christian Hänggi
Gastfreundschaft im Zeitalter der medialen Repräsentation
Eine Ökonomie des Geistes
208 S., Br., € 19,90
978-3-85165-900-9
Das kommunikative Unvermögen des herrschenden Vermarktungsparadigmas drängt uns Fragen der Gastfreundschaft auf: Welchen Botschaften gewähre ich Gastrecht? Wann muss ich es ihnen wieder entziehen?
Einweg-Kommunikation, allen voran die Werbung, prägt den öffentlichen und privaten Raum. Angesichts ihrer Unfähigkeit, den Betrachter wahrzunehmen und ihn in seiner Einzigartigkeit anzusprechen – oder es bleiben zu lassen –, stellt sich die Frage, welche Rolle diese Formen von „Kommunikation“ in unserer Lebenswelt einnehmen sollen. Die Argumentationslinie führt über Fragen der Gastfreundschaft. Christian Hänggi bringt Konzepte aus der zeitgenössischen Philosophie, der Ökonomie und der Biologie zusammen und sucht nach einem Weg, nicht auf diese Weise und um diesen Preis von der „Kommunikationsindustrie“ regiert zu werden. Kommunikation muss Raum bieten für das Generieren einer gemeinsamen, gemeinschaftlichen Zukunft.![]()
Ann-Kristin Drenkpohl
Maschinen sprechen
Science Fiction
280 S., Br., € 31,00
978-3-85165-896-5
Technik. Macht. Stimme. Mit Beginn der Science Fiction im 19. Jahrhundert treten vermehrt sprechende Automaten auf. Die Versuche des Menschen, seinen Schöpfungen Sprache einzuhauchen, sind vielfältig. Die Autorin analysiert ausgewählte Dialoge in Film und Literatur.
Mit Beginn der Science Fiction im 19. Jahrhundert fi nden sprechende Automaten Eingang in die Literatur. Das ist der Beginn eines neuen Mensch-Technik-Verhältnisses, das als Dialog zwischen Mensch und Maschine inszeniert wird. In den fantastischen Dialogen, in denen sich die Maschine der Qualitäten des Menschlichen bemächtigt und in denen sich der Mensch mit der Frage konfrontiert sieht, wie viel Künstliches in ihm steckt, werden wesentlich menschliche Kategorien wie etwa Körper, Geist und Sprache fragwürdig. Die Autorin beschreibt die unterschiedlichen Inszenierungen von Maschinen als lebendige Wesen in Film und Literatur.
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Gundi Feyrer
7 Meter im Quadrat
Überlegungen und Gedanken in einem Pariser Rattenloch
144 S., Br., € 16,90
978-3-85165-897-2
Paris, von einem Rattenloch aus gesehen, zusammen mit dem Verlangen, mit allem, was um einen herum ist, eins zu sein, ganz verbunden zu sein. Da, wo sich die Außenwelt bis zu einem Umkreis von 7 Quadratmetern ausdehnt, da, wo die Stadt mitten auf dem Tisch steht, da, wo die Wände so dünn sind, dass ein Radio vonnöten ist, um die Geräusche und Stimmen der Nachbarn ab und zu zu übertönen.
Normalerweise denkt man in Paris über seine Nachbarn nicht nach. Zuviele Nachbarn, zuviele Schicksale. Der junge Araber gegenüber: wenn ich über sein Leben nachdenken sollte, müsste ich verzweifeln. Den ganzen Tag über arbeitet er, abends sieht er in seinem etwa 8 qm großen Loch – es scheint etwas größer als meines – TV. Sein Zuhause: 1 Matratze, 1 tragbarer Fernseher, 2 Hosen und 3 T-Shirts, die auf dem Boden liegen, weil es keinen Schrank gibt. Ich werde nicht mehr zu ihm hinübersehen. Und ich? Weiß, daß ich bald hier herauskomme, wobei die Wände meiner anderen Behausungen in dieser Stadt auch nicht dicker waren. Aber 10 Quadratmeter mehr. Das merkt man schon. Mit nur 7 ist man inniger mit der Stadt verbunden.
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Poetry Slams
Boris Preckwitz
szene•leben
poems und performance
88 S., Br., € 11,00
978-3-85165-907-8
Die deutschsprachige Lyrik muss ihre gesellschaftliche Bedeutung und ihr Publikum neu gewinnen. Es dürfen mehr Welthaltigkeit und mehr Wirksamkeit von ihr verlangt werden. Eine erfahrungsoffene Ästhetik als Verschmelzung von geschriebenem und gesprochenem Wort ist das Gebot der Stunde. Wie dies mit Verfahren der modernen Avantgarden, der Popularkultur und des klassischen Kanons zu erreichen ist, zeigt exemplarisch der Gedichtband szene•leben von Boris Preckwitz. Die Gedichte und Performance-Texte spiegeln heutige Gesellschaftsbilder und Lebensstile wider. Menschentypen, Rollen, Arbeitswelten und Moden fügen sich in ein Panorama unserer Zeit. Verschiedene literarische Traditionen werden genussvoll gegeneinander gestellt und an ihrer Aussagekraft für die Lebenswirklichkeit gemessen. Das lyrische Ich ist im Text präsent als performendes Medium – durch welches die Welt verändernd und verändert hindurchgeht. Frei nach den Regeln der Kunst und dem Publikum aus dem Herzen gesprochen.![]()
Fotini Ladaki
Lacan und sein Figaro
80 S., Br., € 11,00
978-3-85165-901-6
Der Text versteht sich als schillernde Metapher, die sich an Lacans Figaro entzündet und eine Vielzahl von Signifi kanten aufwirbelt, die der fundamentalen Wahrheit des menschlichen Seins unterliegen. Laut dem Volksmund braucht „Holz und Haar sieben Jahre“, um zu verwesen. Gabriel Garcia Márquez beschreibt in seinem Buch Über die Liebe und andere Dämonen den seltenen Fund eines Mädchens, deren Haar auch zweihundert Jahre nach ihrem Tod weiter wuchs. Lacan meint in der Ethik der Psychoanalyse, „wo immer sich ein ungeordneter Haufen von Abfällen findet, gibt es Mensch“. Diese Beispiele zeugen von der Unverwüstlichkeit des Irdischen. Das Schicksal des Menschen auf dieser Welt ist nicht der Tod oder die Rückkehr in das unversehrte Sein, sondern vielmehr seine Unmöglichkeit, jemals wieder zu reinem „Nichts“ zu transformieren. Vielleicht sprechen dafür auch die kostbaren Reliquienschreine mit Schädeln, Knochen, Haaren oder Fingernägeln von Heiligen und Märtyrern. Hierbei wird das genichtete Subjekt als Abfall und Rest zu einem Sakrileg erhoben, damit die imaginäre Bastion des Subjekts weiterleben kann.
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Engagement and Exposure
Mobile Communication and the Ethics of Social Networking
edited by Kristóf Nyíri
200 S., Br., € 23,30
978-3-85165-906-1
The rise of mobile communications is a major development in social and cultural history. This development has once more arrived at a turning-point: mobile communications are merging with online social networking, presenting a new challenge to the humanities. Social networking sites have in the past few years become extremely popular, and have turned the web into a markedly social medium. However, online social networking has led to concerns about privacy, as well as about possible counterproductive effects on making new real-world acquaintances. These effects are, in the short run, aggravated by permanent mobile connectivity. In the long run, however, mobile social networking might actually enhance real-world connections, with persons in your physical vicinity able to introduce themselves on the screen of your handheld. Privacy, anonymity, virtuality, friendship – the topic of mobile social networking clearly invites philosophical, and, in particular, ethical discussions. The volume contains papers by, among others, Charles Ess, Leopoldina Fortunati, Richard Harper, James E. Katz, Rich Ling, and Kurt Röttgers.
Justice and Memory – Confronting traumatic pasts
An international comparison
Editors: Ruth Wodak, Gertraud Auer Borea
232 S., Br., € 25,90
978-3-85165-911-5
Every society must cope with traumatic pasts. The many ways in which societies cope with the past(s) form part of the „politics of the past“: history is thus continuously reformulated ex post facto and presented as a seemingly coherent narrative related to specifi c (hegemonic) interests.
This book summarises the contributions of 18 prominent scholars of an international interdisciplinary conference at the Bruno Kreisky Forum for International Dialogue, Vienna, in June 2008. Commemorative events, issues of guilt, justice and legitimation as well as forms of restitution were compared, analysed and discussed in respect to their functions, objectives and effects, while focussing their specifi cally national contexts of origin and their respective impact. Thus, the many dimensions of „remembering and forgetting“ were part and parcel of the theoretical and methodological presentations, on the one hand, and of specifi c national case studies (in Europe, South-Africa, South America (Chile), Israel, and so forth), on the other. Salient social phenomena such as war crimes and tribunals, the functions of ideologies and images of the past (Geschichtsbilder) were deconstructed and critically debated, always related to specifi c national and transnational contexts. It became obvious that the past(s) can never be silenced; and that they always impinge on the present and future of all societies – and our lives.![]()
Recollecting
Raub und Restitution
(Hg. Alexandra Reininghaus unter Mitarbeit von Luisa Ziaja)
352 S., 300 Abb., Br., € 39,00
978-3-85165-887-3
Texte von, Aleida Assmann, Eva Blimlinger, Constantin Goschler, Maren Gröning, M. G. Hall/C. Köstner, Herbert Haupt, Felicitas Heimann-Jelinek, Anja Heuss, Nicole Immler, Christian Klösch, Christina Köstner, Monika Mayer, Sophie Lillie, Peter Noever, Alfred Noll, Ruth Pleyer, Jan-Björn Potthast, Alexandra Reininghaus, Birgit Schwarz, Harald Welzer, N. Wahl/M. Triendl-Zadoff, Leonhard Weidinger, Margot Werner, Christian Witt-Dörring, Michael Wladika, R. Wodak/R. de Cillia, Luisa Ziaja.
„Recollecting. Raub und Restitution“ ist in jeder Hinsicht ein außergewöhnliches Buch. Es behandelt das Thema Raub und Restitution zum ersten Mal nicht nur unter historischen und gesellschaftlich-politischen Gesichtspunkten, sondern stellt auch die betroffenen Menschen in den Mittelpunkt.
Was bedeutet die Rückgabe von Kunstwerken oder auch Alltagsgegenständen für die Erben in der zweiten oder dritten Generation? Was bedeutet die Restitution für ihre Identität, was für ihr Familiengedächtnis?
Anhand der Dokumentation ausgewählter Restitutionsfälle werden in dem Buch, das begleitend zur gleichnamigen Ausstellung im Wiener Museum für angewandte Kunst MAK erscheint, Fragestellungen nach kultureller Identität, Geschichtspolitik, subjektiver Erinnerung und kollektivem Gedächtnis mit der Bedeutung der Rückgabe für die ErbInnen verknüpft.
Die wichtigsten Provenienzforscher leuchten den historischen Hintergrund von Raub und Restitution aus. Erweiternd reflektieren vierzehn zeitgenössische KünstlerInnen, wie Vera Frenkel, Maria Eichhorn, Christian Ph. Müller, Lisl Ponger, Ines Doujak, Carola Dertnig, Rainer Ganahl, Arye Wachsmuth/Sophie Lillie u.a. das Thema in Auftragsarbeiten und fügen ihm weitere neue Aspekte hinzu.
Das Buch widerspricht entschieden dem Blick eines Teiles der Öffentlichkeit, der dieses Thema nur unter dem Aspekt des materiellen Wertes der von den Nazis geraubten Kunstwerke sehen will und nicht selten unterschwellige Ressentiments damit weckt.
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Paul Virilio
Der eigentliche Unfall
128 S., Br., € 16,90
978-3-85165-874-3
Der Fortschrittsskeptiker Virilio beleuchtet das Phänomen des Unfalls in der heutigen Zeit und kommt zu furchteinflößenden, überraschenden, aber auch optimistischen Ergebnissen, wobei er stets ein konkretes Ziel vor Augen hat.
Was ist ein Unfall? Diese Frage stellt Paul Virilio in den Mittelpunkt seines neuen Essays, der die Überlegungen zu seiner 2002 in der Fondation Cartier in Paris gezeigten Fotoausstellung „Ce qui arrive“ fortführt. Von der biblischen Erbsünde und dem Urknall über Naturkatastrophen und Industrieunfälle bis zu aktuellen Phänomenen wie der Beschleunigung in der Gesellschaft oder dem Terrorismus, bezieht Virilio eine Vielzahl von sozialen, politischen und philosophischen Aspekten in seine Untersuchung ein. Die Grenzen des wissenschaftlich-technologischen Fortschritts werden anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse abgesteckt, gleichzeitig ruft Virilio aber polemisch zu einer Neupositionierung auf: Anstatt uns, wie bisher, als dem Unfall ausgesetzt zu verstehen, sollten wir den Spieß umdrehen und den Unfall unserem bewussten, analytischen Blick aussetzen.
Paul Virilio, geboren 1932 in Paris, begründete die École d’architecture spéciale und lebt heute als Architekt, Stadtplaner und Schriftsteller in La Rochelle.![]()
Hélène Cixous
Der Tag, an dem ich nicht da war
168 S., Br., € 21,90
978-3-85165-878-1
Trauerarbeit. Der Versuch, Licht in die Geschehnisse einer fernen Vergangenheit zu bringen. Mit der Erinnerung an die Geburt und den frühen Tod eines fremdartigen Kindes verknüpfen sich Fragen nach Erbe und Gedächtnis, nach Eugenik und Euthanasie, Schuld und Verdrängung und nach der Rolle der Schrift.
Ankunft, Erscheinen und Verschwinden ihres Kindes, das Jahrzehnte nach seinem Tod in die Erinnerung zurückkehrt, werden zum umstürzenden Ereignis im Denken und Schreiben der Erzählerin. Das ungewöhnliche Kind gehört einem mythischen Geschlecht an: „Heutzutage sagt man nicht mehr Mongole […] Trisomie 21, so der empfohlene medizinische Terminus.“ Mit der Ankunft des Kindes kehrt sich plötzlich alles um. „An der Stelle der Schrift: mein Sohn, gespenstischer Kommandant der Schrift.“ Diesen „schlichten Heiligen“ gibt die Erzählerin in die Obhut ihrer Mutter in Algerien. Dort, in der Klinik von Oran, wo die Kinder zur Welt kommen, stirbt er, „am Tag, an dem ich nicht da war“. Doch wie kam es zu seinem Tod? Und wer hat ihn beerdigt?
Hélène Cixous, geboren 1937 in Algerien, lehrt an der Université Paris VIII. Sie ist Autorin von über 40 Fiktionen, zehn Theaterstücken und eines umfangreichen essayistisches Werks.
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Jacques Rancière:
Der unwissende Lehrmeister
2. durchgesehene Auflage
176 S., Br.. € 21,90
978-3-85165-795-1
Der unwissende Lehrmeister Joseph Jacotot lehrt, was er nicht weiß, und verkündet die frohe Botschaft der intellektuellen Emanzipation: Alle Menschen haben die gleiche Intelligenz. Jacques Rancière zeichnet die Philosophie der intellektuellen Emanzipation nach und präsentiert sie unserer pädagogisierten und ungleichheitlichen Gesellschaft.
1818 begann Joseph Jacotot, exilierter Revolutionär und Lektor für französische Literatur an der Universität Löwen, Panik im gelehrten Europa zu verbreiten. Nicht damit zufrieden, flämischen Studenten Französisch beigebracht, ohne ihnen eine einzige Lektion gegeben zu haben, lehrte er, worüber er unwissend war und proklamierte die Losung der intellektuellen Emanzipation: Alle Menschen haben die gleiche Intelligenz. Es handelt sich hierbei nicht um amüsante Pädagogik, sondern um Philosophie und, wenn man will, um Politik. Die Vernunft lebt nur von der Gleichheit. Die soziale Fiktion jedoch lebt nur von Rängen und ihrer unaufhörlichen Rechtfertigung. Die große Lektion von Jacotot ist, dass die Bildung wie die Freiheit ist: Sie wird nicht verliehen, sondern genommen. Sie wird den Monopolisten der Intelligenz, die auf dem Erklärthron sitzen, entrissen. Es genügt, sich selbst zu erkennen und in jedem anderen sprechenden Wesen dieselbe Fähigkeit anzuerkennen.
Jacques Rancière ist emeritierter Professor für Philosophie und Kunsttheoretiker. Bekannt wurde Rancière vor allem durch seine Arbeiten zur politischen Philosophie und zur Ästhetik. Von 1969 bis 2000 lehrte er an der Universität Paris VIII.![]()
Eichinger oder Knechtl
Projekte aus fünfundzwanzig Jahren
160 S., Zahlreiche Farb- und SW-Abbildung(en), engl.Br., € 29,90
978-3-85165-762-3
Die Heterogenität der Projekte steht im Zentrum dieses ersten Buches der Arbeiten von Eichinger oder Knechtl (eok), das den Bogen von Grafikdesign bis Städtebau spannt. Die etwa 150 architektonischen und baukünstlerischen Arbeiten umfassen die Jahre 1980 bis 2005 und beinhalten die Neugestaltung des MAK-Restaurants in Wien, den Österreichischen Pavillon bei der Expo2000 in Hannover, den Umbau des Klosters Und in Krems, die weltweit gereiste mobile Designausstellung design now.austria sowie viele weitere Neugestaltungen und Umbauten, wie das Jüdische Museum Wien, Hauptplatz Wiener Neustadt, Café Halle im Museumsquartier, Café-Restaurant Palmenhaus, Café Stein. Mit durchgehenden Farbabbildungen und atmosphärischen Texten liefert das Buch einen kompakten Überblick über das Oeuvre der international renommierten Wiener Star-Architekten.
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Jacques Derrida
Apokalypse
Von einem neuerdings erhobenen apokalyptischen Ton in der Philosophie
No Apocalypse, not now
3., durchgesehene Auflage
144 S., Br., € 17,90
978-3-85165-879-8
Der Tod der Philosophie, das Ende der Geschichte, das Ende des Menschen, des Subjektes, des Abendlandes, des Fortschritts, der Menschheit – Diskurse über das Ende durchziehen das abendländische Denken.
Aber die aufklärerische Grenzziehung gegenüber einem apokalyptischen Diskurs, zeigt Derrida, entfesselt ihrerseits bloß wieder „eine andere Welle eschatologischer Diskurse in der Philosophie“. Gibt es ein Paradigma, eine fundamentale Szene der eschatologischen Strategien? Lässt sich der apokalyptische Ton auf Einstimmigkeit reduzieren? Ist das Apokalyptische vielleicht die transzendentale Bedingung jedes Diskurses? Für diese deutsche Ausgabe stellte Derrida einen zweiten Text zu aktuellen Versionen des apokalyptischen Diskurses zur Verfügung: „No Apocalypse, not now“. Ein Text, direkt, wie sonst bei Derrida nicht üblich, ein philosophischer Text über atomare Endzeitvisionen und die Politik der Abschreckung.
Jacques Derrida (1930–2004) lehrte Philosophie in Paris und den USA.![]()
Slavoj Žižek:
Ein Plädoyer für die Intoleranz
4., durchgesehene Auflage
104 S., Br., € 15,00
978-3-85165-893-4
Die Medien bombardieren uns mit der Idee, dass die größte Gefahr heutzutage der intolerante (ethnische, religiöse, sexistische...) Fundamentalismus ist, der sich nur durch eine konsequente Haltung bekämpfen lässt.
Aber: Ist diese Idee so selbstverständlich? Ist die vorherrschende Form der multikulturellen Toleranz nicht viel weniger unschuldig, als sie zu sein scheint? Immerhin lässt sie die Entpolitisierung der Ökonomie zu. Diesem Multikulturalismus liegt die Überzeugung zugrunde, dass wir in einer post-ideologischen Welt leben, die Gegensätze zwischen Links und Rechts überwunden und die wichtigsten Auseinandersetzungen jene um die Anerkennung der verschiedenen Lebenskonzepte sind. Ein zweites Aber: Könnte man nicht diese Idee als die Ideologie des aktuellen globalen Kapitalismus bezeichnen? Was nun? Was wir heute brauchen, zeigt Žižek, ist eine starke Dosis Intoleranz – und zwar gerade im Hinblick auf die eigentlich politische Landschaft der Opposition. Vielleicht ist es nötig, die multikulturelle Haltung von Links zu kritisieren und für eine neue Politisierung des Ökonomischen zu plädieren.
Slavoj Žižek, geboren 1949 in Ljubljana, ist Philosoph und Psychoanalytiker.
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Unzipping Philosophy
Wissen/Kunst
Elisabeth von Samsonow, Philipp Levar (Hg.)
240 S., zahlr. Abb., Br., € 27,00
978-3-85165-888-0
Wie sieht die Jungforschung in einem künstlerischen Umfeld aus? Welche Methoden werden verwendet? Wie ist das Profil einer Kunstuniversität im postgradualen Segment beschaffen? Die Tagung „Unzipping Philosophy“ (2006) an der Akademie der bildenden Künste thematisierte nicht nur das Verhältnis zwischen theoretischen und praktischen Formen der Wissensproduktion, sondern versuchte sich auch als Raum von Interventionen, Performances, Installationen und Musik. Es wurde auf experimentelle Weise untersucht, ob und wie eine Kunstuniversität einen profilierten Rahmen für theoretische Fragestellungen abgibt. Der Raum wurde für Reflexion und Aktion geöffnet, die Gegenwart mit dem Pathos einer geschichtlichen sowie einer entwerfenden, visionären Logik ausgelotet. Dieser „Weg zum Text“ ließ sich als mäandernd, sich durch die künstlerische Erfahrung den Weg bahnend beschreiben, als bilderreich, körperlich, assoziativ, collagenhaft, allegorisch, konstruktivistisch oder mosaikartig. Die bisher dem Schisma der Disziplinen zugeschlagenen Spannungen zwischen ästhetischer Erfahrung und wissenschaftlichem „Methodenzwang“ (Feyerabend) sowie Ansätze zu ihrer Überwindung werden erstmals im Bereich des Junior-Researchs aufgezeigt und zur Debatte gestellt.
Elisabeth von Samsonow, Philosophin und Künstlerin, lehrt an der Akademie der bildenden Künste Philosophische und Historische Anthropologie der Kunst. Philipp Levar arbeitet an Projekten im Schnittfeld von Kunst und Wissenschaft.
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Meike Schmidt-Gleim
Die Regierung der Demokratie
240 S., Br., € 27,00
978-3-85165-889-7
Die Regierung der Demokratie behandelt die Frage: „Was ist die Demokratie?“ Eine alte Frage, denken Sie? Eine Frage, auf die es schon unzählige Antworten gibt. Es wird diesen deswegen auch nicht noch eine Antwort hinzugefügt, sondern die Demokratie an ihrer Wurzel gepackt und ein Begriff entwickelt, an dem aktuelle Demokratien gemessen werden können. Das zahlreiche Entstehen junger Demokratien im Osten Europas in den 1990er Jahren wurde mit großem Enthusiasmus begrüßt und hat dem Interesse an Demokratie zu neuem Schwung verholfen. Es hat uns aber auch das Dilemma vor Augen geführt, dass wir gar nicht über Instrumente verfügen, die Demokratien auf den Prüfstand zu stellen. Die Existenz einer Hand voll von Institutionen wie freie Wahlen und Parlament schien uns ausreichend, um einem Staat eine demokratische Regierungsform zuzuschreiben. Wie sehr die Existenz solcher Institutionen darüber hinwegtäuschen kann, wie undemokratisch die Verhältnisse tatsächlich sind, erweist nur ein Begriff der Demokratie, der sich nicht an diese Institutionen klammert. Denn gerade im Kontext dieser Institutionen schreiben sich kritische Entwicklungen ein, die das Buch anstrebt, ans Licht zu zerren. Dabei geht es darum, unsere Sehinstrumente zu schärfen, um den Versäumnissen der Demokratien auf die Schliche zu kommen, und damit selbst einen kleinen Beitrag zur Demokratie zu liefern.
Meike Schmidt-Gleim, geboren 1972, studierte Philosophie und Kunst in Wien und lebt derzeit in Paris.
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Alfred Nozsicska
Die Zeichen, der Automat
und die Freiheit des Subjekts
554 S., Br., € 52,00
978-3-85165-884-2
Die Freiheit des Subjekts besteht im Unterlaufen des Automaten, der so zu seinem Außersein wird. Über der Höhlung, die dabei entsteht, wölbt sich der Bogen des Seins, dessen Spannweite die Differenzkraft der Zeichen determiniert. Ist sie maximal, formen sich die Zeichen zu dem, was wir Sprache nennen. Die Ausgangsthese ist, dass es keinen in der Zeit verlaufenden Entstehungsprozess in Bezug auf Zeichenhaftes geben kann. Dies begründet ein Immanenzverhältnis von Zeit und Zeichen, das, wenn es selbst signifikativ wird, das Erfassen der Zeit absolut und den Zeichenprozess prinzipiell nicht mehr weiter entfaltbar macht. Wir nennen ihn dann die Sprache. Auf dieser Basis wird ein ontologisches Konzept des Zeichens beziehungsweise der Sprache entwickelt. Dabei interveniert der Begriff des Automaten, der qua Radikalisierung des Peirce’schen Interpretantenbegriffes gewonnen wird. Das Unterlaufen des Automaten, das die Freiheit des Subjekts begründet, korreliert mit einer neuen Konzeption der Bergson’schen/Deleuze’schen Virtualität, die dadurch zugleich de(kon)struiert wird. Die durchgehende Intention des Autors liegt darin, die Frage nach dem Sein aus der Sackgasse von Begrifflichkeiten zu führen, die allzu sehr um dessen Sinn kreisen.
Alfred Nozsicska lehrte an der Universität Wien Sprachwissenschaft.
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Heiner Hastedt
Moderne Nomaden
Erkundungen
184 S., Br., € 21,90
978-3-85165-881-1
Moderne Nomaden erkundet die Folgen eines flexiblen Lebens im modernen Kapitalismus und verlangt von der Philosophie ein Denken in Bewegung, das sich nicht hinter zeitlosen Begriffen und philosophiegeschichtlichen Systemen versteckt. In der Kulturgeschichte der Menschheit gilt die Sesshaftwerdung durch Ackerbau und Verstädterung als Fortschritt. Heute erleben wir in der globalisierten Welt, dass aus sesshaften Menschen wieder Nomaden werden, die nach Jobs und Wohlstand suchen. Moderne Nomaden untersucht die Frage, wie diese ihre Nicht-Sesshaftigkeit und Flexibilität existentiell und gedanklich bewältigen können. Ausgehend von der Diagnose einer „Ambivalenz im Leben des modernen Nomaden“ wird die Philosophie als „Denken ohne festen Wohnsitz“ profiliert, unter anderem in Auseinandersetzung mit Montaigne, Heidegger, Lyotard und Adorno. Heiner Hastedt, geboren 1958, lehrt Philosophie an der Universität Rostock.![]()
Gerhard Burda
Seelenpolitik
Über die Seele und andere Selbst-Differenzen
140 S., Br., € 15,90
978-3-85165-877-4
Gerhard Burda fragt, was unter Seelenpolitik verstanden werden könnte, und analysiert Selbst-Differenzen und Abwehrmechanismen in Politik, Religion und Medien.![]()
Heilige versus unheilige Schrift
Herausgegeben von Martin A. Hainz mit Beiträgen unter anderem von Mark E. Amtstätter, Arthur Boelderl, Luca DiBlasi, Franzobel, Rüdiger Görner, Kevin Hilliard, Adolf Holl, Felix Philipp Ingold, Vivian Liska, Wolfgang Müller- Funk und Doron Rabinovici.
228 S., Br., € 26,90
978-3-85165-880-4
Heilige versus unheilige Schrift – in Texten hat (Schrift-)Religion ihr Fundament, doch zugleich ihre Fraglichkeit. Und diese ist ihre schlechthinnige Ressource selbst, wie vorliegender Band zeigt und untersucht. Religion ist der Versuch, Transzendenz bündig zu formulieren; in der Bündigkeit nimmt sie sich als Antwort aus, Antworten sind es unter anderem, die sie auch zeitigt, und doch: Zuletzt bleibt die Fraglichkeitsstruktur. Heilige Schriften bewahren diese, was unheilig erscheinen kann – wie umgekehrt das, was als heilige Geste erscheint, frömmlerisch sein mag. Dieser Dialektik von Skepsis und Dogma in der Schrift geht der vorliegende Band nach. Seine Frage lautet, ob die philologisch gestützte oder auch poetisch entwickelte Arbeit am Wort sowie Wort und Schrift selbst das Religiöse auflösen oder darin nicht als dessen Intention einlösen.![]()
Gottfried Kinsky-Weinfurter
Der europäische Ernst
Identität im Zeitalter populärkultureller Dislozierung
Ein Beitrag zur audiovisuellen Anthropologie
480 S., Br., € 55,00
978-3-85165-882-8
Wie ist Identität im Zeitalter der Globalisierung und der damit einhergehenden kulturellen Dislozierung möglich? Die Auseinandersetzung mit der Kategorie Ernst gibt den Blick auf die Identität des Europäers frei, die in eine dissonanzorientierte offizielle und eine lust- und körperbezogene populäre Kultur gespalten ist. Europas Kunstinstitutionen dämonisieren die Serienprodukte der Unterhaltungskultur und grenzen deren Ästhetik von den offiziellen Bühnen des vermeintlich Repräsentativen aus. Während die staatliche Hochkultur zu einem Ort der Selbstgeißelung und des Passionsgedankens wird, bastelt sich die leidensunwillige multiethnische Gesellschaft mittels der Medienunterhaltung eine neue, transterritoriale und transkulturelle Identität, die einem anderen Paradigma folgt. Mit Theoriebezug auf die cultural turns der Europäischen Ethnologie beschreibt die Monographie Der Europäische Ernst anthropologische Aspekte des Prozesses einer kulturellen Dislozierung: Anstelle der Identifikation mit einem klassischen Werkekanon, spielen im Prozess einer kollektiven Ich-Bildung zunehmend bewegte spatiale Relationen, Ereignisserien und Frequenzen eine Rolle.
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Jochen Kornelius Schütze
Boxen, boxen
237 S., Br., € 29,90
978-3-85165-890-3
Der Roman erzählt von Vater und Sohn im geteilten Deutschland. Wie deutsch diese Geschichte ist, zeigt sich bis in den hintersten Winkel ihrer Sprache. Der alte Simon Rabe ist gestorben, Mitte der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts in der ostdeutschen Provinz. Sein Sohn Ottofritz fährt nur widerwillig nach drüben zum Begräbnis, denn er war aus dem Land vor zwanzig Jahren geflüchtet und hatte es seither nicht wieder gesehen. Boxen, boxen handelt von den Geschichten der beiden Männer: von der Verwundung des einen im Ersten Weltkrieg, von seiner Begegnung mit Brecht in München, von seiner soliden Existenz als Dorftierarzt und von seiner Verbitterung über den abgehauenen Sohn; von der gefährlichen Flucht des anderen zwei Jahre nach dem Mauerbau, von seiner großen Liebe und von seinem Gewehr. So unterschiedlich wie die Zeiten und Länder sind, in denen sich die Leben der beiden Männer abspielen, so verschieden ist auch ihre Art zu sprechen. Nur selten treffen sie sich in einer Erinnerung oder in einem Wort.
Jochen Kornelius Schütze, geboren 1955, Philosoph, Schriftsteller, Reiseleiter. Lebt in Wien, Leipzig und Mercato Saraceno.
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Götz Wienold
Luther oder
Die Vielweiberei erobert Europa
148 S., Br., € 17,90
978-3-85165-891-0
Die Vielweiberei, ein islamisches Gespenst in Europas Seelen, doch Luther und Melanchthon gestatten sie Landgraf
Philipp V., wohingegen sie Juden bei Todesstrafe die geschlechtliche Liebe verbieten. Eine Tragikomödie.
Die Bigamie eines Fürsten wird unter dem Siegel der Beichte von den Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon abgesegnet. Der Gesegnete: Philipp V. von Hessen. Außen drängen osmanische Truppen an Habsburgs Grenzen, innen ein verwandtes Gespenst: die Vielweiberei. Wie Herr und Prediger in Kollusion stehen, ist die Wittenberger und hessische Geistlichkeit in die Judenpolitik der Fürsten verwickelt. Die von ihnen gebilligte Judenordnung von 1539 stellt die geschlechtliche Liebe zwischen Juden und Christen unter Todesstrafe. Daraus entwickelt sich die im übrigen fiktive Handlung. Ein Stück von der Pfiffigkeit unter widrigen Umständen und wie man mit ihr reinfallen kann. Es sagt auch: Bändele nicht mit Antisemiten an in der Hoffnung, sie lassen es einmal gut gehen. Du tust dir dabei sehr weh. Wenn man sich mit Antisemiten von Kaliber anlegt, muß man sehr froh sein, mit heiler Haut davon zu kommen.
Götz Wienold, geboren 1938, schreibt Theaterstücke, Romane und Erzählungen, lebt in Tokio.
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Katrin Mackowski
Kopf oder Zahl?
Oder wie ich meine Familie umbringe
Mit einem Nachwort von Hartmut Böhme
96 S., Br., € 12,90
978-3-85165-883-5
Was ist wirklich, was heller Wahn? Eine Groteske über die Familienhölle, über Geld, Gier und Gunst – für Theater in zwei Teilen. Die Autorin zeichnet in einem Monolog der Schauspielerin Vera, Ton und Bewegung von Zorn, Rachefantasien, aber auch die innere Lähmung nach. Das folgende Stück lässt die Affekte los, führt sie über die Grenzen – bis hin zur Vernichtung. Albert hat einen Gehirntumor und soll seine geliebte Tochter, die Filmschauspielerin Vera, so kurz vor seinem Tod um keinen Preis mehr sehen. Zielscheibe von Boshaftigkeit der Stiefmutter Eva, von Neid und sexueller Gier der eigenen Mutter Traudl, spielt Vera, die nicht mal im Traum damit rechnet, dass sie alles erben soll, das inzestuöse Klima so lange hoch, bis ihr der Mund verboten wird: Blondie, Vaters Jagdhund, zerfetzt ihr das Gesicht, noch ehe sie sein Haus betritt. Ist das das Ende von Spiel und Sprache, Rolle und Geschlecht? Die Bagage wird völlig irre, Albert und Eva müssen sterben. Vera sitzt am Ende des Dramas, aufgelöst in Tränen, vor einer dieser elenden Wunschmaschinen, dem Computer. Wohin mit dem Reichtum, dem verlorenen Gesicht?
Katrin Mackowski, geboren 1964, ist Schriftstellerin und Filmemacherin. Sie veröffentlichte zuletzt den Roman Die falsche Frau und befasste sich in zwei Fernsehdokumentationen mit dem Phänomen Trauma.![]()
Dostojewskis Räume
Zeichnungen von Oswald Auer
Text von Ernst Strouhal
64 S., 24 Abb., Br., € 24,00
978-3-85165-876-7
Dostojewskis Räume stellt eine Serie von Radierungen, eine Serie von Bleistiftzeichnungen und einen Text nebeneinander. Die unterschiedlichen „Begrifflichkeiten“, der sich das Medium Zeichnung und der Text bedienen, werden dabei berücksichtigt. Dem Radier-Zyklus zu Dostojewski ist eine Serie zu einem Freund des Zeichners gegenübergestellt. Es geht dabei um Relationen – die Relation einer vergangenen Zeit zur Gegenwart und die Beziehung einer „historisch-öffentlichen Figur“ zu einer „privaten Person“. Gemeinsam ist den im Buch vereinten Bildabfolgen der stetige Wandel. Dieser vollzieht sich sowohl zeitlich als auch räumlich. Die inhaltliche Aussage wird dabei nicht durch ein einzelnes Bild erzeugt, sondern durch die gesamte Serie. Die Montage und Aneinanderreihung von „gefundenen“ und „erfundenen“ Sujets lässt eine Verwandtschaft zur Struktur des Erzählens erkennen. Wichtig ist auch die „deregulierte“ Beziehung der Werke zum Urheber. Die Doppeldeutigkeit des Begriffs „Raum“ im Titel ist beabsichtigt. Der Terminus kann sowohl im physischen als auch im metaphorischen Sinn verstanden werden – handelt es sich bei einem Schriftsteller doch immer um einen Erzeuger von imaginären Wirklichkeiten. Oswald Auer ist Zeichner und lebt in Wien. Ernst Strouhal ist Professor an der Universität für angewandte Kunst Wien. Dostojewskis Räume stellt eine Serie von Radierungen, eine Serie von Bleistiftzeichnungen und einen Text nebeneinander. Die unterschiedlichen „Begrifflichkeiten“, der sich das Medium Zeichnung und der Text bedienen, werden dabei berücksichtigt. Dem Radier-Zyklus zu Dostojewski ist eine Serie zu einem Freund des Zeichners gegenübergestellt. Es geht dabei um Relationen – die Relation einer vergangenen Zeit zur Gegenwart und die Beziehung einer „historisch-öffentlichen Figur“ zu einer „privaten Person“. Gemeinsam ist den im Buch vereinten Bildabfolgen der stetige Wandel. Dieser vollzieht sich sowohl zeitlich als auch räumlich. Die inhaltliche Aussage wird dabei nicht durch ein einzelnes Bild erzeugt, sondern durch die gesamte Serie. Die Montage und Aneinanderreihung von „gefundenen“ und „erfundenen“ Sujets lässt eine Verwandtschaft zur Struktur des Erzählens erkennen. Wichtig ist auch die „deregulierte“ Beziehung der Werke zum Urheber. Die Doppeldeutigkeit des Begriffs „Raum“ im Titel ist beabsichtigt. Der Terminus kann sowohl im physischen als auch im metaphorischen Sinn verstanden werden – handelt es sich bei einem Schriftsteller doch immer um einen Erzeuger von imaginären Wirklichkeiten.
Oswald Auer ist Zeichner und lebt in Wien. Ernst Strouhal ist Professor an der Universität für angewandte Kunst Wien.
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Christine Wiesmüller
Sommerfrische
Quadratur des Kreises oder
ein Fragment
Erzählungen
208 S., Br., € 23,90
978-3-85165-892-7
Existentielle Einsamkeit verbindet die Erzählungen. Auch in diesen früheren Texten verstricken sich die Protagonisten des „Wiesmüller’schen Kosmos“ in Fragen nach Sein und Sinn des Daseins. Anna, die Frau eines erfolgreichen Politikers, verbringt den Sommer auf dem Land, zusammen mit ihrem Schwager, der an einer nie enden wollenden Doktorarbeit schreibt, und einem Komponisten. Marianne, die Wirtschafterin, ist das Bindeglied zwischen den Familienmitgliedern und den „Sommergästen“. Ihr Geheimnis beginnt sich bemerkbar zu machen, findet seine Form und seine Sprache oder schweigt. Einen „circulus vitiosus“ des Beginnens und Scheiterns beschreibt „Die Quadratur des Kreises“. Felicitas arbeitet an der Herausgabe von Tagebüchern. Ein Unterfangen, das zu einer Sisyphusarbeit wird. Das „Puzzle des Lebens“, des eigenen wie des fremden, muss immer wieder neu zusammengesetzt werden. Die Arbeit wird für Felicitas zum Symbol für innere Suchbewegungen, auch für immer scheiternde Beziehungen. Christine Wiesmüller, geboren in Niederösterreich, lebt als Schriftstellerin und Publizistin in Salzburg und in Wien.
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Annette von Rantzau
Wir mögen Dich so wie Du bist
Stärken stärken und Schwächen schwächen in der Gemeinschaft
184 S., Br., € 21,00
978-3-85165-886-6
Anhand einer Systematik der Institution Internat wird in dem Buch herausgearbeitet, dass Erziehung und schulisches Lernen in umfassenden sozialen Systemen stattfinden und entsprechend analysiert und erprobt werden müssen. Das Internat als soziales Miniaturabbild einer Gesellschaft bietet sich dabei als idealer Experimentierraum an. Der Mythos Internat präsentiert bereits die wichtigsten Antworten einer exzellenten Internatserziehung und deren Umsetzung im Rahmen der Rohlstorfer Internatspädagogik zeigt eindrucksvoll auf, wie Jugendliche ihre Schulkarrieren erfolgreich angehen. Annette von Rantzau beschreibt, wie ihr integrativer Ansatz den modernen Erkenntnissen der Lernwissenschaft, Neurowissenschaft und Psychologie verpflichtet ist und in die pädagogische Welt des Rohlstorfer Internates transferiert wurde. Eine exzellente Anregung für alle, die sich mit Kompetenzlernen und ganzheitlicher Persönlichkeitsentwicklung von Schülern und Jugendlichen auseinandersetzen wollen. Annette von Rantzau hat in Bildungskommissionen mitgearbeitet, ist Mitglied im Integrationsbeirat des Hamburger Senates und Vizepräsidentin des Hamburger Roten Kreuzes. Sie leitet seit 2003 das Internat Schloss Rohlstorf.![]()
Franzobel
Lady Di oder Die Königin der Herzen
Eine Farce vom Begehren
96 Seiten, zahlreiche SW-Abb., Brosch., € 12,90
978-3-85165-832-3
Mit Lady Di oder Die Königin der Herzen gedenkt Franzobel zum zehnten Todestag der berühmtesten Prinzessin der Welt:eine Küchen-Kabinett-Farce. Ein Fleischermeister, eine Frauenklinik und ein Partyservice als Materialsponsoren für ein Theaterstück – das deutet auf deftige Kost hin. Tatsächlich wäre Ihre Majestät The Queen mit Sicherheit „not amused“ über solche Dezennien-Hommagen, selbst wenn sie Lady Diana zu Lebzeiten und vielleicht auch noch danach am liebsten zum Teufel gewünscht hätte.
Das Gespenst ist nun in großteils spritziger Textform auf- und als Bühnenstück gleich wieder abgetaucht: in die unterirdische Küche des Buckingham Palace. Dort, wo die unsichtbaren Küchengeister Schwäne ausnehmen, Aale häuten, Fleisch hacken und Würste aus der Selchkammer holen. Bevor sie auf Silber in königlichen Mäulern verschwinden, entfaltet Franzobel Parallelwelten. Das Küchenpersonal ist nämlich identisch mit der Royal Family und kocht die Geschichte von Charles, Diana, Camilla & Co aus seiner Sicht frisch, deftig, aber keineswegs nur an der Oberfläche, neu auf. Es gibt viele Zoten und starke Bilder; aber auch Liebe, Begehren und Einsamkeit – solches geht schon an den Topfboden der Existenz.![]()
Franzobel, geboren 1967 in Vöcklabruck, lebt als freischaffender Fahrradfahrer in Wien und betätigt sich gelegentlich auch als Autor von Romanen, Erzählungen, Gedichten, Theaterstücken und Essays.
Schnitzlers kritische Position zu den gesellschaftlichen Konflikten seiner Zeit:![]()
Jacques Le Rider
Arthur Schnitzler oder Die Wiener Belle Époque
2., überarbeitete Auflage
248 S., Br., € 28,00
978-3-85165-861-3
Arthur Schnitzler (1862-1931) war einer der herausragenden Vertreter und kritischen Interpreten der Wiener Moderne. Schon in seiner Zeit als Arzt betätigte er sich als Schriftsteller und widmete sich später ganz dem Schreiben. Schnitzler hat den psychologischen Roman gleichsam revolutioniert, so dass sein ebenfalls in Wien wirkender Zeitgenosse und Freund Sigmund Freud ihm schrieb, er betrachte ihn als seinen Doppelgänger. Immer wieder haben seine Novellen Kinoverfilmungen angeregt (zuletzt Stanley Kubricks Eyes Wide Shut), und seine Theaterstücke werden auch heute noch auf allen europäischen Bühnen gespielt. Als Wiener Jude wurde Schnitzler, der die Lebensbedingungen der Juden zur damaligen Zeit mit großer Sensibilität thematisierte, häufig zur Zielscheibe antisemitischer Angriffe.![]()
Jacques Le Rider ist Prof. a.d. Ecole practique des hautes études.
Passagen Forum![]()
Paul Virilio
Die Universität des Desasters
Übersetzt von Paul Maercker und herausgegeben von Peter Engelmann
160 S., Br., € 22,90
978-3-85165-867-5
Die Überlegungen seiner neuesten Essaysammlung führen Virilio zu einer fundierten Skepsis hinsichtlich Fortschritt und Wissenschaft. Er stellt den Umgang mit dem Wissen in Frage und fordert eine globale Risikoforschung, die kommende Megakatastrophen verhindern soll.
Ausgehend von Dutzenden den Medien entnommenen, konkreten Ereignissen kündigt Paul Virilio das kommende Risiko dessen an, was er den "vollständigen Unfall" nennt, das heißt eine Megakatastrophe, die in der Explosion der Atombombe, der Klimabombe, der demografischen Bombe und der Finanz-Bombe gipfelt. Die Zeit drängt also. Denn die fatale Konvergenz dieser Risiken rückt laut Virilio näher. Wie kann sie aufgehalten werden? Auf die Wissenschaft oder die Information zu setzen kann schwierig werden, denn "im Laufe des 20. Jahrhunderts hat die Militarisierung der Wissenschaft das Fachwissen suspekt gemacht, genauso wie die Entwicklung der Boulevardpresse im 19. Jahrhundert die öffentliche Information suspekt gemacht hat". Virilios Idee ist es, schnellstmöglich eine "Universität des vollendeten Desasters" ins Leben zu rufen, wo in neuen Disziplinen die großen Katastrophen analysiert werden sollen, um "die Zukunft davon abzubringen, sich zu ereignen".![]()
Paul Virilio wurde 1932 in Paris geboren. Er begründete die École d’architecture spéciale und lebt heute als Architekt, Stadtplaner und Schriftsteller in La Rochelle.
Passagen Forum![]()
Peter Eisenman
The Architecture of the Disaster
Übersetzt von Torben Lohmüller und herausgegeben von Peter Engelmann
120 S., Br., € 14,90
978-3-85165-599-5
"Was bedeutet Zerstörung für die Architektur?" fragt Peter Eisenman in einer kritischen Selbstanalyse. Er spannt den Bogen vom Turm zu Babel zum World Trade Center und deckt dabei die Passivität des gegenwärtigen Subjekts gegenüber dem Objekt – Architektur – auf.
Die Zerstörung des World Trade Center ist nicht bloß eine einzelne offensichtliche Katastrophe sondern ein Hinweis auf die Bedingung des Präsenzdenkens in der Architektur. Zwei Bücher sind bestimmend für diesen Essay und seine Einschätzung der scheinbar fatalen Verbindung von Architektur und Bildlichkeit: Maurice Blanchot's Die Schrift des Desasters spielt auf die Beziehung von Desaster und Präsenzdenken an, und Guy Debord, in Die Gesellschaft des Spektakels, bringt die Medien in Zusammenhang mit der Aufrechterhaltung der desaströsen Beziehung von Vision und Bedeutung. Die Verschmelzung von Abbild und Wirklichkeit scheint vollständig im digitalen Umfeld der heutigen Architektur, die abgedroschene Mythen reproduziert – die biologische Verknüpfung von Teil und Ganzem, die synthetische Vision von totaler Konstruktion und eindrucksvoller Zerstreuung hervorgerufen durch jedes neue Symbol. Schrift – in Derridas Sinn von Text und in Eisenmans Konzept von Architektur als Schrift – lockert die Starrheit im vermittelten Bild von Architektur.
Peter Eisenman, geboren 1932, lebt und arbeitet als Architekt in New York.
Passagen forum![]()
Jacques Derrida
Positionen
Gespräche mit Henri Ronse, Julia Kristeva, Jean-Louis Houdebine, Guy Scarpetta
Übersetzt von Dorothea Schmidt, Astrid Wintersberger
2., überarbeitete Auflage
178 S., Br., € 19,90
978-3-85165-852-1
In drei Gesprächen führt Jacques Derrida in sein philosophisches Denken ein. Die anlässlich des 21-jährigen Bestehens des Passagen Verlages im neuen Gewand herausgegebenen Texte geben Einblick in einen Arbeitsprozess und dokumentieren die Hintergründe, die Entstehung und die Entwicklung von zentralen philosophischen Gedanken Derridas.
Derridas Ansatz, über den Begriff der Schrift das sprachphilosophische Denken zu erneuern und die abendländische Metaphysik zu kritisieren, hat nichts von seiner Aktualität verloren. Er konnte sich als eines der wichtigsten Themen der internationalen philosophischen Diskussion etablieren, auch wenn sich die deutschsprachige Philosophie anfangs nur langsam darauf zu beziehen begann. Diese Verzögerung war ein merkwürdiges Phänomen, wenn man bedenkt, dass gerade Texte Nietzsches, Husserls und Heideggers wichtige Ausgangspunkte für Derridas Philosophie waren. Mittlerweile ist aber ein internationaler Einfluss Derridas in verschiedenen sozialwissenschaftlichen, kulturwissenschaftlichen und literaturwissenschaftlichen Theorien zu spüren.
Jacques Derrida (1930-2004) lehrte Philosophie in Paris und den USA.
Passagen Thema![]()
"Dies ist kein Gottesstaat!"
Terrorismus und Rechtsstaat am Beispiel des Prozesses gegen Mohamed M. und Mona S.
Herausgegeben von Eva Pentz, Georg Prack, Thomas Schmidinger, Thomas Wittek
112 S., Br., € 14,90
978-3-85165-872-9
Die Qualität eines demokratischen Rechtsstaats zeigt sich in Zeiten des internationalen Terrorismus am Umgang mit den Bedrohungsszenarien, mit denen dieser sich konfrontiert sieht.
Für dieses Buch haben sich bewusst AutorInnen mit sehr unterschiedlichem wissenschaftlichem Hintergrund zusammengefunden, um den Fall von Mohamed M. und Mona S. – laut erstinstanzlichem Gericht "Mitglieder einer Terroristischen Vereinigung, nämlich der al-Qaida" – eingehend zu beleuchten. "Dies ist kein Gottesstaat!" soll auf die Notwendigkeit der Verteidigung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit vor Terrorismus und islamistischem Totalitarismus hinweisen und gleichzeitig die Gefahr einer Aushöhlung rechtsstaatlicher Prinzipien durch Formen der Terrorismusbekämpfung, die selbst Schritte in Richtung eines autoritären Überwachungsstaates setzen, darstellen.
Passagen Philosophie![]()
Elisabeth Schäfer
Die offene Seite der Schrift
J.D. und H.C. Côte à Côte
144 S., Br., € 14,90
978-3-85165-865-1
Körper und Schrift, die Dynamiken von Sinn und Zuschreibung geben der Philosophie von je her zu denken. Dieser Gabe geht Elisabeth Schäfer im vorliegenden Buch nach. Die Philosophie Jacques Derridas und Hélène Cixous einer korrespondierenden Lesart zuzuführen, ist dabei ihr Vorhaben.
Das Denken der Dekonstruktion eröffnet die Möglichkeit, die Impressionen körperlich archivierten Wissens explizit werden zu lassen. Es hält ein kreatives und produktives Moment bereit. Elisabeth Schäfer macht sich die dekonstruktive Geste zu Eigen, um Körper und Schrift und die Philosophie Jacques Derridas und Hélène Cixous wie Parallelen zu lesen: in Unendlichkeit aufeinanderbezogen und auf immer different.
Das Offene, das Derrida in der Schrift immer schon am Werk sieht, ist ein Moment, das mit Hélène Cixous am Ort ihres Denkens der Körper wiederzufinden ist. Die Schrift ist mit Cixous der Ort, an dem die Körper schreiben und sich von ihren eng definierten geschlechtlichen Grenzen befreien können. Dieses Moment der "offenen Seite der Schrift" ist der Ort, wo die Körper Eintritt in den Sinn gewinnen und der Sinn Einlass in die Körper hat.![]()
Elisabeth Schäfer, geboren 1979, studierte Philosophie in Würzburg und Wien.
Passagen Literatur![]()
Péter Zilahy
Der lange Weg nach Nebenan
Tragödie und Komödie in zwei Akten
Übersetzt von Agnes Relle
104 S., Br., € 13,90
978-3-85165-871-2
Der lange Weg nach Nebenan ist Tragödie und Komödie in einem. Mit schwarzem Humor bringt der Autor die brutale systematische Engstirnigkeit der osteuropäischen Diktaturen der Achtzigerjahre auf die Bühne, während eine wachsende Liebesgeschichte mit Irrtümern und Vorteilen kämpft.
Von Osten nach Osten zur Zeit des Eisernen Vorhangs fährt der Zug, in dem sich ein slowakisches Rockermädchen und ein junger Ungar treffen. Irrtümlicherweise hält sie ihn für einen Dänen und erklärt ihm, wie Osteuropa ist. Während der Reise über mehrere Grenzen hinweg und im Kampf mit den eigenen Vorurteilen entwickelt sich zwischen den beiden eine Liebesgeschichte. Vor dem Hintergrund der Diktaturen im Osteuropa der Achtzigerjahre, wo der Zweck immer die Mittel heiligt, sind Verfolgte und Verfolger gleichermaßen Opfer von Missverständnissen. Nichts ist was es scheint. Nur der Schein trügt nicht.
Péter Zilahy, geboren 1970 in Budapest, ist das Enfant terrible der neuen ungarischen Literatur. Als Schriftsteller und Performer überschreitet er Grenzen mit seinen Werken. Der lange Weg nach Nebenan wurde unter anderem an der Volksbühne Berlin, am Nationaltheater Weimar und im Theater Rampe in Stuttgart aufgeführt.
Passagen Kunst![]()
Gerhard Spring
Figur ohne Grund
Herausgegeben von Julius Deutschbauer
160 S., Br., € 15,90
978-3-85165-853-8
Gerhard Spring zitiert seinen Text gegen eine Interpretation, welche eine Figur immer schon aus einem Grund versteht, den "wir als Akteur oder Zuschauer" für unsere Handlungen haben und angeben könnten.
Der Text definiert seinen Autor als "Akteur", den interpretierenden Leser als "Zuschauer" und sich selbst als "Figur". Statt des Autors polemisiert der Text aus einem Grund, der niemandem "von uns" gehört. Auf die Frage "Wem dann?" antwortet er mit "der Geschichte".
Der Künstler Julius Deutschbauer ist mit vorliegendem Band zum Herausgeber mutiert. Im Zentrum steht dabei der polemische Text seines langjährigen Weggefährten Gerhard Spring. Diesen hat er mit einem ausführlichen Kommentar versehen. Auf diese Weise ist eine Art Resümee gezogen: über Karriere, Sprache und Gemeinsamkeit, Duo und Missverständnis, Kunst und Politik, Begleiter und Gegner. Unterm Strich ist so auch ein Text des Herausgebers entstanden, der über sich nichts duldet als eine Figur ohne Grund.![]()
Gerhard Spring, geboren 1962 in Scheibbs, Julius Deutschbauer, geboren 1961 in Klagenfurt, leben als Künstler in Wien. Von 2000 bis 2007 Auftritte als Duo „Deutschbauer / Spring“.
Passagen Politik![]()
Themen der Zeit II
Herausgegeben von Franz Vranitzky
440 S., Ln., € 48,00
978-3-85165-869-9
Nicht allein die Ökonomie und die Finanzwelt werden beleuchtet, vielmehr widmen sich die Autoren, dem Anliegen des Herausgebers entsprechend, den tiefgreifenden politischen und gesellschaftlichen Veränderungen der Rahmenbedingungen, innerhalb welcher nationale Grenzen – bei weitem noch nicht in den Köpfen aller – keine Rolle mehr spielen, Migration und Integration an vorderster Stelle der Bürgerwahrnehmung stehen, die Rechtsstaatlichkeit und das Menschenrecht vom sicherheitspolitischen Bekenntnis der Regierenden in Frage gestellt werden und so manchen anderen "Neuerungen". Dem Leser sei vorgeschlagen, sich ein Bild darüber zu machen, wie viel oder wie wenig sich in vierzehn Jahren verändert hat, um die Themen der Zeit wieder einmal zu hinterfragen und in ausgewogener Form zu diskutieren.
"Themen der Zeit I" entstand im Jahr 1994. Nachdenkliche und kompetente Menschen wollten ihre Leser einladen, sich auch ihre Köpfe zu zerbrechen über ihre eigene Zukunft und über die Zukunft der Gesellschaft, deren Substanz sie selbst sind. Jetzt haben wieder nachdenkliche Menschen zur Feder gegriffen und sich der Themen des schon längst in die denkenden Kinderjahre eingetretenen 21. Jahrhunderts angenommen.
Passagen XMedia![]()
Vintila Ivanceanu, Josef Schweikhardt
KKK
KunstKlangKrieg
160 S., Br., € 26,90
978-3-85165-857-6
Der Mythos göttlicher Wortherrschaft ist Archetyp im Rationalisierungswahn des Logos. Außereuropäische Weltbilder und moderne Urknall-Physik preisen ein ganz anderes Grundmuster: den Klang. Seine Allmacht erstreckt sich von schwingenden Strings zum digitalen Soundscape, von Militärmärschen bis hin zu Heavy Metal. Die metastatische Zivilisationsmaschine liefert einen Dauerkrieg: Konsonanz gegen Dissonanz, Dezibel gegen Stille, Höllenlärm gegen sphärische Engelsmusik, Musikavantgarde gegen die eingerosteten Orchesterheere der Tradition. Doch jenseits von symbolischer Gewalt tobt der reale Klangkrieg durch antike Lärmkanonen, durch Kampfgeheul, Explosionssymphonien von Bomben und durch die lautlose Apokalypse der Ultraschallwaffen. Es agieren aber auch globale Friedenstruppen: asiatische Klangheiler, moderne Tontherapeuten, esoterische Schwingungssanitäter. Und während draußen die HyperOhren der Teleskope das All abhören und die Medien ihre Geräuschmassen hochladen, erfüllt sich im zugeknallten Subjekt ein neues, körperliches Akustikschicksal: die Phonokratur.
Vintila IvanceanuJosef Schweikhardt
Vintila Ivanceanu, geboren 1940 in Bukarest, lebt als Schriftsteller, zeitweiliger Verleger, Theaterhörspielregisseur und als Autor kulturwissenschaftlicher Arbeiten in Wien.Josef Schweikhardt, Dr. phil., 1949 in Wien geboren, ist Autor, bildender Künstler und Medienforscher.
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Johanna Krafft-Krivanec
Wegmarken
Fremdheitserfahrungen in Distanz und Nähe
136 S., Br., € 16,90
978-3-85165-860-6
Fremdsein an einem Ort, in einer Zeit, in einer Sprache oder Kultur gehört zu den menschlichen Grunderfahrungen und stellt uns – als potentiell Fremde – vor die Alternative entweder mit allen verfügbaren intellektuellen und emotionalen Fähigkeiten Fremdheit zu überwinden oder, sei es aus Angst, sei es aus Überzeugung, Fremde, Außenstehende zu bleiben. Auch im Rahmen einer bestimmten Kultur beziehungsweise eines individuellen Lebensvollzugs kann Fremdheit gegenüber nahestehenden Personen oder als Entfremdung sich selbst gegenüber auftreten und zu Verhaltensweisen und Handlungen veranlassen, die sich der Erinnerung ganz oder teilweise verschließen. Vielleicht müssen wir, um dieses Fremde in uns selbst, die dunkle und dem rationalen Erkennen unzugängliche Seite unseres Wesens, freizulegen und unsere Fremdheitsängste zu überwinden, Geschichten erzählen, die mit Bildern und Symbolen wirken, jenen der Mythen und Märchen vergleichbar, die den Erzählschatz unserer Kindheit bildeten.
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Christiane Feuerstein
Altern im Stadtquartier
Formen und Räume im Wandel
160 S., Br., € 19,90
978-3-85165-855-2
Der soziodemographische Wandel der Gesellschaft erfordert im Umgang mit älteren Menschen neue architektonische Strategien und städtebauliche Konzepte. Christiane Feuerstein beschreibt die Wechselbeziehungen zwischen Alterskonzepten, Lebensformen und Organisationen im Bereich des Sozial- und Gesundheitswesens und den dazugehörigen architektonischen Typologien in ihrem historischen und städtischen Kontext. Im Wohlfahrtsstaat nach dem Zweiten Weltkrieg ersetzten die Pensionisten- und Pflegeheime die bis dahin bestehenden Armen- und Versorgungshäuser, die ihrerseits die mittelalterlichen Spitäler der Armen- und Krankenversorgung abgelöst hatten. In ihren unterschiedlichen Formen und Räumen reflektieren die Architektur und die städtebauliche Lage dieser Einrichtungen die sich wandelnde Einstellung der Gesellschaft zu der stetig wachsenden Bevölkerungsgruppe der älteren Menschen. Feuerstein geht von Veränderungen der Lebensformen und städtischen Alltagskulturen aus und zeigt in ihrem Buch Modellprojekte und neue Konzepte der räumlichen Organisation, die dazu beitragen, urbane Quartiere für alle Generationen attraktiv zu gestalten.
Christiane Feuerstein ist Architektin in Wien. Ihre Projekte bewegen sich zwischen architektonischer Praxis und wissenschaftlicher Forschung.
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Eva Pudil
Ästhetische Autonomisierung als biomorpher Prozess
152 S., Br., € 17,90
978-3-85165-863-7
Ausgehend von einer phänomenologischen Annäherung thematisiert die Autorin die existenziellen Prozesse, die schöpferisches Denken von einer singulären Position aus ermöglichen. Der ästhetische Autonomisierungsprozess führt den Künstler zu seiner unverwechselbaren künstlerischen Position. Durch die Auseinandersetzung der Künstlerin mit ihrem IndividuationsThema entsteht ein Problembewusstsein, das zu einem Bruch mit anerkannten und etablierten Sichtweisen führt. Der Künstler umkreist wiederholt aus unterschiedlichen Gesichtspunkten seine Themen und folgt dabei unbewussten Impulsen, die dem Denken in Gestalt von Problemen und Fragen erscheinen. Mehr oder weniger bewusst nimmt er oder sie den Faden dieser Fragen in unterschiedlichsten Lebensbereichen immer wieder neu auf. Denken und Sein erscheinen auf diese Weise nicht mehr als zwei voneinander getrennte Sphären. Es entsteht vielmehr eine mit existenziellen Fragen verflochtene Denkweise, die alles in ihren Bann zieht und auf ganz spezifische Weise verknüpft.
Eva Pudill, geboren 1973 in Wien, studierte Philosophie und Kunstgeschichte an der Universität Wien und arbeitet als freischaffende Fotografin.![]()
Sonja E. Keller
Sarah Fessel: Fun im öffentlichen Raum
200 S., Br., € 22,90
978-3-85165-859-0
Jeder Mensch ist bestens mit bestimmten Spielarten des Alltags vertraut und denkt zu wissen, was die Rede davon impliziert. Welcherart ist dann der Erkenntnisgewinn einer selbstreflexiven, kulturwissenschaftlichen Studie über den menschlichen Alltag? Fun im öffentlichen Raum ergründet die in solchen Untersuchungen gewöhnlich unerwähnten, vermeintlich banalen und vernachlässigbaren, die sozialen Beziehungen letztlich allerdings bestimmenden Szenerien, Handlungen und Gespräche und schildert so präzise die Problematik dichten Beschreibens. In einem kommentierenden zweiten Teil erfahren markante Aspekte eine Vertiefung. Performativ, analytisch, post-strukturalistisch erforscht Sarah Fessel: Fun im öffentlichen Raum aus verschiedenen Perspektiven die Bedeutung von Sprache und Fiktion für geisteswissenschaftliche Forschung.
Sonja Keller, geboren 1984 in der Schweiz, studierte Theologie und Philosophie in Basel und Berlin.![]()
Matthias Gaertner
Tod ist Undurchdringlichkeit
Vom Wesen des Menschen
112 S., Br., € 16,90
978-3-85165-856-9
Nicht nur das Leben der Menschen steht in Frage; sondern auch, ja weit mehr, das Wesen des Menschen – das DA-Sein im Sprechen, Denken, Sehen, Hören ... Sterben – gestiftet in frühgriechischer Antike durch die Erfahrung von Undurchdringlichkeiten; brüchig geworden im christlichen Versprechen eines Dahinter; ist es gefährdet, ja zerstört in den Durchbrüchen moderner Technik.
Dass es für Menschen immer wieder NICHT durchgeht z.B. zu den Toten, zu Tier und Pflanze, zur Nacht, vor allem aber zu den Göttern, denkt das Buch als Undurchdringlichkeiten – als Tode; und sucht sie als dasjenige zu erweisen, was das Wesen des Menschen stiftet. Überall, durch jede überlieferte Undurchdringlichkeit doch durch zu kommen, um jeden Preis, mit allen Mitteln durchzubrechen, ergibt sich als Bestimmung moderner Technik. Diese Durchbrüche haben die Wände des Wesens-Hauses durchbrochen und eine Verwüstung des Wesens des Menschen mit sich gebracht – und so stellt sich die Frage nach einer Zukunft des Wesens des Menschen.
Matthias Gaertner, geboren 1954 in München, lehrt Philosophie an Fachhochschulen und Volkshochschulen in München und Umgebung.![]()
Eduard Kaeser
Der Körper im Zeitalter seiner Entbehrlichkeit
Anthropologie in einer Welt der Geräte.
Essays
216 S., Br., € 24,00
978-3-85165-858-3
Geräte umgeben uns, Geräte fallen ein in uns. Die simulierten Welten, welche uns die neuen Technologien liefern, modulieren sich unseren althergebrachten Alltagswelten auf, transformieren sie. Herkömmliche Erfahrungsformen erodieren. Die materielle Welt als Inbegriff von direkt am eigenen Leib erfahrenen Menschen, Dingen, Ereignissen kommt uns in dem Maße abhanden, in dem wir sie uns gleichzeitig als immaterielle Information zu Gemüte führen. Das Gerät setzt sich in uns als Haltung fest und infiltriert unser soziales und geistiges Leben. Umso dringender stellt sich daher die Frage nach dem anthropologischen Ort unserer „guten alten“ Körperlichkeit in einem Kontext, der sie immer entbehrlicher zu machen scheint. Und als umso akuter erweist sich das Postulat: Der Materialismus ist ein Humanismus. Eduard Kaeser, geboren 1948 in Bern, ist Physiker und Philosoph. Er unterrichtet Physik und Mathematik am Gymnasium Olten, Schweiz. Daneben ist er als Publizist und Jazzmusiker tätig.![]()
Christina Schlatter-Gentinetta
Dissonanzen der Evidenz
Eine philosophische Anamnese der modernen Medizin
256 S., Br., € 29,00
978-3-85165-866-8
Durch rückhaltloses Denken in rücksichtsvoller Offenheit unterzieht die Gynäkologin Christina Schlatter-Gentinetta die moderne Medizin einer kritischen Reflexion. Mit dem Buch bahnt sie den Weg für eine Ethik, die bei der Begegnung zweier Menschen beginnt.
Mit der exponentiellen Wissenszunahme entsteht immer mehr Nichtwissen, mit zunehmender Dichte der Richtlinien zum ärztlichen Handeln verbreitet sich allerorts Unzuständigkeit. Wenn Ärzte zu unpersönlichen Leistungserbringern mutieren, bleibt die Patientin im klinischen Betrieb angewiesen auf ein Gesicht, dem sie vertrauen kann. Woran ist die Medizin erkrankt? Wie kann eine Ärztin heute Verantwortung übernehmen? Die Autorin nähert sich solchen Fragen, indem sie eine philosophische Anamnese der Medizin als soziales Phänomen unternimmt. Zahlreiche praktische Beispiele eröffnen die Schauplätze für Gedanken, die sich an zeitgemäßen theoretischen Texten von Lyotard, Luhmann, Fleck und Butler orientieren. In der gegenseitigen Wahrnehmung in unüberbrückbarer Differenz von Patientin und Ärztin ortet Schlatter-Gentinetta Ansätze für eine künftige Ethik der Ästhetik.
Christina Schlatter-Gentinetta, geboren 1968, lebt und arbeitet als Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe in Zürich.
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Gerhard Burda
Ethik
Raum – Gesetz – Begehren
152 S., Br., € 17,90
978-3-85165-850-7
Gerhard Burda untersucht Ethik als Urszene von Raum, Gesetz und Begehren und beschreibt den offenen Horizont des Ethischen als metaethisches Phänomen.
Gerhard Burdas Ethik fragt an der Schnittfläche von Philosophie und Psychoanalyse nach den Bindekräften der Ethik und damit nach der Bedingung ihrer Möglichkeit. Diese wird in der Urszene von Raum, Gesetz und Begehren und im offenen Horizont des Ethischen angegeben. Das Ethische wird als metaethisches Phänomen beschrieben. Mittels Begriffen wie Participation éthique, Dekonstitution, ethische Differenz usw. werden neue Beschreibungsformate erprobt. Der geschichtliche Bogen wird dabei vom frühen judäo-griechischen Denken über Platon, Aristoteles, Kant, Nietzsche und dem Panentheismus bis hin zum Kommunitarismus, zur Prozesstheologie und weiter zu Lacan, Lévinas, Derrida, Badiou und Žižek gespannt.![]()
Gerhard Burda ist Philosoph und Lehranalytiker in Wien.
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Antoine Derride SJ
Messiah
Eine Dekonstruktion christlicher Theologie
135 S., Br., € 16,90
978-3-85165-870-5
Die christliche Theologie erwartete die Wiederkunft des „Messias“, Jesu Christi, zum „Jüngsten Gericht“, zusammen mit dem Kommen des „Reichs Gottes“. Er kam, doch anders als erwartet. Er ist wieder da als ein Leser, durchaus nicht ausschließlich von „Heiliger Schrift“, und als ein bekennender Fan von Madonna. Er teilt Tisch und Bett mit Lourdes. Sie singen zusammen im selben Kirchenchor und beide lieben sie Filme. Er outet sich als ein Performance-Künstler und heimlicher Verehrer von Marina Abramovic. Ein eloquenter Ironiker! Das „Reich Gottes“ bringt er nicht, doch ein wenig mehr Gerechtigkeit. Wie? – Indem er einen Skandal als solchen benennt: Nachdem das christliche Abendland nämlich die Shoah schon nicht hatte verhindern können, versagte die christliche Theologie in der Folge des Holocaust dann endlich ganz, indem sie sich unfähig zeigte, die theoretischen Konsequenzen zu ziehen und sich selbst grundsätzlich in Frage zu stellen. Er nun, tut eben dies. Und außerdem bekennt er: Er habe sich in seinem Leben damals, vor rund zweitausend Jahren, geirrt.
Der Autor, Jahrgang 1953, lebt und arbeitet als Philosoph in Rom und Bern. Antoine Derride SJ ist ein Pseudonym.![]()
Bernd Bösel
Philosophie und Enthusiasmus
Studien zu einem umstrittenen Verhältnis
229 S., Br., € 26,00
978-3-85165-851-4
Von Platon einst als Grundbegriff etabliert, ist der Enthusiasmus aus der Philosophie fast verschwunden. Dieses Buch unternimmt eine Rehabilitierung des verdrängten Begriffs.
Die Geschichte dieser Verdrängung wird in zwei Anläufen nachgezeichnet. Einerseits hat der antike Melancholiediskurs den Enthusiasmus als Krankheitssymptom inkorporiert – eine Unterwerfung, die über die Renaissance bis in die Moderne (Heidegger) nachwirkt. Andererseits stand der Enthusiasmus im Widerstreit zum stoischen Gebot der Leidenschaftslosigkeit (apatheia). Das Idealbild des nüchternen Denkers diente in der Neuzeit nicht nur zur Konstitution der Naturwissenschaft (Bacon), sondern ebenso zur Diffamierung Andersdenkender (Locke). Mit Platon, Shaftesbury und Jaspers kommen nun drei prominente Befürworter des Enthusiasmus zu Wort. Ist die Philosophie gar als Kultivierung eines besonnenen Enthusiasmus zu verstehen?![]()
Bernd Bösel, geboren 1977 in Tulln, lebt als freier Philosoph und Supervisor in Wien.
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Kristóf Nyíri (ed.)
Integration and Ubiquity
Towards a Philosophy of Telecommunications Convergence
328 S., Br., € 39,90
978-3-85165-862-0
Mobile communications are rapidly merging with fixed-line telephony, the internet, and entertainment. Telecommunications convergence is a many-faceted process, creating radically novel and complex patterns of mediated culture, posing new challenges to the humanities.
While the triumphal march of mobile telephony continues – by 2008 more than half of the world‘s population had become mobile phone users – mobile communications are merging with fixed-line telephony, the internet, and entertainment. Telecommunications convergence is a many-faceted process, creating radically novel and complex patterns of mediated culture, posing new challenges to the humanities. The various dimensions of convergence – digital, technological, socio-cultural, linguistic; of content, devices, businesses, markets, even of scientific theories – do not fuse seamlessly. The volume contains papers by, among others, Mark Turner, Gerard Goggin, Zoltán Kövecses, Dieter Mersch, Alex Soojung-Kim Pang, and Anthony Townsend.
Kristóf Nyíri has published widely on the philosophy of communication, Wittgenstein, the philosophy of images, and the philosophy of time. He directs the interdisciplinary research programme Communications in the 21st Century, conducted jointly by the Hungarian Academy of Sciences and T-Mobile Hungary.
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Hélène Cixous
Benjamin nach Montaigne
Was man nicht sagen darf
Aus dem Französischen von Helmut Müller-Sievers
216 Seiten, Brosch., ca. € 24,90
978-3-85165-844-6
Von Osnabrück nach Paris nach Algerien nach Paris – und wieder zurück nach Osnabrück? Cixous erzählt die Exile und Fluchten ihrer deutschen Mutter und die Katastrophe einer unmöglichen Heimkehr. Anfang der 90er Jahre werden die Mutter und die Tante der Erzählerin – beide nunmehr über achtzig Jahre alt – von der Stadtverwaltung Osnabrück in ihre Geburtsstadt eingeladen. Sie gehören zu den letzten Überlebenden der ehemals florierenden jüdischen Gemeinde der Stadt, die nun einen Versuch der Wiedergutmachung unternimmt. Die Reise wird für die beiden Schwestern zur Katastrophe, deren Gewalt die Erinnerung an vormalige, nie besprochene Katastrophen losreißt. Hinter den Vertreibungen und Fluchten nach Paris, Oran, Birmingham und den unzähligen Reisen der Mutter kommt die Vertreibung des jungen Benjamin Jonas zum Vorschein, den die Familie schon zu Anfang des 20. Jahrhunderts wegen eines Vergehens aus ihrer Mitte verstoßen hatte. In dieser ‚Autobiografiktion’ erzählt Cixous die unmögliche Rückkehr der beiden Alten im Spiegel ihrer eigenen Erinnerung an die Jugend in Algerien und ihrer Lektüre der Reisebeschreibungen Michel de Montaignes; das Projekt der Aufzeichnung einer endlichen Erfahrung in einer unendlichen Familie wird zur Suche nach einem Schreiben „nach Montaigne”: kühn, weise, spekulativ und völlig weltlich.
Hélène Cixous, geboren 1937, lehrt an der Université Paris VIII. Sie ist die Autorin von über 40 Fiktionen, zehn Theaterstücken und eines umfangreichen essayistischen Werks![]()
Hermann Levin Goldschmidt
Edith Moos
Mein 1933
Hg. von Willi Goetschel
142 Seiten, 60 SW-Abb., Br., € 19,90
978-3-85165-833-0
Im Frühjahr jährt sich der Todestag des Philosophen und Schriftstellers Hermann Levin Goldschmidt zum zehnten Mal. Aus diesem Anlass erscheint dieser Band zum Gedenken, aber auch zur Einführung in sein kritisches Denken.
Mein 1933 ist der letzte Text, an dem Goldschmidt vor seinem Tod 1998 arbeitete. In kritisch selbstprüfender Weise stellt er in Form eines inneren Dialogs die Frage, ob und inwiefern er damals, 1933 und danach, richtig gehandelt hat und was er mit seinem der Vernichtung entrissenen Leben bezeugt. In Berlin geboren und aufgewachsen, hat Goldschmidt in den Dreißiger Jahren das Berliner Leben photographiert und in einem kleinen Fotoalbum "Mit der Leica unterwegs" festgehalten. Mit der Leica unterwegs stellt nicht nur ein eindrucksvoll „beredtes” zeithistorisches Dokument dar, sondern gewinnt im Kontext von Mein 1933 neue Bedeutung. Zusammengenommen bilden die beiden Werke einen großen Fotoessay im genuinen Sinn. Willi Goetschels Einleitung „Dialogik: Differenz und Alterität in Hermann Levin Goldschmidts Denken” führt in diesen Fotoessay und damit in das Werk Goldschmidts ein, dessen zukunftsweisender Ansatz nichts an seiner Aktualität verloren hat und dessen Vermächtnis kritischem Denken auch weiterhin eine befreiende Herausforderung darstellt.
Hermann Levin Goldschmidt (1914–1998) lebte nach seiner Emigration als freier Schriftsteller und Philosoph in Zürich. Von seiner Werkausgabe sind sieben Bände erschienen. Willi Goetschel ist Herausgeber der Werke von Goldschmidt. Er ist Professor für Deutsche Literatur und Philosophie an der University of Toronto.![]()
Walter Dostal
Von Mohammed bis al-Qaida
Einblicke in die Welt des Islam
248 Seiten. Zahlr. Abb., Brosch.€ 26,00
978-3-85165-849-1
Seit den Anschlägen auf das World Trade Center in New York beherrscht die Angst vor islamistischem Terror die westliche Welt – eine Angst, die die Grundlage tiefgreifender Einschnitte in die Demokratie ist.
Auf der Grundlage langjähriger Feldforschungen in Arabien liefert Dostal eine fundierte und kritische Untersuchung des Islam. In einer Analyse der gesellschaftlichen Verhältnisse der Qureisch – jenes Stammverbands, dem der Prophet angehörte – erklärt er die folgenreiche Spaltung der frühislamischen Gesellschaft in Omajaden und Abbasiden und die Gründe für das Aufkommen der Schi´a. Anhand einer Rekonstruktion des Weltbilds der aktiven islamistischen Terroristen analysiert Dostal die Kriegserklärung an den nicht-muslimischen Westen. Dass es aber auch eine innerislamische Ablehnung des Terrors gibt, beweisen Qadi al-Hitars Bemühungen um eine Wiedereingliederung ehemaliger jemenitischer Qaída-Kämpfer.
Walter Dostal war Professor für Ethnologie (Sozialanthropologie) in Bern und Wien. Gastprofessuren in Istanbul, Jiddah und Riyadh. Er ist Präsident der Österreichischen Orient-Gesellschaft Hammer-Purgstall und Mitglied der Akademie der Wissenschaften.
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Alexandra Reininghaus
Oskar Maurus Fontana
Wiener Feuilleton im Wechsel der österreichischen Geschichte
200 Seiten, Brosch, € 22,90
978-3-85165-841-5
Das über sechzigjährige kulturjournalistische Wirken Oskar Maurus Fontanas (1889–1969) ist eng mit den geschichtlichen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts verwoben. Alexandra Reininghaus zeichnet den publizistischen Werdegang Fontanas vor dem kulturellen und politischen Panorama seiner Zeit nach.
Das publizistische Schaffen Fontanas fällt in eine Phase einschneidender politischer Veränderungen. Das Ende der Pressefreiheit musste der Feuilletonist mit dem Einbruch der Herrschaft der Nationalsozialisten erfahren. Aus der vielfältigen Zeitschriftenkultur des Expressionismus herkommend, erlebte Fontana die Auswirkungen der gleichgeschalteten Presse. Erst nach dem Ende des Dritten Reichs bezog er vehement Stellung gegen die politische und kulturelle Unterdrückung in der NS-Zeit. Als Chefredakteur des Wiener Kuriers und Feuilletonist beteiligte sich Fontana am kulturellen Wiederaufbau der Zweiten Republik. Alexandra Reininghaus entwirft mit der Beschreibung des publizistischen Werdegangs Fontanas zugleich ein Panorama der kulturellen und politischen Entwicklungen im Österreich des frühen 20. Jahrhunderts. Methodisch bewegt sich die Autorin im Feld der historischen Kommunikator-Analyse und der biographischen Methode.![]()
Alexandra Reininghaus ist Kunstkritikerin, Kulturjournalistin und Kuratorin in Wien und seit 2005 Mitglied des European Cultural Parliament.
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Benno Hübner
Martin Heidegger – ein Seyns-Verrückter
160 Seiten., Brosch.,€ 16,90
978-3-85165-834-7
Schweigen, Widerstand, Ablehnung, „Boykott“ waren die überwiegenden Reaktionen auf Versuche, eine Kurzfassung der Nacht des Seins zur Diskussion zu stellen, ehe sie als Buch erschienen ist. Diese Reaktionen haben den Autor „genötigt“, wie Heidegger sagen würde, der Sache des Seins/Seyns noch einmal nach- und mehr auf den Grund zu gehen.
Wie kam Heidegger zu dem Seyn, warum war oder wurde ihm das Sein des Seyns – mit wenigen Ausnahmen – nicht frag-würdig, sondern nur der „Sinn des Seyns“ (Beiträge zur Philosophie), eine Frage, die das Sein des Seyns voraussetzt, soll sie überhaupt sinnvoll sein? Welche anthropologisch-persönlichen Voraussetzungen und geistesgeschichtlich-situationellen Umstände mussten gegeben sein, damit Heidegger sich aus der tiefen Langeweile (Die Grundbegriffe der Metaphysik) heraus jenen „Ruck“ gab, um ins Seyn zu „springen“ und fortan, verrückt durch das Seyn, das „Seiende im Ganzen“ „kehrig“, und das heißt verkehrt, von dem Seyn her zu denken? Die „Sorgfalt des Denkens ..., ob und wie das Sein ist“ (Heidegger) hat die These erneut bestätigt: Das Sein/Seyn ist nicht, genauso wenig wie „der letzte Gott“, „der ganz Andere gegen die Gewesenen, zumal gegen den christlichen“. Wenn aber das Seyn nicht ist, hat Heidegger sein Da-sein metaphysisch auf Nichts gebaut – nur um dem Nichts der existenziellen Langeweile zu entrinnen.![]()
Benno Hübner, ehemals Professor an der Universität Zaragoza, schreibt, reist und diskutiert weiterhin mit Studenten aus dem spanischen (Lateinamerika), vor allem aber aus dem russischen Sprachraum, wo zahlreiche seiner Schriften erschienen sind.
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Markus J. Prutsch
Fundamentalismus
Das „Projekt der Moderne“ und die Politisierung des Religiösen
Hg. von Michael Ley
2., unveränderte Auflage.
176 Seiten, Brosch, € 22,90
978-3-85165-847-7
In einer beeindruckenden tour d’horizon beschäftigt sich Markus J. Prutsch mit den gängigen Deutungen von Moderne und Fundamentalismus, um am Ende jene beiden Phänomene zusammenzuführen und Fundamentalismus als „moderne gegenmoderne Utopie“ zu deuten, die in der Tradition der politischen Totalitarismen des 20. Jahrhunderts steht.
Prutsch vertritt die These, dass der heutige Fundamentalismus ein „Kind der Moderne“ ist, ein „zivilisatorisches Phänomen“, das mit der inflationär gebrauchten Säkularisierungsthese nur eingeschränkt erklärt werden kann. Davon ausgehend arbeitet der Autor in kritischer Reflexion der bestehenden Forschung und unter bewusst kulturanthropologischer Perspektive den eminent politisch-ideologischen Charakter religiös-fundamentalistischer Bewegungen heraus. Wesentliche Merkmale dieser Bewegungen ergeben sich in scheinbar paradoxer Weise aus der Bereitstellung jakobinischen beziehungsweise „totalistischen“ Potentials durch die „Großen Revolutionen“ sowie deren totalitären Nachfolgeregime als Ausdrucksformen radikaler innerweltlicher Gnosis. Fundamentalismus erscheint im Ergebnis letztlich als höchst ambivalentes Phänomen, als „moderner Antimodernismus“, der nach den Politischen Religionen des 20. Jahrhunderts als zweite „totale Auflehnung“ gegen die Zerstörung des „kosmologischen Mythos“ gedeutet werden will.![]()
Markus J. Prutsch, geboren 1981, Historiker und Politologe, ist gegenwärtig Forschungsstipendiat am European University Institute in Florenz.
Passagen forum: Das zentrale Werk des französischen Philosophen![]()
Jean-François Lyotard
Der Enthusiasmus
Kants Kritik der Geschichte
Aus dem Französischen von Christine Pries
2., veränderte Auflage.
120 Seiten, Brosch., € 15,90
978-3-85165-839-2
Im Enthusiasmus untersucht Lyotard die Übergangsmöglichkeiten von der Ideenwelt zur Realität für das besonders brisante Feld des Politischen. Er zeigt die Möglichkeiten und Grenzen, Parallelen zu Kant zu ziehen, um dem Politischen heute innerhalb der viel zitierten „postmodernen Erschlaffung“ neue Anstöße zu verleihen.
Kant, der Philosoph der Aufklärung, ein Vorläufer der Postmoderne? Provokanter könnte Jean-François Lyotard seine Kritik einer Aufklärung und verengten Vernunftphilosophie, die ihr eigenes Erbe vergessen hat, nicht formulieren. Nach der Postmoderne für Kinder gibt der Begründer der Postmoderne-Diskussion in der Philosophie hier eine zweite, wichtige Klärung und entscheidende Begründung seines Postmoderne-Begriffs. Dieser bedeutet nicht Irrationalismus oder Verantwortungslosigkeit, sondern geht im Gegenteil auf den Ursprung der modernen Aufklärung und Vernunftphilosophie zurück, nimmt ihn ernst und entwickelt ihn zu einem unserer Zeit gemäßen und unsere Erfahrungen berücksichtigenden Vernunft- und Verantwortungsdenken weiter.
Jean-François Lyotard (1924–1998) lehrte Philosophie in Paris und Amerika.
Passagen forum:![]()
Sarah Kofman
Schreiben wie eine Katze
Zu E.T.A. Hoffmanns „Lebens-Ansichten des Katers Murr“
Aus dem Französischen von Monika Buchgeister und Hans-Walter Schmidt
2., veränderte Auflage.
136 Seiten, Brosch., € 15,90
978-3-85165-837-8
Mit Schreiben wie eine Katze führte die Edition Passagen einst das Werk Sarah Kofmans in den deutschen Sprachraum ein. In einer Neuauflage erinnert der Passagen Verlag nun an das eng mit Jacques Derrida verbundene Schaffen der 1994 verstorbenen Philosophin.
Sarah Kofman ist zum Kreis um Jacques Derrida zu rechnen und lehrte in Paris Philosophie. Ihr Buch macht deutlich, dass Derridas philosophische Arbeiten auch für die Literaturwissenschaft wichtige Impulse gegeben haben. Wie Sarah Kofmans Analyse zeigt, ist Derridas Begriff der Schrift geeignet, die in der Literaturwissenschaft unbefragt üblichen Kategorien „Werk“ und „Autorschaft“ zu analysieren und in Frage zu stellen. Im gleichen Maße, wie Kater Murr versucht, durch die Herstellung einer Autobiographie in der Schrift ein Selbst zu konstituieren, verliert er seine Souveränität, büßt eine authentische Identität ein und verliert sich in der Schrift, dem Medium der Wiederholung und Enteignung.
Sarah Kofman (1934–1994) lehrte Philosophie in Paris.
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Frank-Christian Hansel
Dialektik der Abklärung
Grundrisse einer Nachkritischen Theorie. Band I
136 Seiten., Leinen geb. mit Schutzumschlag, € 14,90
978-3-85165-788-3
Das Buch unternimmt in vier Essays den Versuch, im Wege der theoretischen Rückabwicklung der übersteigerten Moderne, die vor dem Hintergrund des epochalen Scheiterns des Sozialismus unabwendbar geworden ist, kritisches Denken neu zu verorten und Aufklärung philosophisch, ökonomie- und gesellschaftstheoretisch umzudeuten.
Nach dem Modern der Moderne ist durch eine Rücknahme des Projektimpetus der Aufklärung das Denken nach Hegel neu zu konfigurieren. Dies führt zu einem Max Stirner revisited. Er entpuppt sich als Denker der Umwertung aller Werte, der Nietzsches „Gott ist tot“ und Heideggers Analytik des „Daseins“ radikal vorwegnimmt. Sein Generalangriff auf die abendländische Ideo-Logik entwirft das Postulat des Freiseins für die Freiheit des Sich-selbst-Wählens und -Ergreifens. Wo mit Hegel der Diskurs der Moderne beginnt, der von Marx und anderen durch ihr Praktischwerden überboten wird, ist Stirner der erste Nach- Moderne und kann erst heute als dieser verstanden werden. Die Depotenzierung Marxens erzwingt einen theoretischen Neustart der politischen Ökonomie, deren Neubestimmung mit der von Gunnar Heinsohn und Otto Steiger entwickelten Eigentumsökonomik einsetzt. Ihre gesellschaftstheoretischen Folgen erlauben eine neue Einsicht in die Machbarkeit von Gerechtigkeit in einer freien Gesellschaft.
Frank-Christian Hansel, geboren 1964 in Wiesbaden, Privatgelehrter, studierte Politische Wissenschaften, Philosophie und Lateinamerikanistik in München und Berlin, arbeitet als strategischer Unternehmensberater und lebt in Berlin.
Passagen Kunst![]()
Die ästhetische Gnosis der Moderne
Hg.: Leander Kaiser, Michael Ley
Mit Beiträgen vonBrigitte Borchhardt-Birbaumer, Bazon Brock, Christian Demandt,
Ruth Heidrich-Blaha, Leander Kaiser , Vera Koubowetz, Michael Ley, Franz Smola und Werner Telesko
184 S.. Zahlr. Abb., Brosch., € 21,00
978-3-85165-836-1
Die Beiträge dieses Buches stellen die Frage, ob die Kunst der „klassischen Moderne“ des 20. Jahrhunderts als irrationalistische religiöse Bewegung gegen die Moderne zu verstehen ist oder sogar eine Wiederkehr spätantiker gnostischer Weltverneinung darstellt.
Dass im 20. Jahrhundert Künstler ihre Werke nicht nur in den Dienst religiöser und politischer Heilslehren gestellt haben, sondern sich selbst als Propheten und Heilsbringer verstanden haben, ist bekannt. Mit der Fragestellung, inwieweit die ästhetische Bewegung der Moderne selbst als eine religiöse oder, genauer, als eine gnostisch-häretische Bewegung zu betrachten ist, geht der vorliegende Band über die bekannten Befunde hinaus. Damit verschiebt sich die Diskussion von der historischen Verstricktheit der einzelnen Künstler hin zu einer grundsätzlicheren Ebene, in der epochale Fragen zur Debatte stehen.
Im zweiten Teil des Bandes verbindet sich diese Fragestellung mit neuen Untersuchungen zur Wiener Moderne um 1900. Im Werk und Denken von vier Protagonisten – Klimt, Schiele, Schönberg, Riegl – zeigt sich die religiöse Krise der Zeit und die Tendenz zu gnostischen, esoterischen und rassistischen Ideen.![]()
Katharina Bahlmann
Können Kunstwerke ein Antlitz haben?
200 Seiten, Brosch.€ 19,90
978-3-85165-830-9
Hinter der Frage nach dem Antlitz von Kunst verbirgt sich das Vorhaben, die Berührung von ethischem und ästhetischem Diskurs zu erkunden. Ausgangspunkt der Überlegungen stellen Levinas’ Ethik des Antlitzes sowie Lyotards Ästhetik des Erhabenen dar. Angesichts der Tatsache, dass jegliche Herleitung der Ethik aus höheren Prinzipien fraglich geworden ist, wendet sich Emmanuel Levinas in seiner Philosophie dem Aufkommen von Moral in der Welt zu. Indem er die Ethik an die sinnliche Begegnung mit dem Anderen bindet, öffnet er den ethischen Diskurs für die Frage der Wahrnehmung und folglich die Ästhetik im eigentlichen Sinne des Wortes. Levinas’ Ethik des Antlitzes bietet sich somit in ausgezeichneter Weise dem ästhetischen Diskurs an und lädt dazu ein, wie Jean-François Lyotard in seiner Ästhetik des Erhabenen, anders herum die Frage der Ethik auf ästhetischem Gebiet zu verhandeln. Eine gemeinsame Lektüre von Levinas’ Ethik und Lyotards Ästhetik legt nahe, dass die Kunst eine Begegnung mit dem Anderen verspricht. Ihre Konkretion erfahren die Ausführungen anhand der Gemälde des amerikanischen Expressionisten Barnett Newman.
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Thomas Rösch
Kunst und Dekonstruktion
Serielle Ästhetik in den Texten von Jacques Derrida
792 Seiten, Brosch., € 80,00
978-3-85165-842-2
Die „serielle Ästhetik“ in Derridas Texten zeigt, dass im Gegensatz zu den Postulaten ästhetischer Theorien seit Kant die Künste nicht einem Bereich eines desinteressierten Wissens zugeordnet werden können, der von den normativen und ethischen Postulaten des wissenschaftlichen Diskurses losgelöst ist.
In seinen Schriften zur Kunst und Literatur, deren quasiliterarischen Stilpluralismus er aus der Intertextualität der Lyrik Stéphane Mallarmés ableitet, entwickelt Jacques Derrida ein von der philosophischen Dekonstruktion zu unterscheidendes analytisches Verfahren.
Die „serielle Ästhetik“ bildet das praktische Instrumentarium für neue Synthesen der Kunstrezeption und -produktion und fordert eine Neueinschätzung traditioneller literatur- bzw. kunsttheoretischer Maximen. Der Kunsterfahrung wird ein Status zugewiesen, der sich nicht unter theoretische Begrifflichkeiten subsumieren lässt. Weder Ästhetik im traditionellen Sinn noch Anti-Ästhetik, stellt die „serielle Ästhetik“ jenseits normativ interpretativer Deutungsraster und begrifflicher Determinierung die Frage nach den Bezügen der ästhetischen Erfahrung zum Nicht-Ästhetischen im Allgemeinen, das heißt zu Politik, Philosophie oder Geschichte. Derridas Textpraxis führt zu einer Verlagerung der Betrachtung visueller Kunstwerke. Die Kategorie des individuellen Kunstwerkes wird nicht länger als Form einer selbstreflexiven Entität erfahrbar, sondern ist eingebunden in eine serielle Struktur.
Thomas Rösch, geboren 1957, studierte Kunstgeschichte und Linguistik an der Akademie der bildenden Künste in Stuttgart und lebt in Frankfurt am Main.
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Luisa Paumann
Vom Offenen in der Architektur
255 Seiten. Zahlreiche Farbabb., Brosch., € 30,90
978-3-85165-840-8
Verfügt „lebendige“ Architektur über eine auratische Qualität, ein „Mehr“, welches nicht allein ihrer Form zuordenbar ist, so geht Luisa Paumann der Frage nach, inwieweit diese immateriellen, ontologisch begründeten Eigenschaften des Raums mit dem zeitgenössischen Architekturschaffen in ursächlichem Zusammenhang stehen. Architektur – ob ikonischer Starchitect-Megabau oder anonymer Freizeittempel – ist heute zusehends aufgeladen mit Zeichen und Formen, die sich im Wettbewerb um Aufmerksamkeit zur spektakulären Ästhetik verknüpfen. Architekturtheorie, Philosophie, jüngere Kunst- und Baugeschichte durchstreifend stellt die Autorin dar, dass solche Architekturen etwas verheißen, das sie nicht einlösen: Nur oberflächlich menschliche/individuelle Bedürfnisse befriedigend, verbergen sie vielmehr einen Mangel, nämlich die radikale Beziehungslosigkeit zu jenem „Offenen“, das als immaterieller Modus des Raums wahre Kreation erst ermöglicht. Um diesem Offenen – das Luisa Paumann durch zeitgenössische Architektur nicht kommuniziert, sondern ersetzt und fetischisiert sieht – auf die Spur zu kommen, wird ein Modell entwickelt: Dieses erlaubt erstmals den Anteil desselben an der Erzeugung von Orten freizulegen – um zugleich auch in die Diskussion um die Krise der Architektur konstruktiv einzugreifen, statt unausweichlich bei der Korrektur der Form stehen zu bleiben.
Luisa Paumann, geboren 1969, ist Architektin und Theoretikerin und lebt in Wien.
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Ulf Jonak
Arche_tektur
Getarnte Häuser oder
Vom auffälligen Leben im Geheimen
208 Seiten. Zahlr. Abb., Br.,€ 27,90
978-3-85165-835-4
Die Zahl der Architekten wächst, die aufgrund der Unruhe, die in der Welt ist, eine „architecture parlante“ der Abwehr ersinnen. Unterschiedlichste Projekte sprechen von der globalen ‚Gewitterstimmung’, die es zu ertragen gilt. Die luftigen Utopien sind verweht, der Rückzug in komfortable Sicherheitstrakte wird vorbereitet.
Wie alle Künste spiegelt auch Architektur die Gesellschaft wider, in der sie entsteht. Arche_tektur schlägt einen Bogen von der frühen Moderne bis ins 21. Jahrhundert. Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat die Zahl der demonstrativ gepanzerten Häuser zugenommen: Gehäuse voller Geheimnisse, von der Psyche ihrer Erbauer oder Bewohner geprägt. Wenn sich die Bewohner der abgeschotteten Häuser inwendig nach und nach heimisch fühlen, dann schaffen sie sich ihre ‚Wunderkammern’, die im Laufe der Jahre zu Zeitkapseln werden, zu Archen der brauchbaren oder lieb gewordenen Dinge. Kapselbauten, die auf eine scheinbar unaufhaltsam sich nähernde unsichere Zukunft verweisen.
Ulf Jonak, geboren 1940 in Köslin, ist Professor für „Gestaltung“ und „Architekturtheorie“ an der Universität Siegen. Er hat mehrere Bücher und zahlreiche Aufsätze zur Architekturtheorie veröffentlicht.![]()
Franzobel
Hans Moser oder die Passion des Wochenend-Wohnzimmergottes
120 S., Br., € 14,00
978-3-85165-831-6
Hans Moser, dieser Wiener Charlie Chaplin, Volksschauspieler schlechthin, brachte wie kein anderer den typischen Österreicher zum Ausdruck. Mit seiner kauzigen Art, seinem watschelnden Gang, seinem G’schau und dem berühmten Nuscheln verkörperte er den hierzulande gängigen Eigensinn, die unbestechliche Souveränität des kleinen Mannes.
Für Franzobel ist Hans Moser, diese große Kunstfigur des Raunzens, aber auch ein Wiener Bruder Gustav Gründgens‘, ein Mephisto. Die Nazizeit brachte ihn, den Unpolitischen, steil nach oben. Er wurde bestverdienender Schauspieler, musste aber damit fertig werden, dass seine geliebte jüdische Frau nach Budapest und seine Tochter nach Buenos Aires flüchten mussten. Er hatte enormen Erfolg, wurde von den Massen geliebt, verkörperte das minimal widerständige Österreich und war doch einsam und unglücklich.
Franzobel sieht in Hans Moser eine große Kulminationsfigur des 20. Jahrhunderts. An ihm lassen sich Hoffnungen und Ängste, Couragiertheit und Durchlavieren zeigen, Macht und Ohnmacht des Einzelnen in den Mühlen der Geschichte. So wie er die kleinen Spielräume seiner festgeschriebenen Rollen nutzte, extemporierte, ist er noch immer Sinnbild für die Freiheit auf österreichisch.Im Passagen Verlag erschienen von Franzobel:
Mayerling (978-3-85165-514-8)
Mozarts Vision (978-3-85165-611-4)
Der Narrenturm (978-3-85165-660-2)
Wir wollen den Messias jetzt oder Die beschleunigte Familie (978-3-85165-707-4)
Passagen DVD-Buch![]()
Philosophy On Stage
GRENZ-film, granzer & böhler (Hg.)
Doppel-DVD, ca. 9 Stunden, PAL, Deutsch, € 24,90
978-3-85165-827-9
Gesten des Denkens: Wissen wir überhaupt, was ein Körper vermöchte (Spinoza) – was er de facto zu denken vermöchte (Nancy) – wenn ihm von der Macht des herrschenden Diskurses (Foucault) – einst die Erlaubnis gegeben würde (Butler) – sich selbst diesseits der Norm asketischer Ideale denkerisch äußeren zu dürfen (Nietzsche)?
Das DVD-Buch Philosophy On Stage stellt Vorträge und Lecture- Performances von namhaften Autorinnen und Autoren an der Schnittstelle von Philosophie und Kunst vor, die die Theatralität des Denkens in ihrem Denken thematisieren. PhilosophInnen: Hans-Dieter Bahr, Anette Baldauf, Arno Böhler, Andrea B. Braidt, Oya Erdogan, Volker Gerhardt, Robin Kelley, Sybille Krämer, Krassimira Kruschkova, Hans Thies Lehmann, Dieter Mersch, Laurence A. Rickels, Elisabeth von Samsonow, Georg Christoph Tholen, Eva Waniek, Michael Wetzel. KünstlerInnen: Alfred Bast, Milli Bitterli, Chor Max Reinhardt Seminar, Hubertus Petroll, Werner Dafeldecker, Susanne Granzer, Philipp Hauß, Hans Hoffer, Saskia Hölbling, Flip Philipp, Patrick Pulsinger, Aras Özgün, Elisabeth Schweeger, Paul Skrepek.
Susanne Granzer promovierte in Philosophie und hat den Lehrstuhl für Rollengestaltung am Max Reinhard Seminar Wien inne. 1997 gründete sie gemeinsam mit
Arno Böhler die wiener kulturwerkstatt GRENZ-film. Arno Böhler ist Universitätsdozent am Philosophischen Institut der Universität Wien und Leiter des FWF-Forschungsprojektes „Materialität und Zeitlichkeit performativer Sprech-Akte“.
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Marie Luise Wandruszka
Marie von Ebner-Eschenbach
Erzählerin aus politischer Leidenschaft
139 Seiten, Brosch, € 16,90
978-3-85165-845-3
Anhand der Untersuchung von Marie von Ebner-Eschenbachs ‚Werkstatt‘, einiger bevorzugter Themen ihrer Werke und ihrer Wahlverwandtschaft mit Hannah Arendt, stellt Wandruszka die Aktualität dieser politischen Erzählerin dar.
Ein „verstehendes Herz“ – nach Hannah Arendt unser einziger innerer Kompass, um uns in der Welt zu orientieren, um „Zeitgenossen“ zu sein – war Marie von Ebner-Eschenbach (1830–1916) mitgegeben. Schreiben wurde für sie zur tagtäglichen Notwendigkeit, um die Konflikte zwischen Männern und Frauen der verschiedensten Kreise – Adel, Landbevölkerung, Handwerkerund Dienerschaft, sowie Wiener Bürgertum – zu reflektieren. Sie stellte sich vor, „was ohnehin geschieht“, und machte daraus eine Geschichte, die sie dann anderen, insbesondere einer regelrecht mitarbeitenden Freundin, zur Beurteilung vorlas. So entstanden Erzählungen, die uns, dank der Darstellung von Ungerechtigkeit, Gewalt und Dummheit, aber auch von positiv eingreifendem Handeln auf unsere heutige, nicht minder im Argen liegende Welt verweisen.![]()
Marie Luise Wandruszka lehrt Germanistik an der Universität Bologna.
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Michaela Schweighart (Hg.)
Zonen
Fünf Essays zur Kritik des Lagers
Mit Beiträgen von Karl Bruckschwaiger, Ralf Rother, Elisabeth von Samsonow, Irina Sandomirskaja und Katherina Zakravsky
96 Seiten, Brosch, € 11,90
978-3-85165-843-9
Was kennzeichnet einen Ort, der außerhalb der normalen Ordnung bleibt und außerhalb des normalen Rechts stehend sein eigenes Recht erlässt? Was ist ein Lager/ein Camp? Worauf gründet das Lager der Moderne? Ist das Lager ein Modell einer jeden möglichen Politik? Was kennzeichnet einen Ort, der weder Welt noch Staat, weder Familie noch Stamm, weder Kollegenschaft noch Sorgebeziehung einschließt?
Was soll an einem ebenso temporären wie experimentellen Ort erfasst, ausgestellt und verborgen werden? Mit Gegenwartsbezug nimmt dieses Buch – im Dialog unter anderem mit Giorgio Agambens These von der Reduzierbarkeit des Menschen auf das „nackte Leben“ – in den Essays jeweils für sich selbst lesbar, doch einander antwortend die Bedeutungsdimension des Lagerphänomens in Zusammenhängen auf wie: die Stätte des Lagers als Konsequenz und Regulativ rechtsstaatlicher Ordnung, das heißt den Erhalt des Ausnahmezustandes durch Migration, Asyl und Exil; polizei-staatlicher Terror und Belagerungszonen; Doppelstrukturen des Rechts; Lager als soziales Dispositiv; Organisation der Fremdheit; Zonen als entortende Verortung; der Status/die Verwaltung des Subjekts; Mechanismen der Selbst- und Fremdeinschließung sowie De-Identifikationen und Fetischismen in campy performances.
Christian Krall-Wartlsteiner
Apriljahrsbucht 3: NUENO TAMBRA /Sinne mit Kopfschwanz
Der Tag im Büro war so jung, wie das Jausenbrot groß
224 Seiten. Zahlreiche SW-Abb. Brosch. € 24,90
978-3-85165-838-5
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State and Civil Society
Emil Brix, Jürgen Nautz, Rita Trattnigg, Werner Wutscher (eds.)
256 S., Brosch., € 28,90
978-3-85165-829-3
Passagen forum![]()
Garri Kasparow:
Russland nach Anna Politkowskaja.
Vorwort: André Glucksmann
107 S., Br., € 14,90
Am 7. Oktober 2006 fiel die russische Enthüllungsjournalistin Anna Politkowskaja einem Anschlag zum Opfer. In seiner Rede im Kreisky Forum am 26. April 2007 dieses Jahres würdigte Garri Kasparow ihre inspirative Arbeit und Zivilcourage. Neben dieser Rede liegen nun auch die Gründungsdokumente von Das Andere Russland sowie Putinocracy timeline als Zeitdokumente der aktuellen politischen Lage Russlands in deutscher Übersetzung vor.
In seiner ausführlichen Analyse des unter Wladimir Putin neu erstarkten russischen Polizeistaats fordert Kasparow nicht nur Russland, sondern auch die ausländischen Regierungen dazu auf, die betrügerische Selbstdarstellung des Präsidenten als demokratisches Oberhaupt zurückzuweisen, da der Staat unter der Oberfläche zur Gänze korrupt sei und alle Formen der Bürgerrechte systematisch zerstört würden. Kasparow berichtet von seiner eigenen letzten Verhaftung und der Brutalität der Polizei gegenüber friedlichen Versammlungen. Dabei stellt er auch das Vermächtnis des kürzlich verstorbenen Boris Jelzin infrage, dessen Schwäche zum Aufstieg der Diktatur des KGB beigetragen hat. Dennoch schließt Kasparow mit einem optimistischen Ausblick auf die russische Widerstandsbewegung und einem Appell an die ausländischen Regierungen, sich gegen Putin durchzusetzen.
Garri Kasparow, geboren 1963 in Aserbaidschan, ist ehemaliger Weltmeister im Schach und heute russischer Politiker. Er gründete unter anderem das oppositionelle Bündnis Das Andere Russland, welches zu den russischen Parlaments- und Präsidentenwahlen 2007/08 antritt.
Passagen Philosophie![]()
Jacques Lacan:
Die Übertragung
Das Seminar, Buch VIII
560 S., Ln., € 68,00
978-3-85165-817-0
Dies ist keine Einführung in die Technik der Psychoanalyse, sondern eine Reflexion ihrer Grundlagen, die bis zu Platons Gastmahl zurückverfolgt werden. Was Freud als „Übertragungsliebe“ behandelt, hat dort seine „Urszene“, die zudem generell das Verhältnis von Philosophie und Psychoanalyse bestimmt. Der Wettbewerb um die beste Lobrede auf die Liebe erhält seinen entscheidenden Dreh zunächst in der von Sokrates vorgetragenen Erkenntnis, dass die Liebe nicht durch Erfüllung, sondern durch Armut gekennzeichnet ist. Die Liebe wird vom Begehren getragen, was in der Schlusssequenz geradezu performativ verdeutlicht wird, in der sich der betrunkene Alkibiades als eifersüchtiger Liebhaber des Sokrates geriert, von diesem aber, der laut Lacan hier wie ein Analytiker agiert, enttäuscht und an seinen „wahren“ Geliebten Agathon verwiesen wird. Was die zeitgenössische Psychoanalyse unter dem Titel „Gegenübertragung“ als eine auszuräumende Störung behandelt, ist für Lacan als „Begehren des Analytikers“ konstitutive Bedingung für den psychoanalytischen Prozess. Die Konfiguration des Begehrens in einer Generation zeitigt schicksalhafte Konsequenzen in den folgenden, was mit Claudels Dramen gezeigt wird.
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Jacques Ranciere:
Das Unbehagen an der Ästhetik
157 S., Br., € 19,90
Damit es Kunst gibt, genügt es nicht, dass es Maler oder Musiker, Tänzer oder Schauspieler gibt. Damit es ästhetisches Empfinden gibt, genügt es nicht, dass wir Vergnügen daran finden, sie zu sehen oder zu hören. Damit es Kunst gibt, braucht es einen Blick und ein Denken, die sie identifizieren. Ästhetik ist der Name eines spezifischen Regimes der Identifizierung von Kunst.
Man klagte gestern die Ästhetik an, die kulturellen Spiele der gesellschaftlichen Unterscheidung zu verdecken. Man möchte heute die künstlerischen Praktiken von ihrem parasitären Diskurs befreien. Aber die Ästhetik ist kein Diskurs, sie ist ein historisches Regime der Identifizierung von Kunst. Dieses Regime ist paradox, denn es begründet gleichzeitig die Autonomie der Kunst und löst die Grenzen zu den Gegenständen des gewöhnlichen Lebens auf. In dieser unaufgelösten Spannung von zwei Politiken ist die Ästhetik nicht zufällig politisch, sondern ihrem Wesen nach. Diese konstitutive Spannung erlaubt zu verstehen, wie die Aufrufe, die Kunst von der Ästhetik zu befreien, heute dazu führen, sie mitsamt der Politik in ethischer Ununterschiedenheit zu ertränken.
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Paul Virilio:
Die Verblendung der Kunst
168S., Br., € 19,90
Paul Virilios letztes Buch ist ein Essay über die Blindheit: über den Verlust der „Kunst des Sehens“ im Blitzlicht der echtzeitlichen Telekommunikationstechnologien. Die Kunst muss sich auf ihre Materialität zurückbesinnen, wenn sie mit dieser Entwicklung nicht konform gehen will.
Das 20. Jahrhundert war vom Versuch totalitärer Gesellschaften gekennzeichnet, eine „panoptische Politik“ zu verwirklichen. Doch erst die globalitäre Gesellschaft des 21. Jahrhundert verfügt mit den neuen Telekommunikationstechnologien über die audiovisuellen Mittel dazu. Heute haben wir alles stets im Blick, haben alles immer schon gesehen. Objektiv ist diese Weltsicht allerdings nicht: sie ist teleobjektiv. Mit ihr verlieren wir den direkten Kontakt zu unserem Nächsten und verlernen, unsere unmittelbare Umwelt zu begreifen. Wenn die Beschleunigung der Echtzeit in ihrem Verlauf alles mit sich fortzureißen droht: Wie lässt sich dann im Realraum des Werkes verharren? Man muss sich entscheiden: zwischen einer teleoptischen Licht-Kunst und einer Kunst der Materie; zwischen der Trance und dem Taumel verzückter und verschreckter Massen und der Statik und Widerspenstigkeit der Materialien. Hier, und nirgendwo anders, entscheidet sich heute das Schicksal der politischen Ökonomie der Demokratie.
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Paul Virilio:
Panische Stadt
147 S., Br., € 19,90
Paul Virilio erzählt die tragische Geschichte unserer Städte: Waren sie einmal Herz der Zivilisation, so sind sie heute der
Schauplatz ihrer Zersetzung. Die offene Stadt, Kosmopolis, weicht der Klaustropolis.
In Panische Stadt führt Paul Virilio den Leser durch Paris – und erzählt dabei die Geschichte aller Städte; eine Geschichte, die sich allerdings als Tragödie erweist. War die Stadt einst Herz und Hoffnung der Zivilisation, so ist sie heute der Schauplatz von deren Zersetzung, Schauplatz kriegerischer und strategischer Auseinandersetzungen. Die jüngsten terroristischen Anschläge sind nur der sichtbarste Ausdruck dieses Wandels: Auch durch gated communities, bewehrte Shopping Malls, das
ausgedehnte Netz der Überwachung, die Privatisierung öffentlichen Raums und nicht zuletzt durch die Massenmedien,
die von geschürten Ängsten leben, werden die Städte nach der Logik der Panik rekonstruiert. Mit der neuen
metropolitischen Kampfzone werden wir Zeugen eines in seinen Konsequenzen noch längst nicht absehbaren
historischen Wandels: Die offene Stadt, Kosmopolis, weicht der Klaustropolis. Paul Virilio wurde 1932 in Paris
geboren. Er begründete die École d’architecture spéciale und lebt heute als Architekt, Stadtplaner und Schriftsteller in
La Rochelle.
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Stavros Arabatzis:
Ich suche Menschen
165 S., Br., € 19,90
Können wir in einem durchkapitalisierten, medialisierten Globo- Behälter noch mit der Masse als Matrix einer anderen Welt rechnen? Das ist die schlichte politisch-ästhetische Frage, die dieser Essay stellt. Billig ist ihr Anspruch nicht abzufertigen. Im Zeitalter der informellen Welt kann „der Mensch“ im Raum der Abstraktion nicht mehr gefunden werden, weil er sich in seinem dynamischen Globo-Behälter zunehmend verkleinert und darin die letzten Spuren seiner Materialität verwischt. Die Texte, die von dieser Spurlosigkeit berichten, kehren so immer wieder aus der Ferne des abstrakten Raums ins Konkrete zurück und fassen am Ausdruck des Menschen Fuß, um sich darin sinnlich auszudehnen und paradox zu entspannen. Damit deuten die Texte auf einen doppelten Sachverhalt hin: Sie zeigen einerseits die Chance einer anderen, entspannten Globalisierung, andererseits aber das große Risiko der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung: der unlebbare Raum der totalen Integration. Wie lange wollen also, so eine zentrale Frage dieser Fragmente, all diese vereinsamten Menschen in ihrem Globo-Behälter verbleiben? Stavros Arabatzis, geboren 1961, ist Philosoph und Künstler und habilitiert zur Zeit an der Bauhaus-Universität Weimar.
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Andrea Christoph-Gaugusch:
Philosophie eines Ungeborenen
101 S., Br., € 13,90
Philosophie eines Ungeborenen stellt eine radikale Rekonstruktion des Leiblichen vor und führt so zu einer Philosophie, die Sprache als primär verkörperte Sprache versteht. Eine Philosophie, die das Geistige nicht auf neuronale Prozesse reduziert, sondern als intersubjektives, verkörpertes Werden begreift.
Körper – Gehirne, Organe, Knochen und Drüsen, wir setzen sie als gegeben voraus. Hier scheint schon immer ein Subjekt vorhanden zu sein, ob es nun in eine bereits geformte Welt geworfen wird oder seine Welt laufend gestaltet. Diesen bereits geformten, bereits gewordenen Körpern wird das Ungeborene, das Ungeschaffene, das noch Ungemachte gegenübergestellt. So trifft das Dasein auf das Noch-nicht-Hiersein, trifft Voraussetzung auf Voraussetzungslosigkeit. Die Philosophie eines Ungeborenen lädt dazu ein, das subjektive Dasein zu rekonstruieren, wieder ungeboren, leer und nackt zu werden, die Menschwerdung bewusst zu verfolgen und sich seiner Voraussetzungen im Denken und Handeln bewusst zu werden.
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Jacques Derrida:
Die Wahrheit in der Malerei
2., durchgesehene Auflage.
465 S., Ln., € 50,00
Derridas Buch zur Malerei erschließt auch die Kunst für die Dekonstruktion. Ausgangspunkt ist das im Titel aufscheinende Zitat Cézannes: kein Urteil über die Malerei abgeben, sondern die Wahrheit in ihr, als Malerei, geben zu wollen. In diesem Sinne wendet sich Derrida gerade Fragen zu, die in klassischen ästhetischen Analysen als zweitrangig gelten.
Vier Beispiele charakterisieren diesen Rahmen: zwei theoretische, die ästhetischen Ansätze Kants und Heideggers, und zwei praktische, die Arbeiten Adamis und Titus-Carmels. Der abschließende Polylog über van Goghs Schuh-Bilder geht von Heideggers und Schapiros unterschiedlicher Deutung der Schuhe aus, um noch einmal die immer wiederkehrende Frage aufzuwerfen: Wie lässt sich die Wahrheit der Wahrheit anders als in der Malerei wiederherstellen?
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Performanzen des Nichttuns
Barbara Gronau, Alice Lagaay (Hg.)
200 S., Br., € 22,00
978-3-85165-812-5
Der Band widmet sich denjenigen Dimensionen des Performativen, die sich nicht als Aktivität, Machen und Herstellen beschreiben lassen, sondern in Formen des Nichttuns, des Unterlassens, des Schweigens oder der Askese in Erscheinung treten.
Im Zuge der so genannten „performativen Wende“ haben sich die Geisteswissenschaften auf die Aktivität, das Handeln, Machen und Herstellen konzentriert und den Menschen als homo creator in den Vordergrund gerückt. In Erweiterung dieser Perspektive lässt sich zeigen, dass nicht nur das Tun, sondern auch das Nichttun performativ wirksam werden kann. Das vorliegende Buch sucht durch die Zusammenführung von Beiträgen aus Philosophie, Mathematik, Kunst-, Theater- und Literaturwissenschaft ein zeitgenössisches Konzept des Nichttuns herauszukristallisieren, mit dem es gelingt, die performativen Dimensionen der Dialektik von Tun und Lassen, Vollzug und Erleiden, Aktivität und Passivität zu erfassen.
Die Herausgeberinnen Barbara Gronau und Alice Lagaay arbeiten als wissenschaftliche Mitarbeiterinnen am Sonderforschungsbereich „Kulturen des Performativen“ der Freien Universität Berlin.
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Komparative Philosophie der Gegenwart
Transkulturelles Denken im Zeitalter der Globalisierung
Hisaki Hashi, Werner Gabriel (Hg.)
124 S., Br., € 19,90
Das Denken ist selbst ein Teil des Handelns für die Integration von Theorie und Praxis. Der Denkende als Handelnder ist Mediator von Gegensätzen zur Integration der Kulturen und Wissenschaften. Transkulturelles Denken zielt darauf ab, das gegenseitige Verstehen zu fördern und Frieden im täglichen Leben zu stiften.
Von Autoren aus den USA, Europa und Japan stammen die Beiträge Religionswissenschaft von Buddhismus und Christentum, „vera minerva“ aus der Sicht der europäischen Philologie, Philosophen der Kyoto-Schule und ihre verborgene Konkurrenzsituation im Zwanzigsten Jahrhundert, Nietzsche und Taoismus und Grenzgebiete der Zen-Sprache und der formalen Logik.
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Zen und Tao
Hisaki Hashi, Werner Gabriel, Arne Haselbach (Hg.)
148 S., Br., € 19,90
Die wissenschaftliche Kommunikation der Kulturen von Ost und West steht am Anfang eines viel versprechenden Weges. Dank der Zusammenarbeit internationaler Autoren aus Europa und Japan wird ein vielfältiger Inhalt geboten: Zen und Husserl, Tuschmalerei von Zen und Taoismus, Sein und Nichts im Taoismus und Zen und Angelpunkte und Unterschiede von Zen-Buddhismus und Taoismus. Präsentiert wird eine transkulturelle Philosophie: Basierend auf einer stabilen Tradition eröffnet sich eine neue Dimension des meta-philosophischen Denkens. Dabei sieht sich der Denkende als Handelnder, der transkultureller Vermittler für die Integration verschiedener Denkweisen sein will.
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Mobile Studies: Paradigms and Perspectives
Kristöf Nyfri (ed.)
192 S., Br., € 23,90
Around the year 2000, a new research topic emerged in the social sciences and the humanities: mobile telephony. Drawing on earlier scholarship on the classic phone, the internet, and the information society, and applying the conceptual tools of communication theory, sociology, psychology, political science, etc., mobile telephone research began as, and continues to be, an interdisciplinary enterprise. Nonetheless, over the years an impressive array of paradigmatic research results has crystallized into what can be termed as the new discipline of Mobile Studies. Summarizing these results, the volume also opens up new perspectives on mobile telephony in the age of telecommunications convergence.
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Slavoj Žižek
Die Metastasen des Genießens
2., durchgesehene Auflage.
232 S., Br., € 26,00
3-85165-824-8
Der erste Teil der in diesem Band versammelten Essays kreist um die traumatische Konflikterfahrung des Genießens in der heutigen „allgemeinen Erniedrigung des Liebeslebens“ (Freud). Das Begehren, das eine Spalte in der Realität schafft, macht Žižek sich hier ebenso zum Thema wie die Darstellung der Frauenrolle von Otto Weiningers Geschlecht und Charakter bis zu David Lynchs Filmen und die Logik der Geschlechterdifferenz. Der zweite Teil des Buches hingegen behandelt das Genießen als politische-ideologische Kategorie: Das Über-Ich als das obszöne, genießerische Gesetz, welches das öffentliche Gesetz potenziert; die Weise, in der politische Gewalt in ihrer körperlichen Realität einen phantasmatischen Hintergrund impliziert, die Art, wie der Blick passiver Zeugen von Kriegsgräueln immer schuldig gemacht wird – von dem tatenlosen Blick des Vaters in Bosnien, welcher der Vergewaltigung seiner Tochter beiwohnt, bis zu dem unterschwelligen Rassismus des „aufgeklärten“ westlichen Blicks, der das exotische Barbarentum des Balkans bedauert.
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Slavoj Žižek
Denn sie wissen nicht, was sie tun
Genießen als ein politischer Faktor
Aus dem Englischen von Erik Michael Vogt
2., durchgesehene Auflage.
320 Seiten, Brosch., € 33,00
978-3-85165-846-0
Denn sie wissen nicht was sie tun ist die philosophisch-psychoanalytische Auseinandersetzung Slavoj Žižeks mit dem Genießen von „Populär-Kultur“. Dabei entlarvt der Autor das Genießen als politischen Faktor im ideologischen Diskurs. Die Hegelsche Dialektik, die Lacansche psychoanalytische Theorie und die zeitgenössische Ideologiekritik – diese drei Ringe bilden einen Borromäischen Knoten: Jeder von ihnen verknüpft die beiden anderen; der Ort, den sie alle umkreisen, das „Symptom“ in ihrer Mitte, ist das Genießen dessen, was man geringschätzig als „Populär-Kultur“ bezeichnet: Detektiv- und Horrorfilme, Hollywood-Dramen und so weiter. Es ist jedoch die Theorie von Jacques Lacan, die – um es dekonstruktivistisch zu formulieren – als Bestandteil des Buches dieses zugleich theoretisch einrahmt. Indem diese Analyse einen Bruch mit der Anerkennungslogik von theoretischer Arbeit vollzieht und diese durch den Prozess des Erkennens ersetzt, arbeitet es die Konturen einer Lacanschen Theorie der Ideologie heraus, die sich Schritt für Schritt, über immer neue Umwege, auf deren Hauptgegenstand – den Status des Genießens im ideologischen Diskurs – zubewegt, wobei es diese Begegnung immer wieder aufschiebt und so den Akzent allmählich von Hegel über Lacan hin zu den gegenwärtigen politisch-ideologischen Sackgassen verschiebt.![]()
Slavoj Žižek, geboren 1949 in Ljubljana, ist Philosoph und Psychoanalytiker.
Edition Passagen![]()
Jacques Derrida:
Schibboleth - Für Paul Celan
4., durchgesehene Auflage.
154 S., Br., € 18,00
Jacques Derrida folgt dem Wort Schibboleth in den Gedichten Paul Celans, um eine neue Antwort auf eine alte philosophische Frage zu finden: Was heißt datieren? Was ist ein Datum? Kann es den unwiederholbaren Augenblick festhalten, das Hier und das Jetzt? Datieren heißt, das Unwiederholbare zu wiederholen und so zugleich seine nicht-reduzierbare Einzelheit auszustreichen. Folgt aus dieser Einsicht aber unausweichlich der Vorrang des Allgemeinen in unserer Kultur – auf Kosten des Einzelnen? Mit seinem Buch für Paul Celan setzt Derrida seine Randgänge der Philosophie fort. Nicht die Literatur im Allgemeinen, wohl aber manche literarische Texte widersetzen sich den philosophischen Voraus-Setzungen, die unsere Kultur prägen. Die Arbeit mit ihnen ermöglicht, philosophische Grundfragen neu zu stellen und vielleicht anders zu beantworten als es im Inneren des philosophischen Diskurses möglich wäre.
Edition Passagen![]()
Sarah Kofman:
Melancholie der Kunst
3., durchgesehene Auflage.
112 S., Br., € 13,90
Wie kann man über Kunst sprechen? Die Pariser Philosophin Sarah Kofman, die selbst malte, versucht in vier Essays, eine neue Antwort auf diese Frage zu geben. Die Autorin, die zum Kreis um Jacques Derrida gehörte und zahlreiche Abhandlungen zu Themen der Ästhetik veröffentlicht hat, geht von Einsichten der Dekonstruktion aus. Sie sieht die Schwierigkeit, über Kunst zu sprechen, darin, dass das Figurative und unsere Sprache nicht zur gleichen Ordnung gehören. Über Malerei zu sprechen sei paradox, denn Kunst bestehe gerade darin, sichtbar und dadurch unbenennbar zu machen. In der Betrachtung von Bildern von Diderot und Balthus versucht Sarah Kofman, neue Möglichkeiten des Sprechens über Kunst zu entwickeln.
Edition Passagen![]()
Jean-Francois Lyotard:
Grabmal des Intellektuellen
2., durchgesehene Auflage.
86 S., Br., € 13,90
Lyotard versucht, Antworten auf die Fragen nach dem Status, der Rolle und der Funktion des Intellektuellen zu finden. Wie Michel Foucault geht auch Lyotard davon aus, dass sich der Intellektuelle heute nicht mehr mit universellen Subjekten identifizieren kann. Anders als viele kritische Intellektuelle in Deutschland betrachtet er den Zerfall der Idee der Universalität aber nicht als Katastrophe, sondern als eine Möglichkeit, sich von der Obsession der Totalität zu befreien und endlich zu einem neuen Selbstverständnis kritischer Intelligenz zu kommen. Zudem setzt sich Lyotard mit der „Lektion in Sachen Progressismus“ auseinander, die Habermas den französischen Philosophen glaubte erteilen zu müssen. Darin erweitert er seine Überlegungen zur Postmoderne um eine politische Dimension und stellt klar, dass der angebliche Neokonservatismus der französischen Philosophen eine Erfindung deutscher Theoretiker ist, die um ihr Kritikmonopol bangen.
Passagen Religion und Politik![]()
EricVoegelin:
Das Drama des Menschseins
120. S., Br., € 14,90
Basierend auf einem Vorlesungszyklus, den Eric Voegelin kurz zuvor an der Emory University in Atlanta, Georgia, gehalten hatte, begann er 1967 die Arbeiten an einem neuen Buch, das alle Züge eines letzten großen Alterswerkes zu tragen schien: The Drama of Humanity. Es wurde allerdings nie vollendet und gilt als verschollen. Nun liegt hier die erstmals ins Deutsche übertragene Urfassung vor.
Mit dem Buch verfolgte Voegelin einen doppelten Zweck: Zum einen sollte es eine systematische Geschichtsphilosophie werden, zum anderen eine abschließende Exposition der zentralen theoretischen Probleme, die seinem fünfbändigen Opus magnum Order and History inzwischen zugrunde lagen. Das zentrale Thema des Buches brachte Voegelin folgendermaßen zum Ausdruck: „Menschsein bedeutet einen Modus des Selbstverständnisses des Menschen in seiner Relation zu Gott, zur Welt und zur Gesellschaft sowie diese Modi in ihrer Veränderung. Geschichte wäre dann das Drama – falls sich ein Sinn darin entdecken lässt – dieses Menschseins.“ Eric Voegelin (1901–1985), bis 1938 Professor für Gesellschaftslehre und Allgemeine Staatslehre in Wien, lehrte nach seiner Flucht aus Österreich Politikwissenschaft an verschiedenen Universitäten in den USA und in Deutschland.
Philosophische Theologie![]()
Andrea Günter:
Geist schwebt über Wasser
112 S., Br., € 14,90
978-3-85165-813-2
Die jüdische Heilige Schrift stellt in zentralen Texten ein Denken der Differenz und Pluralität vor, das maßgeblich die westliche Theologie und Philosophie geprägt hat. Das Evangelium nach Johannes, Hildegard von Bingens Kosmologie, Hegels Frühschriften und Phänomenologie, Hannah Arendts Begriff der Pluralität und Natalität sind davon ebenso beeinflusst wie Jacques Derridas Konzept der différance.
Die Darstellung des Tätigwerdens Gottes in der ersten Schöpfungserzählung lässt einen Zusammenhang von Sprechen und Tun erkennen, dessen Kern die Fähigkeit des Unterscheidens bildet. Akribisch wird erzählt, wie das Unterscheiden zu Schöpfung führt und wie hierbei Pluralität, insbesondere die Verschiedenheit der Geschlechter, ins Spiel kommt. Der Sinn und die Problematik des Unterscheidens und der Pluralität werden in nachfolgenden Texten diskutiert. Die Fragestellungen führen mitten hinein in Themengebiete der Postmoderne: Wie erkennt man und was tut man, wenn es „zu viel Licht“ gibt, alles schon determiniert ist und Menschen gleichzeitig beinahe alles wissen und können?
Passagen Kunst
Heinz W. LinÜinger.Transromantica
W. Michael Satke (Hg.),
168 S., 95 Abb., € 39,90
Der Titel des aufwändig gestalteten Kunstbands Transromantica. scheint einen Widerspruch auszudrücken. Zwar weist die Vorsilbe „Trans“ auf eine Lokalisierung jenseits der Romantik hin, zugleich drückt sie den engen Bezug des Künstlers zu dieser Epoche und ihren Ideen aus. Hier wird das Gespür für die Belange seiner Zeit und ihren neoromantischen Strömungen deutlich, auf die sich Lindinger in seinen Bildern bezieht, um sich noch im selben Zuge davon abzusetzen. Inmitten dieses Verweisungshorizonts steht die intensive Auseinandersetzung mit der medialen Bildhaftigkeit und ihren Grenzen. In seiner Malerei und in experimentellen Druckgrafiken entwickelt Heinz Lindinger eine eigene, an Fotografie und Film angelehnte postsurrealistische Bildsprache voller semantischer Vielschichtigkeit. Heinz W. Lindinger, geboren 1940 in Wien, ist bildender Künstler und Professor an der Universität für angewandte Kunst Wien. W. Michael Satke ist Kunstsammler und lebt in Wien.
Passagen Literatur
Gundi Feyrer:
Die Wolldecke
152 S., Br., € 18,00
Versuch, Kindheitserinnerungen als verschieden stark aufleuchtende Blitzlichter, deren Umrandungen immer im Dunkel bleiben, mithilfe von Sprache einzusäumen. Erinnern als Rudern in dem Meer, das sich vom Boot des Jetzt aus beim Schaukeln selber zusieht.
Unendlich ausdehnbare Gegenwart als nicht unendlich ausdehnbarer Kartoffelsack im Kindheitskeller. Aus der Kindheit heraus, aus dem Erwachsensein heraus und gleich wieder ins Jetzt zurück. Das, Vergangenheit, was, Gegenwart, hängengeblieben ist, Zukunft, alles im selben Sack, dessen Inhalt auf Papier gern zu tanzen beginnt. Fliegendes Stehen in der Ferne, festes Ausrutschen in der Kindheit: alles in unendlich ausdehnbarem Sack, aber gefüllt mit essbaren Kartoffeln. Alte Kindheit an der Leine eines Heute, das Kindheit schreibt, so wie es jedes Heute, immer wieder alt, aufs Neue will.
Gundi Feyrer, geboren 1956, Schriftstellerin, Zeichnerin und Filmerin, lebt derzeit bei Córdoba, Andalusien.
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Philipp Weiss:
egon
86 S., 4 Abb., € 12,90
978-3-85165-804-0
Das Stück hat einen Rahmen, eine Klangmauer: Egon (Schiele). Egon ist Gott. Er ist der Vater und macht das Gesetz. Doch Gott stirbt. Der erste Weltkrieg nähert sich dem Ende. Egon hat die spanische Grippe. Gott ist immer da, man sieht ihn bloß nicht. Das Stück hat einen Leichenhaufen (den Chor) und drei Fleischkörper. Moa, Mime van Osen und den Gassenjungen. Sie sind fleischgewordene Zitate, sie sind Zeichnungen. Sie bilden zusammen den Rahmen, den Text. Sie sind labile Punkte, sie schaffen um sich eine Klangmauer, sie werden zu einem gesamten Organismus, da sie Gott verehren, ihm Opfer bringen, ihn lieben, von ihm vereinnahmt werden. Sie werden ganz Gott. Doch dieser stirbt.
egon ist ein ikonoklastisches Kunst-Stück, ein Text über Kunst, deren Bedingungen und deren Zerstörung, ein Stück österreichischer Identität, das sich sukzessive selbst zersetzt.
Philipp Weiss, geboren 1982 in Wien, schreibt Prosa und Theaterstücke. 2006 erhielt er das Hermann-Lenz-Stipendium, zuletzt veröffentlichte er in den manuskripten.
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Götz Wienold:
Xavier und die Nonne Buddhas
110 S., Br., € 14,90
Historische Ereignisse und Gegebenheiten von 80 Jahren in eine einzige Nacht verdichtet. Francesco de Xavier, Jesuit und Missionar, einer der ersten Europäer im Japan des 16. Jahrhunderts, und Yata, Nonne Buddhas, in Wahrheit ein Schauspieler, der sich in ihn verliebt hat: eine Nacht der Aufklärung in Kyoto, von vier Damen, von dieser Welt wie nicht von ihr, inszeniert. Priesterberufung als Flucht vor Homosexualität zu verstehen wird Xavier zugemutet wie noch einmal zu erleben, wie er an der Verbrennung zwangsbekehrter Juden in Lissabon teilnimmt. Dann führt man ihm zukünftige Schicksale zweier von Xavier bekehrter Japaner vor: Yukinaga bricht mit einem Heer in Korea ein, um dieses zu unterwerfen, Miki wird in einem grausamen Martyrium umgebracht und erkennt den Wahn des Glaubens. Skandale der Religion und japanischer Geschichte, doch Xavier erfasst kaum einen Zipfel. Yata, der ihn mit seiner Liebe daraus zu lösen versucht, gibt enttäuscht auf. Götz Wienold, geboren 1938, schreibt Theaterstücke, Romane und Erzählungen, lebt in Tokyo.
Passagen Literatur![]()
Christine Wiesmüller:
Bethanien
192S., Br., € 22,90
Schauplatz des Dramas ist das von drei Geschwistern gemeinsam bewohnte Elternhaus, deren Eltern bei einem Unfall ums Leben gekommen sind. Lazarus, der eigentlich Pianist werden wollte, musste unter dem Druck des Vaters Wirtschaft studieren und die elterliche Porzellanfabrik übernehmen. Er erkrankt unheilbar. Mit dem Zeitpunkt seines Sterbens setzt die Handlung ein. In drei langen Nachtgesprächen, im Sinne einer inneren Selbstmitteilung, nimmt Lazarus seine Schwester Magdalena, eine Schauspielerin, an seine sterbende Hand und führt die „Erloschene“ auf eine Reise nach Innen, an die magische Schwelle des „Berges Karmel“, dort wo „endliches“ und „ewiges“ Sein einander berühren.
Am 6. März 2007 verstarb der französische Philosoph und Soziologe Jean Baudrillard im Alter von 77 Jahren. Im Passagen Verlag erschienen von ihm "Einzigartige Objekte" (zusammen mit Jean Nouvel), "Paroxysmus", Das Andere selbst", "Der reine Terror" (zusammen mit E. Hammel und R. Heinz), "Der Geist des Terrorismus", Gesprächsflüchtlinge (April 2007):
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Baudrillard:
Gesprächsflüchtlinge
144 S., Br., € 17,90
978-3-85165-780-7
Im Dialog mit dem argentinischen Philosophen Noailles reflektiert Jean Baudrillard seine Thesen, Grundgedanken und Begriffe der letzten Jahre und liefert somit einen umfassenden Überblick über seine Arbeit.
Das Gespräch dreht sich unter anderem um das retrospektive Echo des Ereignisses, die unerträgliche Gabe, das Klonen Gottes, das geimpfte System, das Leiden der Steine, den Neandertaler, die Genealogie des Verschwindens, die Abschaffung
der Nacht und die prunkvolle Dysfunktion.
Die freie Form des Gesprächs erleichtert den Zugang zu Baudrillards Gedankenwelt. "Gesprächsflüchtlinge" - übrigens in Anlehnung an Brechts "Flüchtlingsgespräche" - bewirbt Passagen wieder mit direktem Bezug zu "Der Geist des Terrorismus" und "Die Intelligenz des Bösen", die mittlerweile zu den erfolgreichsten Passagen-Titeln zählen.
Passagen forum![]()
Jean Baudrillard:
Cool MemoriesV
128 S., Br., € 18,00
Cool Memories sind Hefte, Notizblöcke, aber diese Notizen lassen den Denkhorizont offen für eine Sphäre von Ideen, die nichts weniger ist als ein Dschungel, eine Natur, die Zähne und Krallen zeigt. Geistig und affektiv sind wir Jäger geblieben. In jedem Augenblick gibt es im Denken und Schreiben eine Beute und einen Jäger. Und Überleben ist ein Wunder.
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Jean Baudrillard
Die Intelligenz des Bösen
Aus dem Französischen von Christian Winterhalter
192 S., Br., € 22,90
3-85165-745-4
Baudrillards Reflexionen zu Politik, Kunst und den neuen Technologien beschreiben die Entwicklung zu einer scheinbar kontrollierbaren Realität wie auch die Umkehrung dieser gegen sich selbst – die Manifestation einer Intelligenz des Bösen. Das Realitätsprinzip ist im Zuge einer Totalisierung der Welt durch die Guten im Verschwinden begriffen. An dessen Stelle tritt eine virtuelle Realität, eine integrale Realität, die scheinbar vollkommen, kontrollierbar und ohne Widerspruch ist. Doch bringt diese fatale Logik des Exzesses zugleich das verdrängte Andere hervor: das Übermaß an Gesundheit den Virus, das Übermaß an Sicherheit neue Bedrohungen et cetera. Hierin liegt die Intelligenz des Bösen, die bösartige Umkehrung der Struktur gegen sich selbst. Wie schon in Der Geist des Terrorismus gelingt Baudrillard auch mit diesem Buch ein faszinierendes Psychogramm unserer Weltordnung zu Beginn des 21. Jahrhunderts.
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.....Derrida /Cixous:
Voiles
Schleier und Segel
112 Seiten. 6 SW-Abb., Brosch., € 19,90
978-3-85165-782-1
Nach "H.C. für das Leben, das heißt…" setzt Passagen mit "Voiles" die Übersetzung des philosophisch-literarischen Dialog zwischen Derrida und der französischen Schriftstellerin Hélène Cixous fort. Auch dieser Titel weist starke autobiographische Züge auf und stellt ein faszinierendes sprachliches Text-Gewebe aus differenzierten Wahrnehmungen und Lektüren der befreundeten Autoren dar:
Zwei unter dem homonymen Titelbegriff Voiles („Schleier/Segel“) vereinte Texte von Hélène Cixous und Jacques Derrida reflektieren unter dem gemeinsamen Zeichen von Autobiografie, Bekenntnis und Erinnerungen über „Sehen“, „Wissen“ und
„Schleier“.
Der Band verbindet Reflexionen von Hélène Cixous über „Sehen“ und „Wissen“, sowie deren Verunsicherung, mit
einem sich als „Reisetagebuch“ präsentierenden Text-Gewebe von Jacques Derrida über das Verdikt, Ver- und Enthüllung,
Wahrheit, Weiblichkeit, das Sehen sowie den jüdischen Gebetsschal Tallith – und nicht zuletzt Seidenwürmer. Der homonyme Titelbegriff Voiles bringt augenblicklich die Fragen der Homonymie, der sexuellen Differenz und des Plurals ins Spiel: das maskuline le voile bedeutet „Schleier“, das feminine la voile „Segel“.
Ihre Verbundenheit geben beide Texte durch Anklänge an ein gemeinsames Genre zu erkennen: Autobiografie, Bekenntnis,
Erinnerungen, sowie dadurch, dass Derridas auf einer Reise nach Südamerika Ende 1995 verfasster Text neben zahlreichen Lektüren (Bibel, Augustinus, Freud, Benjamin, Heidegger, Celan) ein bisweilen minutiöses Lesen des Essays von Cixous einschließt.
Eine mehrstimmige Geschichte befreundeter Denkender und Schreibender, die sich in die Falten von Schleiern wie in die
Sprach-Bewegungen der Homonymien, Metonymien und Metaphern hüllt.
Zuckermann:
Zeit der Lemminge
136 Seiten, Brosch., € 15,90
ISBN 978-3-85165-801-9
In Zeit der Lemminge widmet sich der israelische Historiker Moshe Zuckermann dem schicksalsträchtigen Datum des 11. September sowie weiteren wichtigen Ereignissen, die uns im Jahr 2001 bewegten. Alle in diesem Band versammelten Aphorismen und Aperçus wurden weitgehend von politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Ereignissen und Begebenheiten des Jahres 2001 geprägt, aber auch von geistigen und intellektuellen Fragen und Problemen, die den Autor über dieses spezifische Zeitgeschehen hinaus beschäftigen. Zuckermann reflektiert z.B. den Skandal, der in Israel ausbrach, als sich der Dirigent Daniel Barenboim entschied, ein Wagner-Werk im Rahmen des staatlichen Israel-Festivals aufzuführen und verfolgt die Entwicklung der Intifada, die in jenem Jahr in die Phase gesteigerter Gewalt geriet, jedoch noch nicht in die Niederungen der Mordexzesse und der Barbarei des Folgejahres gelangte. Diese Aphorismensammlung versteht sich auch als eine Art Tagebuch. Die dichte Form der Aussage ist Programm. Zuweilen erfasst Fragmentarisches das Ganze mit besonderer, gleichsam unmittelbarer Brisanz.![]()
Moshe Zuckermann, geboren 1949 in Tel Aviv, lehrt seit 1990 am Cohn Institute for the History and Philosophy of Science and Ideas (Universität Tel Aviv) Von Zuckermann bei Passagen auch: Israel - Deutschland - Israel
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Markus J. Prutsch
Fundamentalismus
Das „Projekt der Moderne“ und die Politisierung des Religiösen
192 S., Br., € 24,90
978-3-85165-794-4
In einer beeindruckenden tour d’horizon beschäftigt sich Markus J. Prutsch mit den gängigen Deutungen von Moderne und Fundamentalismus, um am Ende jene beiden Phänomene zusammenzuführen und Fundamentalismus als „moderne gegenmoderne Utopie“ zu deuten, die in der Tradition der politischen Totalitarismen des 20. Jahrhunderts steht. Prutsch vertritt die These, dass der heutige Fundamentalismus ein „Kind der Moderne“ ist, ein „zivilisatorisches Phänomen“, das mit der inflationär gebrauchten Säkularisierungsthese nur eingeschränkt erklärt werden kann. Davon ausgehend arbeitet der Autor in kritischer Reflexion der bestehenden Forschung und unter bewusst kulturanthropologischer Perspektive den eminent politisch-ideologischen Charakter religiös-fundamentalistischer Bewegungen heraus. Wesentliche Merkmale dieser Bewegungen ergeben sich in scheinbar paradoxer Weise aus der Bereitstellung jakobinischen beziehungsweise „totalistischen“ Potentials durch die „Großen Revolutionen“ sowie deren totalitären Nachfolgeregime als Ausdrucksformen radikaler innerweltlicher Gnosis. Fundamentalismus erscheint im Ergebnis letztlich als höchst ambivalentes Phänomen, als „moderner Antimodernismus“, der nach den Politischen Religionen des 20. Jahrhunderts als zweite „totale Auflehnung“ gegen die Zerstörung des „kosmologischen Mythos“ gedeutet werden will.
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Armin Winiger:
Der 11. September
Mythos einer neuen Ära
136 S., Br., € 14,90
978-3-85165-800-2
Der 11. September 2001 markiert den Beginn einer beispiellosen ideologischen Offensive der US-Regierung. Die vorliegende Analyse der offiziellen Argumentation gibt Aufschluss über die Herkunft des vermeintlich neuen Programms und über die Ursachen für das Verfehlen der selbst gesteckten Ziele. Im Zentrum der Untersuchung steht der Versuch, das Zusammenspiel von Sprache und Handlungen, Fakten und Fiktionen, Ideologie und Realität sichtbar zu machen. Dabei geht es um folgende Fragen: Was meint George W. Bush mit dem Begriff der „Neuen Ära“, den er nach den Terroranschlägen von New York und Washington im Jahr 2001 verwandte? Inwiefern sind seine diesbezüglichen Vorstellungen mit dem politischen Vorgehen verknüpft? Und wie gingen diese radikalen Veränderungen, die ein Epochenwechsel ja impliziert, im Austausch mit der Öffentlichkeit vonstatten? Eine Schlüsselstellung für die Beantwortung dieser Fragen nimmt die offizielle Interpretation der Selbstmordattentate ein. Denn erst die Ereignisse des 11. Septembers boten den geeigneten Anlass, um die unterschiedlichen Kräfte hinter der Regierung zu einer umfassenden Ideologie zu bündeln und im öffentlichen Diskurs den Anschein einer geeinten Nation zu erwecken.![]()
Woran glaubt Europa?
243 S., Br., € 29,90
978-3-85165-793-7
Hochkarätige internationale Autoren setzen sich in diesem Band des renommierten Wiener Instituts für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) mit der Zukunft eines säkularisierten Europas und der bereits erledigt geglaubten, aber wieder hochaktuellen Frage vom Verhältnis von Religion und Politik auseinander. „Woran glaubt Europa?“, herausgegeben von KrysztofMichalski, untersucht die Rolle der Religionen im neuen Europa und fragt insbesondere nach der Bedeutung des Islams.
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Manfred Wolff-Plottegg:
Hybrid Architektur & Hyper Funktionen
240 Seiten. Zahlreiche Farb- u. SW-Abb., Brosch., € 29,90
978-3-85165-622-0
Hybrid Architektur & Hyper Funktionen ist die ultimative Abkehr von Funktionstrennungen und vom Planungsdeterminismus, von der traditionellen Objekt-Architektur hin zu einer prozesshaften Steuerung der Architektur. Seit die Postmoderne den Nachweis geliefert hat, dass in jedem Fall alle Formen überall gebaut werden können, seit mit Hilfe des Computers auch noch nicht da gewesene, beliebige Formen generiert werden können, seit sich folglich Ziele wie die Einheit von Form-Funktion-Konstruktion oder Ableitungen wie form follows function als ebenso obsolet herausgestellt haben wie die typologische Verankerung in Ort und Geschichte, ist die Architektur(-theorie) im Limesbild der Austauschbarkeit der Ismen gefangen und weiß nicht mehr weiter. Ein Ausweg bahnt sich in der Hybrid Architektur an: Nun werden morphing, merging, scaling, sampling (Vorgangsweisen zur Formfindung, für die in den vorangegangenen 25 Jahren reichlich Erfahrung gesammelt wurde) prozessual auf die Funktionen angewendet; dies ist nicht nur die logische Fortsetzung in der Anwendung der tools, dies zeichnet sich auch in der Dynamik der Entwicklungen im Baugeschehen ab.Manfred Wolff-Plottegg, Jahrgang 1946, Architekt in Graz und Wien, Ordinarius für Gebäudelehre und Entwerfen und Vorstand des Institutes für Architektur und Entwerfen an der TU Wien.
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Philosophien. (2. Aufl.)
151 S., Br., € 17,90
978-3-85165-783-8
Peter Engelmann im Gespräch mit Foucault, Derrida, Lyotard, Ricoeur, Lévinas, Descombes, Axelos, Glucksmann, Rancière, Serres
Neben "Leben ist Überleben" das wichtigste Derrida-Buch bei Passagen:![]()
Derrida:
Von der Gastfreundschaft (2. Aufl.)
136 Seiten, engl.Br., € 21,90
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Lévinas:
Ethik und Unendliches (2. Aufl.)
104 Seiten. Br., Ca. € 14,90
978-3-85165-790-6
Wohl die beste und zudem gut verständliche Einführung in das Denken und Werk von Emmanuel Lévinas.
Anlässlich des Todes des US-amerikanischen Anthropologen Clifford Geertz am 30. Oktober 2006 bringt Passagen
eine Neuauflage seiner Vorlesung:![]()
Clifford Geertz:
Welt in Stücken (2. Aufl.)
91 S., Br., € 13,90
978-3-85165-785-2
Technologien und Marktmechanismen unterwerfen heute die Vielfalt der Kulturen einheitlichen Standards und lassen sie zu einer globalen Zivilisation zusammenwachsen. Mit dieser Globalisierung geht eine zunehmende Fragmentierung einher, die auch auf Europa übergesprungen ist. Das Ende der Blöcke hat zentrifugale Kräfte und Wanderungsströme freigesetzt, denen der klassische Rahmen des Nationalstaates immer weniger standzuhalten vermag; gleichzeitig scheint die europäische Integration ins Stocken zu geraten. Sind wir im Begriff, uns dem kulturellen Patchwork und den fraktalen Gesellschaften Asiens oder Afrikas anzuverwandeln? Droht das Programm des westlichen Liberalismus mit seinem Anspruch auf Universalität und Konsens zu scheitern?
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Moshe Zuckermann
Israel - Deutschland - Israel
Reflexionen eines Heimatlosen
224 S., Br., € 26,00
978-3-85165-777-7
Moshe Zuckermann wurde als Sohn polnisch-jüdischer Holocaust-Überlebender 1949 in Israel geboren und lebte längere Zeit in Deutschland. Der Historiker und Soziologe lehrt am "Cohn Institute for the History and Philosophy of Science and Ideas" in Tel Aviv. Bis 2005 hat Zuckermann das Institut für deutsche Geschichte der Universität Tel Aviv geleitet.
Von Zuckermann bei Passagen auch: Zeit der Lemminge
Thomas Askani
Die Frage nach dem Anderen
Im Ausgang von Emmanuel Lévinas und Jacques Derrida
2., unveränderte Auflage
168 Seiten, engl.Br., € 22,00
ISBN : 3-85165-756-X
Anhand eines an Derridas Dekonstruktion orientierten Ansatzes arbeitet Askani zentrale argumentative Strukturen im Werk Lévinas' heraus und eröffnet gleichzeitig den Raum für ein Denken der différance.
Die Frage nach dem Anderen ist keine Frage. Sie vollzieht sich vielmehr im Dazwischen vom Denken und dem Anderen des Denkens, und das heißt: als Unterlaufung eines Denkens qua Repräsentation und als Erschütterung der Opposition von Frage und Antwort - ein Spekulieren darauf, dass die Frage nach dem Anderen schon begonnen hat. Ein Denken des Anderen zu beginnen hieße, sich in ein Spiel hineinzubegeben, in dem der Ernst ernster als der Ernst ist, in eine Fiktion einzutreten, in der Fiktion und Realität noch nicht vollständig voneinander abgehoben sind. Spiel, und kein Spiel, in der Dislokation des Ursprungsgedankens immer neu herbeigezwungenes Niemandsland, in dem das Denken nicht heimisch würde.
Anhand eines an Derridas Dekonstruktion orientierten Lektüreansatzes arbeitet Askani zentrale argumentative Strukturen im Werk Lévinas' heraus und eröffnet gleichzeitig den Raum für ein Denken der différance als jenem Un-Ort des Denkens, an dem die Unterscheidung von Realität und Fiktion, die Unterscheidung auch vom Denken und dem Anderen des Denkens ins Trudeln gerät.
Marie A. Berr
Entscheidungen
Vernunft, Gefühl und Glaube bei Pascal und Nietzsche
ca. 320 Seiten, engl.Br., € 36,00
ISBN : 3-85165-757-8
Anthony Minghellas Film Der englische Patient zeigt die Unmöglichkeit, den Menschen als vollkommen bestimmen zu können, vor allem im Scheitern einer Liebe, die sich in der Vervollkommnung der Leidenschaften zu erfüllen sucht. Dieser wird deshalb die Zukunft einer Liebe gegenübergestellt, die um die Unvollkommenheit der Liebe der Menschen weiß und sich im Glauben an Gott dessen vollkommener Liebe anvertraut. Minghella folgt darin Blaise Pascal. Dieser beweist in seiner Philosophie- und Wissenschaftskritik, u.a. gegen Aristoteles, Thomas von Aquin, Montaigne, Descartes, die Existenz Gottes mit der Endlichkeit des Menschen, um das Leben in der Liebe des Herzens - das ist zugleich der Glaube an Gott - und die Gleichheit der Menschen in dieser Liebe begründen zu können. Nietzsche dagegen streicht Gott. Er beschreibt das Leben, die Gefühle, den Menschen, gleich den poetisierten modernen Naturwissenschaften.
[Aufklärung mit einer enormen Portion Spass]![]()
Critical Art Ensemble
Elektronischer Widerstand
ca. 192 Seiten, engl.Br., € 22,00
ISBN : 3-85165-366-1
Das CAE erkundet den elektronischen Raum und entwickelt Strategien, um politische und kulturelle Autoritarismen zu unterminieren. [Das 5-köpfigen Künstler-Kollektiv CAE entzaubert z. B. den Mythos BioTechnik]
Die Bedingungen des kulturellen und politischen Widerstands haben sich dramatisch verschärft. Die Revolution der Kommunikations- und Informationstechnologien offenbart eine neue, virtuelle Geographie der Kräfteverhältnisse in der ersten Welt, deren Auswirkungen man seit gerade einmal gut zwanzig Jahren erahnen kann.
Ein auf Daten reduzierter Mensch, Überwachung in globalem Maßstab und an Screens angeschlossene Gehirne sind Anzeichen neuer, aus dem Hintergrund agierender, autoritärer Mächte. Der Kern des politischen und kulturellen Widerstands muss sich im elektronischen Raum behaupten.
Derrida, Jacques / Stiegler, Bernard
Echographien - Fernsehgespräche
ca. 192 Seiten, Leinen, € 28,00
ISBN : 3-85165-761-6
Was bedeuten Bombenabwürfe in Echtzeit für die Dekonstruktion der Präsenzmetaphysik? Kann man Hollywood mit Quotenregeln bekämpfen? Warum kann eine Kamera kein Zeuge sein? Was ist, wenn wir nicht mehr glauben können, was wir sehen? Welche Sendungen sieht Derrida sonntagmorgens?
Ende 1993 führt Derrida in seinem Haus in Ris-Orangis - von Scheinwerfern, Kabeln und Kameras eingekreist - mit dem Medientheoretiker Bernard Stiegler ein langes Gespräch. Im Mittelpunkt stehen medientechnische Entwicklungen, die damals ihren Durchbruch feiern: die Direktübertragung und das digitale Bild. Mit der gespenstischen CNN-Übertragung der Bombenabwürfe auf Bagdad in Echtzeit zielt das Fernsehen auf ein Plusquampräsens, das alle Selektions- und Manipulationsmöglichkeiten bei der Produktion der Bilder hinter einer vermeintlich objektiven Aktualität verschwinden lässt. Und mit der Ersetzung der analogen Fotografie durch das digitale Bild wankt der Realitätseffekt, den das analoge Bild - Roland Barthes zufolge - immer erzeugt, weil das Dargestellte ja einmal so vor der Kamera gewesen sein muss. Welche Folgen haben solche Entwicklungen für unsere Wahrnehmung, für unser Verhältnis zur Realität, zu Vergangenheit und Zukunft?
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Jacques Derrida
H.C. für das Leben, das heisst...
185 Seiten, Leinen, € 28,00
ISBN : 3-85165-760-8
H.C. pour la vie, c'est-à-dire ... ist die Reflexion einer Freundschaft und zugleich eine Hommage an die Schriftstellerin Hélène Cixous. Derrida erweist dem Denken jener Frau, die er für eine der größten französischen Schriftstellerinnen hält, seine Ehrerbietung. Über zahlreiche Erinnerungen, aber auch unter detaillierter, analytischer und vorsichtiger Berufung auf viele Texte, die Hélène Cixous liebt, reflektiert Derrida seine über vierzig Jahre dauernde Freundschaft zu ihr, die endlose Lektüre ihres Werkes, ihre verbissene Liebe zur Sprache, die Poesie ihrer Worterfindungen und ihr stilles, ununterbrochenes Gespräch darüber, was zum Beispiel Glauben, Können, Leben und Sterben bedeuten. Derridas Erinnerungen sind ein philosophisches und philologisches Zeugnis, ebenso gelehrt wie argumentierend. Sie durchsuchen die Krypten der Vergangenheit ebenso wie das immense Werk Hélène Cixous'.
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Jacques Derrida
Jedes Mal einzigartig, das Ende der Welt
439 Seiten, Leinen, € 53,00
ISBN : 3-85165-759-4
Dieses Werk versammelt alle Texte, die Jacques Derrida anlässlich des Todes von Freunden geschrieben hat, die wie er im Licht der Öffentlichkeit standen: Schriftsteller, Philosophen, Professoren.
Roland Barthes, Paul de Man, Michel Foucault, Jean-Marie Benoist, Louis Althusser, Edmond Jabès, Sarah Kofman, Gilles Deleuze, Emmanuel Lévinas, Jean-François Lyotard, Maurice Blanchot ... Die Traurigkeit von Derridas Reflexionen über den Tod dieser Freunde ist jedes Mal dem Tod des Unersätzlichen gewidmet. Aber obwohl diese Adressen in ihrer Destination selbst vom Gedanken der Treue zum Einzigen und von der unmöglichen Trauer aufgewühlt sind, bleiben sie wie aneinandergekettet. Eine Analogie ohne Wiederholung drängt sich auf. Sie geht jedes Mal über die Trauerarbeit hinaus, lässt das Denken daran arbeiten, was das Scheitern dieser Trauerarbeit bedeutet, sie unterschreibt eine unendliche Verpflichtung gegenüber dem toten Freund.
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Jacques Derrida
Wie nicht sprechen - Verneinungen
2. Auflage
ca. 136 Seiten, engl.Br., € 16,00
ISBN : 3-85165-758-6
"Ich habe nie vermocht von dem zu sprechen, was mir, wie man zu sagen pflegt, von meiner Geburt her als der Naheste hätte gegeben sein müssen: der Jude, der Araber. Dieses kleine Stück Autobiographie bekräftigt das - einen schrägen Weg nehmend."
Dieser Vortrag von Jacques Derrida, gehalten 1987 in Jerusalem, zeigt in einer sorgfältigen Auseinandersetzung vor allem mit Texten von Dionysius Areopagita, Meister Eckehart, Platon und Heidegger, dass die scheinbar entlegene Frage der negativen Theologie eine immense Aktualität für das Denken der Moderne besitzt - die mitnichten erschöpft wird von der polemischen Verwendung dieses Konzepts als Vorwurf gerade auch gegen Derridas Werk, auf die hier eine angemessene, weil nicht-polemische Antwort gegeben wird.
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Franz Fischer
Proflexion und Reflexion
Philosophische Übungen zur Eingewöhnung
der von sich reinen Gesellschaft
175 Seiten, Br., € 19,90
ISBN : 3-85165-763-2
Mit der erweiterten Neuauflage von Proflexion und Reflexion (1965) wird ein Text des österreichischen Philosophen und Pädagogen Franz Fischer erneut zugänglich gemacht und eine Leerstelle in der Diskussion der Dialogphilosophie geschlossen. Fischer arbeitete in der letzten Phase seiner philosophischen Untersuchungen mit einer Sprache, die erstaunliche Entsprechungen zum Denken Emmanuel Lévinas' aufweist. Beide Denker haben zur selben Zeit zu ähnlichen und zugleich ungewöhnlichen Ausdrucksformen gefunden, obgleich sie nichts voneinander wussten. Beiden geht es um eine Humanisierung des Zusammenlebens der Menschen - doch auch die Nuancen ihrer Unterschiede sind bedeutsam. In meditativen Versen gibt Fischer dem Leser Entscheidungshilfen an die Hand, die zu einer "Befreiung zur Mitmenschlichkeit" anregen. Ergänzt durch Interpretationen von Thomas Altfelx, Ursula Börner, Anton Fischer, Anne Fischer-Buck.
3-85165-754-3 Gehmacher, Glechner, Stamer
incubator[untersucht begleitend zu einem Tanzprojekt Philipp Gehmachers die Sprache des Körpers]
ca.108 S., Gb., € 14,90
Giorgi, Pohoryles, Rodousakis
Community Conflicts in the Post-Soviet Era
ca. 440 Seiten, engl.Br., € 49,00
ISBN : 3-85165-765-9
This edited volume brings together contributions on several conflict-ridden areas in the New Independent States and South Eastern Europe and compares the community conflicts there emerging with long-standing community conflicts in the European Union area.
Community conflicts as emerging today in the New Independent States of the former Soviet Union need to be understood in relation to both the past Soviet era and the present process of nation-building and democratization. At the same time we must consider the interplay between material and immaterial factors in the way these conflicts are experienced, constructed and represented by relevant actors and the affected populations. Such an analysis needs to rely on sociology, political science as well as international relations and their respective methods.
Henning Hupe
Lukas' Schweigen
ca. 280 Seiten, engl.Br., € 32,00
3-85165-766-7
Jenseits hermeneutischer und systemtheoretischer Lektüreanweisungen befreit eine dekonstruktive Lektüre die Exegese der so genannten "Wir-Stücke" der Apostelgeschichte aus ihrem Dilemma und entdeckt so ein bedeutsames Schweigen des Lukas.
Hupe hebt die Dekonstruktion Jacques Derridas von allgemeinen hermeneutischen und systemtheoretischen Vorstellungen ab und profiliert sie als ein heuristisch bedeutsames Lektüreverfahren. Anhand der so genannten "Wir-Stücke" der Apostelgeschichte des Lukas wird vorgeführt, dass auch die theologische Exegese weit in binär codierten Erkenntnis- und Kommunikationsprozesse verfangen ist und wichtige Lektürewege, wie sie z.B. die Dekonstruktion vorschlägt, nicht ausreichend berücksichtigt.
Hier ist die wissenschaftliche Diskussion seit längerer Zeit in ein scheinbar unausweichliches Dilemma geraten. Über eine dekonstruktive Lektüre der Wir-Stücke wird eine Alternative aufgezeigt, die jenseits binärer Entscheidungen operiert und damit neue Diskussionstopoi setzen kann. Der Nachweis von breiten Sokrates-Anspielungen im Text, die aber gerade für den Tod des Paulus nicht ausgeführt sind, offenbart ein bewusstes Schweigen des Lukas, welches abschließend dekonstruktiv-ethisch gedeutet wird.
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Jean F.Lyotard
DIE MAUER DES PAZIFIK
Eine Erzählung
2. Auflage
ca. 64 Seiten, engl.Br., € 9,90
ISBN : 3-85165-768-3
In seiner philosophischen Erzählung verbindet Lyotard kalifornische Impressionen mit Reflexionen über Rassismus, Antisemitismus und Kapitalismus.
Bei seinem Aufenthalt als Gastprofessor in Kalifornien findet Lyotard die Erzählung eines gewissen Vachez. Lyotard nützt diese Fiktion, um kritische Fragen an die westliche Zivilisation zu stellen. Die Erzählung von Vachez umkreist Axiome wie: die Haut der weißen Frauen ist der absolute Westen; das kapitalistische Amerika ist das römische Imperium; Rassismus ist Eifersucht gegen die Nomaden; europäische Gastprofessoren in Amerika sind wie griechische Sklaven in Rom: sie verhökern die Reste einer untergegangenen Kultur.
Die Situation der begehrten, zu Vermischung und Vergewaltigung einladenden weißen Haut heißt Kalifornien. Hier stößt die Expansion des kapitalistischen Abendlandes an die Grenze eines Ozeans, an die Mauer des Pazifik.
3-85165-769-1
Karl Werner Modler
Das Segel des Theseus
Aufsätze über das Missverstehen
ca. 64 Seiten, engl.Br., € 9,90
Das Segel des Theseus verfolgt von Nietzsche über Wittgenstein, Gadamer, Heidegger bis zu Harold Bloom das Funktionieren des Missverständnisses innerhalb des abendländischen philosophischen Diskurses über das Verstehen.
Wir sind nicht nur zum Sinn, sondern auch zum Missverständnis verurteilt. Wie merkwürdig, dass die großen Hermeneutiker und Philosophen dann so wenig aufs Phänomen des Missverstehens geben. Weshalb diese Vernachlässigung? Sträubt man sich dagegen, das Missverstehen ins hermeneutische Spiel mit einzubeziehen? Oder gibt ein Sicheinlassen aufs Missverständnis einfach zu wenig her - aufs Ganze gesehen?
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3-85165-770-5 Beatrix Neiss: nach der verdauung -gedichte, € 14,90
3-85165-771-3 Steiner Gesetz und Verbrechen / Law and Crime [erörtert im Rahmen eines Kunstprojektes die Zusammenhänge von Text, Recht und Macht] ca. 192 S., Gb., € 24,00
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Tabor, Sabella, Bogner, Demmer
Enzyklopädie der wahren Werte
Die Wiederkehr des Gleichen in Architektur Design Lifestyle Politik.
Ein Passagenwerk
ca. 496 Seiten, Gb., € 43,00
ISBN : 3-85165-764-0
Es ist nicht zu überhören und überlesen: Wir leben im Zeitalter der wohlklingenden Worte. Man nennt sie Werte.
Über 100 AutorInnen beteiligen sich an der Erstellung eines Lexikons, das wirklich aktuell und damit wirklich wahr ist. Es enthält Begriffe, die weder im Brockhaus, noch bei Wikipedia zu finden sind. Und wenn doch, dann nicht so witzig, ausgefallen, eigenwillig beschrieben wie in der "Enzyklopädie der wahren Werte".
Von A wie Angst über N wie Nasenbohren bis Z wie Zukunft und Zukunftsangst haben die AutorInnen aus Zeitungen, Rundfunk- und Fernsehsendungen, Politikerreden, Werbung, Essays und persönlichen Gesprächen mit Freundinnen und Freunden Begriffe ausgewählt, die das Denken und Handeln der Jetztzeit besonders stark bestimmen.
Das im extravaganten Layout von a-u-s gestaltete Kunstbuch entstand als eigenständige Publikation im Zusammenhang mit dem Ausstellungsprojekt "mega: manifeste der anmaßung"/ "Die Enzyklopädie der wahren Werte"
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Götz Wienold
Grosswahrwitz
80 Seiten, Br., € 12,00
3-85165-773-x
Jakob Wohlfahrt, homosexuell missbraucht, vergewaltigt. Nachdem Mädchen ihm vom Vater gewaltsam verboten wurden, wird er von den Eltern und katholischen Erziehern in die Arme derer getrieben, die ihn hereinlegen und weiterem Missbrauch ausliefern. Homosexualität entwickelt sich als Produkt der Untaten am Opfer. Gides These im Corydon, hautnah. Ein sächsisches Dorf in der Nazi- und Nachnazizeit, Flucht in den deutschen Westen, Rückflucht des sich bedrängt fühlenden Heranwachsenden in den Osten. Darin der Dichter "gb" mit faschistischer Vergangenheit. Katholische Schulen und Internate. Die Erziehung in der DDR. Jakob scheitert, gerät ans Theater, strudelt ab ins Ungewisse. Erfahren und Verarbeiten von Gegenwart und Geschichte mischen sich ins eigene Erleben. Jakob: Grenzgänger zwischen zwei Deutschlands wie Grenzgänger zwischen Historie und Subjektivität der Biographie samt ihrer selbst gewählten Fiktionen und Lügen.![]()
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Carsten Zimmermann
Das ungegenständliche Leben
112 Seiten, Br., € 14,90
3-85165-774-8
Die Gegenwart ist zu nah, als dass sie gedacht werden könnte, daher untergräbt sie ständig das Denken und den Denker.
Was tun, wenn man erkennt, dass Wissen unmöglich ist und eine Fremdheit der Dinge und Lebewesen voraussetzt, die das Herz zwar leise, aber unmissverständlich bestreitet? Wenn man bemerkt, dass die Anstrengung zu wissen den Dingen etwas hinzufügt, was sie vermindert? Vielleicht hat man lange Zeit geübt, sich in Wissen zu kleiden, Wissen als Prunkgewand, Rüstung, Arbeitskluft oder Freizeitkleidung zu gebrauchen, und nun entdeckt man, darunter ist man in jedem Fall nackt und ein wenig zarter, als einem lieb ist?
Das ungegenständliche Leben nähert sich auf philosophisch-aphoristische Weise jener radikalen Zartheit diesseits des Wissens, die sich so leicht übersehen lässt und dennoch der unzerstörbare Grund des menschlichen Daseins bleibt - weil sie, als die Gegenwart selbst, durch nichts zum Verschwinden gebracht werden kann.
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Jacques Derrida
Genesen, Genealogien, Genres und das Genie
Die Geheimnisse des Archivs
Aus dem Französischen von Markus Sedlaczek
96 S., Br., € 12,90
3-85165-746-2
Was ist ein Genie? Wer ist ein Genie? Wer ist das Genie? In mehrfach „umgewendeten“ Fragen nach dem „Genie“ umkreist Derrida die gesamte „Ge-Familie“ der „Genesen, Genealogien, Genres“. Die zentrale Frage dieses Vortrags, mit dem Jacques Derrida im Mai 2003 ein Kolloquium über das Werk von Hélène Cixous eröffnete, zeigt sich in dem Begriff, den er dem offiziellen Titel Genesen, Genealogien, Genres hinzufügt: Genie. Das oft des Mystizismus verdächtige Genie wird mehrfach „umgewendet“, bis hin zur Frage des Genus: Kann der männliche Artikel von le génie „entthront“ und das Wort weiblich dekliniert werden? Besitzt es einen Plural? Die daran anschließenden Fragen des „Geheimnisses“, des „Namens“, des „Buchstabens“, der „Bibliothek“ und des „Archivs“ entwickelt Derrida insbesondere anhand einer Lektüre des Buches Manhattan. Lettre de la préhistoire von Hélène Cixous.
Derrida Nachrufe
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Jacques Derrida
Maschinen Papier
Aus dem Französischen von Markus Sedlaczek
464 S., Ln., € 49,00
3-85165-747-0
„Was findet statt zwischen dem Papier und der Maschine?“ Ausführliche Lektüren der Bekenntnisse Rousseaus wechseln ab mit Reflexionen über „Schrift“, „Ereignis“, „Möglichkeit“, „Archiv“, das „Politische“, die sich heute mit „so vielen Virtualisierungsmaschinen“ konfrontiert sehen. Ausgehend von einer spezifischen Lesart eines gebräuchlichen Wortes geht dieser Band einer einzigartigen Konfiguration nach: dem „Denken eines sichtbaren oder unsichtbaren Bindestrichs zwischen Maschine und Papier“. Versammelt werden Antworten auf Anfragen verschiedener „dem Papier und dem Buch gewidmeter“ Institutionen. Der erste Teil enthält in der Französischen Nationalbibliothek gehaltene Vorträge, insbesondere Lektüren der Bekenntnisse Rousseaus (auch in Gegenlektüre zu den Bekenntnissen des Augustinus) sowie von deren Interpretation durch Paul de Man. Durchgängige Frage: „Werden wir eines Tages das Denken des Ereignisses mit dem Denken der Maschine verbinden können?“ Der zweite Teil dokumentiert eine situative „Erfahrung des Schreibens“ und „riskierte Bahnung politischer Gesten“. Unter der Leitfrage „Was findet statt zwischen dem Papier und der Maschine?“ wird das Schicksal der „Schrift“, des „Ereignisses“, des „Archivs“, des „Politischen“ reflektiert, die sich heute mit „so vielen neuen Virtualisierungsmaschinen“ konfrontiert sehen.
Derrida Nachrufe
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Nora Pester
Die soziale Verfassung Europas
Eine rechts- und diskurstheoretische Betrachtung
264 S., Br., € 29,90
3-85165-744-6
Angesichts von Massenarbeitslosigkeit, wachsender sozialer Ungleichheit und einschneidenden sozial- und arbeitsmarktpolitischen Reformen geht Pester der drängenden Frage nach, welche Bedeutung soziale Grundrechte heute in Europa noch haben. Die Herausforderungen der Globalisierung, der demographischen Entwicklung und des Strukturwandels verdeutlichen die gemeinsamen Stärken und Schwächen der vielfältigen Sozialsysteme Europas und die Notwendigkeit einer Modernisierung des Sozialstaates. Im Zuge grundlegender sozial- und arbeitsmarktpolitischer Reformen stellt sich die Frage, ob die Verfassungen der EU-Mitgliedstaaten und die Europäischen Verträge hinsichtlich ihrer sozialen Ausgestaltung nur Deklarationen darstellen. Je weiter die Vertiefung der europäischen Integration voranschreitet, als umso notwendiger erachtet die Autorin europäische Konzepte der Solidarität, Anerkennung und Umverteilung, deren Aushandlung nach anerkannten Verfahren jenseits von Regierungskonferenzen verlangt. Politische und soziale Grundrechte können demnach in Zukunft nur dann unteilbar sein, wenn demokratische Legitimation durch eine „diskursive Legitimation“ auf der Basis institutionalisierter Verfahrensregeln ergänzt wird.![]()
Nora Pester, geboren 1977 in Leipzig, ist Politikwissenschaftlerin und lebt in Berlin.
Michael Ley, Gilbert Weiss
Voegelin in Wien
210 S., Br., € 26,00
3-85165-751-9
Eric Voegelins Wiener Jahre markieren die entscheidenden Jahre für die Herausbildung seiner politischen Philosophie. In der Auseinandersetzung mit den Freiheit und Demokratie bedrohenden politischen Systemen entwickelt er seine Thesen über die neuzeitliche Gnosis. Eric Voegelin (1901–1985) studierte und unterrichtete an der Wiener Universität bis zu seiner Flucht vor den Nationalsozialisten 1938. Seine Tätigkeit in Wien wurde durch Aufenthalte in Deutschland, den USA und Frankreich unterbrochen, die wesentlich zu seiner intellektuellen Entwicklung beitrugen. Max Weber war für ihn in diesen Jahren ein entscheidender Bezugspunkt seiner wissenschaftlichen Entwicklung. In seinen Texten der 1920er und 1930er Jahre konstatierte Voegelin die Krise des Positivismus als das Verhängnis der geistigen Verfassung insbesondere Mitteleuropas. Die politischen Erscheinungen der totalitären Bewegungen veranlassen ihn, das Verhältnis von Politik und Religion in der Moderne radikal zu überdenken. Kurz vor seiner Flucht veröffentlicht er Politische Religionen, sein vielleicht wichtigstes Buch, in dem er die Grundlage für sein gesamtes weiteres Schaffen legte. Darin analysiert er die totalitären Diktaturen des Faschismus und Nationalsozialismus als säkularisierte Religionen, die die christlichen Erlösungsvorstellung zu weltlichen Utopien pervertierten.Michael Ley, geboren 1955 in Konstanz, lebt als freischaffender Wissenschaftler und Universitätsdozent in Wien. Gilbert Weiss, geboren 1968, ist Mitarbeiter am Fachbereich für Geschichte und Politikwissenschaft der Universität Salzburg.
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Ernesto Laclau, Chantal Mouffe
Hegemonie und radikale Demokratie
Zur Dekonstruktion des Marxismus
Hg. und aus dem Englischen von Michael Hintz und Gerd Vorwallner
3. Aufl. 288 S., Br., € 32,00
3-85165-749-7
Mit der Konzeption eines anti-essentialistischen und nicht-totalitären Sozialismus schließen Laclau und Mouffe eine entscheidende Leerstelle linker, marxistischer Theoriebildung. Spätestens seit dem Zusammenbruch des „realen Sozialismus“ sind demokratietheoretische Fragestellungen zu einem zentralen Feld der intellektuellen Auseinandersetzung geworden. Hier gehen die Autoren eine – wenn nicht die – entscheidende Leerstelle linker, marxistischer Theoriebildung an. Über eine Dekonstruktion des Marxismus, vornehmlich der II. und III. Internationalen, öffnen sie den Blick für eine anti- essentialistische Konzeption des Sozialen. Dabei führt ihre Radikalisierung und Verknüpfung von Gramscis Überlegungen zur Hegemonie, Foucaults Diskursanalytik und Leforts libertärer Politikkonzeption zu einer neuen Artikulation von post- individualistischem Liberalismus, radikaler und pluraler Demokratie sowie nicht-totalitärem Sozialismus. Dieses Buch stellt – mittlerweile in der dritten Auflage – einen unverzichtbaren Beitrag zur Herausbildung einer neuen Politik der Linken dar.Ernesto Laclau, geboren 1935 in Buenos Aires, ist emeritierter Professor für Politik an der University of Essex. Chantal Mouffe, geboren 1943 in Baulet/Belgien, lehrt Philosophie an der City University of London.
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Jean-François Lyotard
Das Inhumane
Plaudereien über die Zeit
Aus dem Französischen von Christine Pries
3., durchgesehene Auflage
240 S., Br., € 28,00
3-85165-737-3
Die Menschen werden in eine unmenschliche Entwicklung hineingerissen, die man nicht mehr Fortschritt zu nennen wagt. Verschwunden ist eine menschliche, politische und philosophische Alternative zu diesem Prozess. Das Inhumane ist eine Sammlung von Vorträgen, die, größtenteils für ein breites Publikum bestimmt, einige weiterführende Gedanken über die Postmoderne enthält. Die Menschen werden in eine unmenschliche Entwicklung hineingerissen, die man nicht mehr Fortschritt zu nennen wagt. Das „verwaltete Leben“ (Adorno) vernichtet die entscheidenden Fragen, solche nach der Zeit, dem Gedächtnis und der Materie, indem es diese programmiert. Verschwunden ist eine menschliche, politische und philosophische Alternative zu diesem Prozess. Als einzige Möglichkeit, die noch besteht, setzt man auf eine Gegenwehr, gestützt auf das andere Unmenschliche: die Selbst- Enteignung, die in jedem schlummert, seine unbezähmbare Kindheit. Eine gewaltige Banalität, wie sie die Neo-Humanisten vermitteln, die den Kopf heutzutage wieder hoch tragen. Lyotard fragt in diesem Buch, wie in diesem Prozess die Künste des Sehens, der Schrift und des Tones die paradoxale Wahrheit bewahren.
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Martin G. Weiß
Gianni Vattimo
Einführung
Mit einem Interview mit Gianni Vattimo
2., überarbeitete Auflage.
224 S., Br., € 25,90
3-85165-738-1
Die erste Gesamtdarstellung der Philosophie Gianni Vattimos, des heute wohl wichtigsten Vertreters einer philosophischen Hermeneutik. Gianni Vattimo hat innerhalb der Postmoderne das Konzept eines „Schwachen Denkens“ entwickelt. Er sieht die aktuelle geistige Situation vor allem durch die allgemeine Auflösung des Objektivitätsmythos gekennzeichnet. Diese Einführung bietet einen systematischen Überblick über Vattimos Philosophie, unter besonderer Berücksichtigung zahlreicher noch nicht ins Deutsche übersetzter Texte Vattimos, und zeichnet seine kontroversen Ausführungen zum Problem einer postmodernen Geschichte, einer nachmetaphysischen Ethik und eines post-ontotheologischen Christentums nach. Ein aufschlussreiches Exklusivinterview mit dem italienischen Philosophen zu problematischen Aspekten seines Denkens bildet den Abschluss dieser ersten Gesamtdarstellung des heute wohl wichtigsten Vertreters einer philosophischen Hermeneutik.![]()
Martin G. Weiß, geboren 1973, leitet ein FWF-Projekt innerhalb der Forschungsplattform Life Science Governance der Universität Wien und ist Lehrbeauftragter am Institut für Philosophie der Universität Wien .
Ein junger Autor, dem mit dieser leicht verständlichen und zugleich anspruchsvollen Einführung in das Werk von Gianni Vattimo ein echter Überraschungserfolg gelang ( 1. Auflage war in kurzer Zeit vergriffen ), sicher nicht zuletzt dank des darin enthaltenen Interviews mit Vattimo.
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Andreas Walker
Die letzte List
128 S., Br., € 16,00
3-85165-716-0
Wenn der Mensch wesentlich endlich ist und um diese Endlichkeit weiß – wie ist dann der Mensch zu denken, der nicht mehr sterben kann? Die Bioethiken haben es bisher nicht geschafft, auf die Herausforderungen der Biotechnologien befriedigend zu antworten. Nicht zuletzt liegt dies daran, dass sie den technischen wie technologischen Aspekt der so genannten Lebenswissenschaften vernachlässigen und sich stattdessen auf metaphysische Anschauungen und rechtliche Begriffe berufen und Verantwortung und Würde in das Zentrum ihrer Argumentationen stellen. Daher vergessen sie auch, dass der Mensch, so wie wir ihn kennen, sich durch technische Eingriffe, die er selbst hervorgebracht hat, wandelt. Ein Resultat dieser Eingriffe ist die fortschreitende Hinauszögerung, wenn nicht gar Negation des Todes. Die letzte List versucht, die technischen Interventionen mitzudenken, und schlägt – anstatt einer Bioethik, die vom Begriff her unklar bleibt, da jede Ethik auf irgendeine Art das Leben zum Gegenstand hat – im Sinne einer Propädeutik eine Ethik des technischen Subjekts vor, zu dem der Mensch geworden ist.Andreas Walker ist Philosoph und Autor. Er lebt in Berlin und Wien.
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Alfred Nozsicska
Der Satz
Ein philosophischer Entwurf
248 S., Br., € 28,00
3-85165-728-4
Nozsicska entwirft eine die (herkömmliche) Referenz-Logik ergänzende „Voraussetzungs-Logik“, die in ihrem Zusammenspiel nicht nur die ontologische Notwendigkeit des Satzes, sondern ebenso sehr die Notwendigkeit einer Ontologie aufzeigt. Ein zentraler Gedanke in Wittgensteins Traktat ist, dass der Satz zwar „die gesamte Wirklichkeit darstellen kann“, aber nicht dies, was er „mit der Wirklichkeit gemein haben muß, um sie darstellen zu können“. Die „logische“ bzw. „innere Form“ des Satzes zeigt sich einfach. Warum aber vermögen wir dennoch davon zu sprechen? Sobald man nach jenem „Gemeinsamen“ sucht, wird man eines Lochs in der Universalität des Darstellbaren gewahr. Vielleicht liegt die Quintessenz von Lyotards Hauptwerk Le Différend darin, dieses Loch als die „Situation des Seins“ selbst erkannt zu haben, um so dem Satz eine ontologische Notwendigkeit zu verleihen. Der Autor nimmt diesen Gedankengang auf, gibt ihm aber eine entscheidende andere Richtung, indem er die alles dominierende Referenz-Logik mit einer „Voraussetzungs-Logik“ komplementiert. Dies ermöglicht ihm, das Feld einer „Proto-Syntax“ zu entwerfen, die zeigen soll, dass die „ontologische Notwendigkeit“ des Satzes die Notwendigkeit einer Ontologie nach sich zieht, welche sich dem Zusammenspiel von Referenz- und Voraussetzungs-Logik verdankt.Alfred Nozsicska unterrichtet an der Universität Wien Sprachwissenschaft.
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Communications in the 21st Century
Mobile Understanding
The Epistemology of Ubiquitous Communication
Kristóf Nyíri (Hg.)
267 S., Br., € 29,90
3-85165-742-X
Knowledge is at all times fundamentally moulded by the media through which it is communicated. Today, the internet and mobile telephony are essential parts of these media. Education is confronted by radical challenges; a revolution in epistemology is underway. The content and structure of knowledge are at all times fundamentally moulded by the media through which knowledge is communicated. Today, the internet and mobile telephony are essential parts of these media. Minds have become bound up with technological devices. Face-to-face communication on the one hand, and the solitary study of documents on the other, merge with a world of continuous digital networking, texts with a world of images. Education is confronted by radical challenges; a revolution in epistemology is underway. The volume contains papers by, among others, Ian Hacking, Andrew Brook, Richard Coyne, Maurizio Ferraris, James Katz, and Mike Sharples.![]()
Kristóf Nyíri has published widely on Wittgenstein, Austrian intellectual history, and the philosophy of communication. He directs the interdisciplinary research program Communications in the 21st Century, conducted jointly by the Hungarian Academy of Sciences and T-Mobile Hungary.
ICCR (Interdisciplinary Centre for Comparative Research in the Social Sciences - Vienna, Paris, Budapest)![]()
Luk Van Langenhove
Innovating the Social Sciences
Social Science Perspectives
Ed. by Ronald Pohoryles and Liana Giorgi
327 S., Br., € 36,00
3-85165-748-9
A book about overcoming the problems of scientism in the social sciences through the use of participative research designs, the sharing of theories across disciplines and a focus upon world views and about this being dependent equally on social scientists and societal pressures/demands. This is a book about the necessities and possibilities of innovations in the social sciences in order to realize societal changes. The natural sciences became the dominant model for the social sciences, resulting in positivism as ideology and in the organizational structuring of the social sciences into disciplines. In order to overcome the problems of scientism, a shift to a radical new ontological framework is necessary. In parallel, it is necessary to introduce participative research designs, move concepts and theories from one discipline to another and focus upon developing world views. Innovations in the social sciences are possible and necessary. But for these to happen, new societal pressures and demands will have to be present. Changing the social sciences is not a voluntary process that can be undertaken by social scientists alone.![]()
Luk Van Langenhove is Director of UNU-CRIS at the United Nations University in Bruges and also teaches at the College of Europe and the Vrije Universiteit Brussel.
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Roland Benedikter
Nachhaltige Demokratisierung des Irak![]()
Sozio-kulturelle und demokratiepolitische Perspektiven
568 S., 25 Abb., Br., € 78,00
3-85165-629-6
Auf der Grundlage einer Analyse der Situation im Irak seit 2003, insbesondere nach der Verfassungsabstimmung vom Oktober 2005, entwickelt Benedikter ein umfassendes, interdisziplinäres und inklusives Entwicklungs-Leitbild für eine nachhaltige Demokratisierung in mittel- bis langfristiger Perspektive. Die große Aufgabe der Demokratisierung des Irak wird die Welt voraussichtlich auch nach der Einsetzung einer demokratischen Verfassung weiterhin in Atem halten. Die Herausforderung für die kommenden Jahre ist der Schritt von einer formalen in eine nachhaltige Demokratisierung – in eine Demokratisierung also, welche sich nicht in der Schaffung von Institutionen und Rechtsformen erschöpft, sondern die Tiefendimensionen von Kultur, gesellschaftlichem Selbstverständnis und Lebenswelt erreicht. Innovative, differenzierende und ganzheitlich inklusionsfähige Ideen fehlen dazu aber bisher offenbar weitgehend. In dieser Lage präsentiert das vorliegende Buch ein bisher einzigartiges viergliedriges Entwicklungs-Leitbild für eine nachhaltige Demokratisierung des Irak – und zwar mittels systemischer Einbeziehung sozio-kultureller und demokratiepolitischer Faktoren in eine inklusive Gesamt-Strategie, die Politik, Wirtschaft und Kultur gleichermaßen integriert.Roland Benedikter im Passagen Verlag:
Reihe Postmaterialismus:Band 1: Einführung in das postmaterialistische Denken
(3-85165-477-3)
Band 2: Der Mensch
(3-85165-476-5)
Band 3: Die Arbeit
(3-85165-478-1)
Band 4: Die Natur
(3-85165-532-X)
Band 5: Das Kapital
(3-85165-533-8)
Band 6: Die Globalisierung
(3-85165-534-6)
Band 7: Perspektiven postmaterialistischen Denkens
(3-85165-535-4)
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Stefan Lindl
Blendend
Gestalten des Gestaltens II
136 S., Br., € 16,00
3-85165-741-1
Von der Strafe des Blendens, über das Trompe-l’OEil, zum Terror – diese Serie zeugt von Verschwinden, Betrug, Dominanz. Blendendes Gestalten verspricht kein sanftes Belassen, sondern aktives Verändern. Das Blenden, das Bewirken der Blindheit, trägt Verlust in sich. Dagegen fügt die Blende auch etwas hinzu. Ein Trompe-l’OEil bereichert das Bestehende um eine Oberfläche, die verschwinden lässt, was sie verblendet. Auf Verlust und Hinzugewinn baut auch der Verblendete. Er akzeptiert nicht die Differenz von Wirklichkeit und Vorstellung von ihr, sondern sucht die Assimilation. Das Außen an innere Pläne anzugleichen, ermöglichen großer Aufwand oder Gewalt. Ackerbau ist eine Form dieser Assimilation, Terror und Konzentrationslager sind andere. Blendendes Gestalten richtet sich immer gegen das Gewordene, möchte verändern, zerstören, um neu zu beginnen. – Ohne diese dominante Form des Gestaltens gäbe es nicht das Menschlichste: Kultur.
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Anne Jerslev
David Lynch - Mentale Landschaften
Aus dem Dänischen von Lise V. Smidth
2. Aufl., 216 S., Br., € 24,90
3-85165-752-7
David Lynch gehört zu den wichtigsten Regisseuren Hollywoods. Seine Filme besitzen Kultstatus. Jetzt erscheint diese erste grundlegende Studie über sein Gesamtwerk in einer Neuauflage. Diese Monografie über David Lynch verweigert sich entschieden einer Unterteilung zwischen Avantgarde- und Populärkultur. Anne Jerslevs Studie reicht von den Anfängen, die der Avantgarde verpflichtet sind, bis zu „Twin Peaks“, der ersten Kult-Serie der Fernsehgeschichte, und umfasst so verschiedene Filme wie den Underground-Kultfilm „Eraserhead“, den in Cannes preisgekrönten „Wild at Heart“ oder den viel diskutierten Film „Blue Velvet“. Mit Mitteln der kritisch reflektierten Autorentheorie, der Psychoanalyse sowie der amerikanischen feministischen Filmtheorie gibt Anne Jerslev eine faszinierende Darstellung des imaginären Universums David Lynchs.
Anne Jerslev ist Medienwissenschaftlerin an der Universität Kopenhagen.
Gerhard-Anna Concic-Kaucic
S/E/M/EI/ON/ /A/OR/IST/I/CON/ V
oder zur Autobiographie Sem Schauns
272 S., Br., € 32,00
3-85165-750-0
Das „Echelon-Projekt“, ein Geheimdienst-Dossier aus Brüssel als E-Mail-Roman, eine „erkaltete Herzensschrift“, repräsentiert die Matrix eines großen Lauschangriffs auf das Humanum schlechthin: Identität, Körper, Reproduktion, Sexualität, Macht und Gewalt, Erinnerung und Gedächtnis, Wissen und Archiv. Mit dem fünften Band von S/E/M/EI/ON/ /A/OR/IST/I/CON/ oder zur Autobiographie Sem Schauns erscheint ein weiterer Text in der Reihe zur Autobiographie des Agenten Sem. Sem, Privatdetektiv, Inspektor, Geheimagent, ist Akteur im System Sprache. Die Schrift im Sinne Jacques Derridas ist sein Medium und auszuspionierendes geheimdienstliches Operationsfeld. Das „Echelon-Projekt“ repräsentiert als Ergebnis die Matrix eines großen Lauschangriffs auf das Humanum schlechthin: Identität, Körper, Reproduktion, Sexualität, Macht, Gewalt, Repräsentation, Sprache, Semiotik, Gedächtnis, Wissen, Archiv. Zugleich ist dieser Text vielleicht die Erfüllung der Forderung von Helmut Heissenbüttl nach einer Literatur für intellektuelle LeserInnen und eine Liebeserklärung an Jacques Derrida.Im Passagen Verlag erschienen bereits:
S/E/M/EI/ON/ /A/OR/IST/I/CON/ I (3-85165-166-9)S/E/M/EI/ON/ /A/OR/IST/I/CON/ II (3-85165-039-5)
S/E/M/EI/ON/ /A/OR/IST/I/CON/ III (3-85165-202-9)
S/E/M/EI/ON/ /A/OR/IST/I/CON/ IV (3-85165-488-9)
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Ginka Steinwachs
der schwimmende österreicher
Mit einem Vorwort von Wolfgang Löhnert
184 S., Br., € 22,00
3-85165-743-8
bitte an den leser: lassen SIE einfach oben schwimmen, was oben schwimmt. wir erwarten keine tauchkunststücke von IHNEN. „ich stelle mir gerade vor, wie der erzherzog auf seiner eigenen web-site surft unter www.ludwig-salvator.com & dabei mit seinen beiden NIXEN I.+II. alle häfen berührt, die er vor plus minus hundert jahren auch real erreicht hat. der zeitliche abstand zwischen dem heute & dem G-stern lässt dabei einiges schwimmen verschwimmen & verSschwimmen. verSschwimmen ist für mich & meine lyrische prosa das wort. es potenziert die differenz, und d.h. steigert die virtualität ins reale oder schießt das reale ins virtuelle hinauf. wenn man dann noch bedenkt, wie souverän seine k.&k. hoheit nordafrika, und d.h. mauren- & araberland in die erforschung des mittelmeerraumes einbezogen hat, dann sind seiner aktualität aus heutiger sicht keine grenzen gesetzt, was im hieb & stRichfesten biographischen OHRwort von dr. w. luigi löhnert zum ausdruck kommt.“
(Ginka Steinwachs)Ginka Steinwachs ist Dichterin, Poetik-Dozentin, Performerin und metaphysischer Clown.
Ginka Steinwachs im Passagen Verlag:stein, wachs! (3-85165-670-9)Sommerträumereien am Meeresufer (mit Ludwig Salvator, 3-85165-620-2)
barnarella (3-85165-538-9)
der mund ist aufgegangen (3-85165-597-4)
die feder im mund / der mund in der welt (3-85165-561-3)
www.herzschriftmacher.net (978-3-85165-644-2)
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Christine Wiesmüller
Der Garten
208 S., Br., € 24,90
3-85165-739-X
Ist der Mensch „verleiblichte Seele“ oder „bloße Natur“? Angesichts einer das Leben zerstörenden Zivilisation, „einer Krankheit, die zum Tode führt“, versuchen die Protagonisten dieser Familiengeschichte ihre Realität, ihr Dasein und ihr Scheitern zu übersteigen. Ein Begräbnis! Die Familie kommt auf dem elterlichen Anwesen zusammen. Joseph, der älteste Sohn eines wohlhabenden Landwirtes, hat sich, scheinbar aus heiterem Himmel, umgebracht. Seine Geschwister Hans, die Zwillinge Katharina und Leopold blicken angesichts des Todes auf die eigenen Lebensentwürfe und die Familiengeschichte, die sich als innere Gratwanderung zwischen Sprachlosigkeit, Wahn und Wirklichkeit wie ein ständig wechselndes Panoptikum menschlicher Daseinsformen entfaltet. Die angehende Psychiaterin Katharina fühlt sich ihrem Zwillingsbruder, dem Mathematikgenie, verpflichtet, an dessen Psychose sie sich schuldig glaubt. Dem erfolgreichen Maler Hans hingegen gelingt es, durch seine Berufung, seine Katharsis, eine mehr als persönliche Antwort auf das familiäre „Erbe“ und den „Zeitgeist“ zu geben. Imaginäres und reales Zentrum der Handlung ist ein geheimnisvoller Garten. Er öffnet seine Pforte nach außen und ist doch nur innerlich zugänglich. Nur die Harten kommen inn Garten...Christine Wiesmüller, geboren in Amstetten, Niederösterreich, lebt als Publizistin in Wien und Salzburg.
Passagen Zeitschrift![]()
„texte“ - psychoanalyse. ästhetik. kulturkritik.
Herausgegeben von Johannes Ranefeld, August Ruhs, Karl Stockreiterund Gerhard Zenaty
120 Seiten (pro Heft). Erscheint vierteljährlich.Einzelheft € 18,00 /Jahresabonnement € 60,00 zzgl. Versandkosten.
ISSN 0254-7902
Österreichs einzige psychoanalytische Quartalszeitschrift: Die einzige psychoanalytische Quartalszeitschrift Österreichs widmet sich seit 1980 der Förderung und Verbreitung der psychoanalytischen Forschung sowie der kritischen Reflexion und Weiterentwicklung der psychoanalytischen Kulturtheorie im interdisziplinären Dialog. Neben Beiträgen aus dem klinischen Bereich und der psychoanalytisch-therapeutischen Praxis werden Querverbindungen der freudschen Lehre zur Philosophie, Medizin, Soziologie und Politologie, aber auch zu Sprachwissenschaften, Frauenforschung, Kunst- und Medienwissenschaft hergestellt.
Passagen Zeitschrift![]()
„Weimarer Beiträge“
Zeitschrift für Literaturwissenschaft, Ästhetik und Kulturwissenschaften
Herausgegeben von Peter Engelmann, Wendelin Schmidt-Dengler und Michael Franz
160 Seiten (pro Heft). Erscheint vierteljährlich.Einzelheft € 22,00 /Jahresabonnement € 80,00 zzgl. Versandkosten.
ISSN 0043-2199
Die Weimarer Beiträge war eine der renommiertesten Literatur- und Kulturzeitschriften der ehemaligen DDR. Durch ihren interdisziplinären Ansatz, der auch allgemeine kulturelle, ästhetische und politische Überlegungen einbezieht, tragen sie zu einer Einbindung der deutschsprachigen Kulturwissenschaften in die internationale Diskussion bei. Seit 1991 erscheint sie im Passagen Verlag
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Heinrich Spaeth
Der Köter von Sweet Island
182 S., Br., € 22,00Friedrich Hahn
wie gesagt - neue zyklen
118 S., Br., € 14,90Kofman, Sarah:
Erstickte Worte
- Edition Passagen -
96 S., Br., € 12,90scroll
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Studien z. Moderne
MARKT-WERT-GEFÜHLE
401 S., Br., € 49,00Stadt. Szenen
Künstlerische Praktiken
und theoretische Positionen
195 S., Br., € 22,00Krell /Weisskopf:
Anordnung der
Leidenschaften
215 S., Br., € 24,90scroll
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Derrida:
Leben ist Überleben
€ 10,90Eisenman:
Ins Leere geschrieben
ca.€ 38,–Goodman-Thau:
DAS EIGENE ERINNERN
ca.€ 21,–scroll
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Lindl:
Nackt
109 S., Br., € 13,90Heinisch:
Hitlers Geiseln
ca.€ 29,90Georgieff:
Nacktheit und Kultur
Adolf Koch und die
proletarische FKK
159 S., Br., € 17,90scroll
Vermächtnis und Vision
der Wissenschaft
159 S., Br., € 20,00Nozsicska
Zeit und Bedeutung
€ 75,–Ley, Michael:
Donau-Monarchie und
europäische Zivilisation
136 S., Br., € 16,00scroll
Krall-Wartlsteiner:
Apriljahrsbucht 1
178 S., Br., € 19,90Preckwitz
Spoken Word und Poetry Slam
102 S., Br., € 12,90Franzobel
Wir wollen den Messias jetzt
oder die beschleunigte Familie
144 S., zahlr.Abb., Br., € 19,90scroll
Angerer:
Die Literaturtheorie
Julia Kristevas
ca.€ 22,–Haring: Religion
und ihre weltlichen
Ersatzbildungen in Politik
u.Wissenschaft ca.€ 69,–Zizek/Badiou:
Philosophie und Aktualität
ca.€ 14,–scroll
Jacques Derrida
Rückkehr aus Moskau
Hg. von Peter Engelmann
Aus dem Französischen von Monika Noll und Dirk Uffelmann
144 Seiten., Brosch., € 18,-
ISBN 3-85165-632-6
Im Februar 1990 reiste Jacques Derrida zum erstenmal nach Moskau. Während dieses Aufenthalts dort traf er mit mehreren russischen querdenkenden Philosophen zusammen. Zurück in den USA schrieb er einige Wochen später (auf Anregung der amerikanischen Gruppe "Critical Theory") seine Überlegungen zum Thema „Zurück aus Sowjetrussland“ nieder – eine unmögliche Reiseerzählung, die sich einreiht in die Linie der anderen berühmten Berichte: von Walter Benjamin (1926-1927), André Gide (1936-1937) und anderen.
In den versammelten Texten gibt Jacques Derrida die von der Reise und ihrem Kontext ausgelösten Reflexionen wieder. Seine Eindrücke hierzu lassen den Leser erleben, wie eine der wichtigsten Philosophien unserer Zeit den rücksichtslosen Veränderungen der Welt und ihrer ungewissen Zukunft begegnet. Das wirft die Frage nach der Zeugenschaft des "Intellektuellen" auf.Weitere Titel von Jacques Derrida im Passagen Verlag:
Apokalypse (ISBN 978-3-85165-879-8)
Artaud Moma (ISBN 3-85165-550-8)
Auslassungspunkte (ISBN 3-85165-226-6)
Auslassungspunkte (ISBN 3-85165-226-6)
Bleibe (ISBN 3-85165-581-8)
Chora (ISBN 3-85165-729-2)
Die Wahrheit in der Malerei (ISBN 3-900767-32-7)
Dissemination (ISBN 3-85165-152-9)
Fichus (ISBN 3-85165-548-6)
Geschlecht (Heidegger). (ISBN 3-85165-688-1) ,2.Aufl.2005
Gestade (ISBN 3-85165-060-3)
Limited Inc. (ISBN 3-85165-055-7)
Mémoires (ISBN 3-900767-05-X)
Positionen (ISBN 3-205-01304-2)
Préjugés (ISBN 3-85165-337-8)
Privileg (ISBN 3-83165-612-1)
Randgänge der Philosophie (ISBN 3-85165-290-8)
Recht auf Einsicht (ISBN 3-85165-008-5)
Schibboleth (ISBN 3-85165-544-3)
Über den Namen (ISBN 3-85165-375-0)
Von der Gastfreundschaft (ISBN 3-85165-511-7)
Wie Meeresrauschen auf dem Grund einer Muschel ... (ISBN 3-85165-450-1)
Wie nicht sprechen (ISBN 3-900767-28-9)
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Paul K. Feyerabend
Die Vernichtung der Vielfalt
Ein Bericht
Herausgegeben von Peter Engelmann
Aus dem Englischen von Volker Böhnigk und Rainer Noske
392 Seiten., Brosch., € 48,-
ISBN 3-85165-633-4Von den Epen Homers bis zur modernen Astronomie, von der Liebe über die bildende Kunst bis zur Quantentheorie zeichnet Paul K. Feyerabend ein Bild von der Vielfalt uns umgebender kultureller Praktiken und Zugangsweisen zur Welt. Deshalb ist es widersinnig anzunehmen, ein emotional wie intellektuell erfülltes Leben bestünde gerade darin, diesen Reichtum zu reduzieren. Doch genau dieses Vorgehen – von den Wissenschaften, der Kunst und von vielen anderen vorangetrieben – erzeugt die leeren Stereotypen und einschränkenden Abstraktionen, die seit langem unsere Auffassung über die Realität bestimmen. Diese der menschlichen Lebensqualität abträgliche Neigung ist Kern des Berichts über Die Vernichtung der Vielfalt, an dem Feyerabend bis zu seinem Tod im Jahre 1994 arbeitete. Mit diesem letzten Buch hinterläßt uns Feyerabend ein Testament wichtiger Einsichten seines Denkens.
Paul K. Feyerabend, geboren 1924 in Wien, lehrte Philosophie und Wissenschaftstheorie u. a. in Berkeley, London und Zürich.
Im Passagen Verlag erschienen:
Widerstreit und Harmonie. Trentiner Vorlesungen (ISBN 3-85165-305-X)
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Ralf Dahrendorf
Engagierte Beobachter
Die Intellektuellen und die Versuchungen der Zeit
Mit einem Text von Jan Patocka
72 Seiten., Br., € 13,90
ISBN 3-85165-726-8„Leuchttürme der Vernunft und der Freiheit in einer von Unvernunft und Illiberalität versuchbaren Welt“: In seiner Typologie des modernen Intellektuellen macht uns Dahrendorf mit der Gestalt des „Erasmiers“ bekannt, benannt nach Erasmus von Rotterdam, der ihr Vorbild und Inbegriff ist.
Die von Ralf Dahrendorf in Anlehnung an Erasmus von Rotterdam charakterisierten „Erasmier“ sind nicht die einzigen bedeutenden Intellektuellen und geben eine durchaus zwiespältige Figur ab. Dennoch sind sie, so Dahrendorf, „die große Hoffnung der Menschheit. (…) Leuchttürme der Vernunft und der Freiheit in einer von Unvernunft und Illiberalität versuchbaren Welt. Sie mögen kühl sein und oft ein wenig unnahbar; ihre Ironie mag manchen auf die Nerven gehen; die Immunität gegenüber den großen Passionen der Zeit scheint manchen eine Art Drückebergerei. (…) Aber bei alledem setzen sie Maßstäbe, und mehr, sie schlagen Pflöcke ein, an denen man sich festzurren
kann, wenn man davongezogen zu werden droht von dem Sog der Gezeiten.“Der Soziologe und liberale Politiker Lord Dahrendorf war 1974–1984 Direktor der London School of Economics und 1987–1997 Warden des St. Antony’s College, Oxford. Er ist Mitglied des britischen Oberhauses. Die Jan Patocka-Gedächtnisvorlesungen werden seit 1987 vom Institut für die Wissenschaften vom Menschen, Wien, zu Ehren des großen tschechischen Denkers und Bürgerrechtlers veranstaltet.
Jan Patocka-Gedächtnisvorlesungen im Passagen Verlag:
Mario Vargas Llosa, Demokratie heute
(3-85165-072-7)
François Furet, Jean-Jacques Rousseau und die Französische Revolution
(3-85165-151-0)
George Soros, Die Macht der Fehlbarkeit
(3-85165-192-8)
Albert O. Hirschman, Tischgemeinschaft. Zwischen öffentlicher und privater Sphäre
(3-85165-267-3)
Tadeusz Mazowiecki, Politik und Moral im neuen Europa.
(3-85165-308-4)
William Julius Wilson, Soziale Ungleichheit in den USA.
(3-85165-508-7)
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Gabriele Klein
Stadt. Szenen
Künstlerische Praktiken und theoretische Positionen
195 Seiten., Brosch., € 22,–
ISBN 3-85165-710-1„Stadt. Szenen“ präsentiert ästhetische Positionen zeitgenössischer Performance-Künstler sowie theoretische Reflexionen von Stadtsoziologen, Kunsttheoretikern, Kulturwissenschaftlern und Kunstkritikern zum Thema szenische Kunst im urbanen Raum.
Die Stadt – das ist nicht nur der ökonomische, politische, kulturelle und soziale Knotenpunkt, sondern auch der symbolische Ort von Kunst, Kultur, Medien und Sport in der Moderne.
Seit den 70er Jahren durchlebt die Stadt einen radikalen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Umbau: Suburbanisierung, Segregation und soziale Ausgrenzung, Verwahrlosung von Randbezirken und theatrale Gestaltung der Innenstädte – diese und
andere komplexe urbane Transformationsprozesse sind nicht nur in Fotografie und Film, in der bildenden Kunst und der Musik dargestellt worden.
Auch die szenischen Künste haben in performativen Experimenten und Interventionen alltägliche Augenblicke dieses Umbauprozesses hervorgehoben. Diese ästhetischen Positionen wurden aber bislang kaum kommentiert und reflektiert.
Stadt. Szenen ist das erste Buch im deutschsprachigen und angelsächsischen Raum, das sich mit szenischer Kunst im urbanen Kontext auseinander setzt.Gabriele Klein ist Professorin für Soziologie von Bewegung und Tanz an der Universität Hamburg, Direktorin des Instituts für urbane Bewegungskulturen.
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Jean-Francois Lyotard
Das Elend der Philosophie
Hg. von Peter Engelmann
Aus dem Französischen von Eva Werth und Bilge Ertugrul
296 Seiten., Brosch., € 35,-
ISBN 3-85165-551-6Gibt es heute noch Gründe, die Größe des Denkens zu schätzen? Versteht man die Macht des Geistes als einen die Realität restlos verschlingenden Alptraum, dann kann Denken heute nur heißen, der Herausforderung der Demut standzuhalten: „Elend der Philosophie“. Ob sie nun Kunst, Literatur, Psychoanalyse, Religion oder ihre eigene Praxis im Namen des Juden- oder Christentums, im Namen von Bataille, Freud, Quignard, Kant, Châtelet oder Skira befragt – Lyotards „philosophie en acte“ akzentuiert „ihren Sinn der Trennung“. Die Erfahrung hat kein ihr immanentes Konzept, man muss sie dekonstruieren und rekonstruieren. An erster Stelle steht die Sensibilität, eine passive und unüberwindliche Endlichkeit des ganzes Wissens. Nichts wird ohne Rest gedacht, ohne Verlust gelebt. Was bleibt, ist die Ausübung des Widerstreits, „der Geist in Alarmbereitschaft, durch das alarmiert, was ihm geschieht und was ihn verstört.“
Jean-François Lyotard (1924–1998) lehrte Philosophie in Paris und Amerika.
Im Passagen Verlag erschienen von ihm u.a.:
Der schalltote Raum (ISBN 3-85165-497-8)
Das Inhumane (ISBN 3-85165-473-0)
Das postmoderne Wissen (ISBN 3-85165-683-0) 5. Aufl.
Postmoderne für Kinder (ISBN 3-85165-252-5)
Postmoderne Moralitäten (ISBN 3-85165-320-3)
Mauer des Pazifik (ISBN 3-205-01306-9)
Grabmal des Intellektuellen (ISBN 3-205-01300-X)
Heidegger und „die Juden“ (ISBN 3-900-767-11-4)
Vortrag in Wien und Freiburg (ISBN 3-900-767-39-4)
Kindheitslektüren (ISBN 3-85165-172-3)
Jacques Le Rider
Freud - von der Akropolis zum Sinai
Die Rückwendung zur Antike in der Wiener Moderne
Aus dem Französischen von Christian Winterhalter
368 Seiten., Brosch., € 44,80
ISBN 3-85165-636-9Sigmund Freud war derart von der Antike geprägt, dass die Psychoanalyse als
eine Archäologie des Unbewussten bezeichnet werden kann, deren Methode nach
altphilologischem Modell konzipiert wurde: so nimmt bereits Sophokles' König
Ödipus das "Subjekt des Unbewussten" (Lacan) vorweg. Seit dem Ersten Weltkrieg litt Freud unter einem zunehmenden Unbehagen an der neuhumanistischen Bildung, deren Widersprüche schon Nietzsche diagnostiziert hatte. Die Bezugnahme auf die griechische Antike hatte ihm zunächst ermöglicht, sich vom barock geprägten genius loci Wiens abzusetzen. Sein weiterer Weg aber führte ihn vom alten Griechenland weg, hin zum
jüdischen Altertum. Dabei handelt es sich nicht um eine Rückkehr zum Religiösen, sondern den Versuch einer Neubegründung der Ethik und wissenschaftlichen Rationalität - just in dem Augenblick, als die europäische Kultur zusammenbricht.Jacques Le Rider ist Professor an der École pratique des Hautes Études in Paris.
Im Passagen Verlag erschienen:
Kein Tag ohne Schreiben. Die Tagebuchliteratur der Wiener Moderne (ISBN 3-85165-496-X).
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Franzobel
Wir wollen den Messias jetzt oder die beschleunigte Familie
144 Seiten. Zahlreiche Abb., Brosch., € 19,90
ISBN 3-85165-707-1Jesus heute, Jesus in Wien? Franzobels Messias lebt in einer bürgerlichen Familienhölle. Er trägt Nazischnürstiefel und aus dem Spalt zwischen T-Shirt und Hose leuchtet seine Fettglumse. Feist und antriebslos wird er völlig unerwartet von der Erleuchtung heimgesucht.
Wie reagiert ein nicht darauf vorbereiteter, zu Egoismus und Dekadenz neigender Mensch auf die Anforderung, die Menschheit zu erlösen? Und was macht seine so herausgeforderte Umwelt? Gerät sie außer sich, wird sie von Jesus verrückt gemacht, macht sie ihn lächerlich? Sperrt sie ihn ein wie in Dostojewskis Der Großinquisitor? Oder beginnt nun eine freie, erlöste Gesellschaft?
Ein neues Goldenes Zeitalter? Franzobel geht in seinem neuen Stück Wir wollen den Messias jetzt oder die beschleunigte Familie dem Glauben und unserer libertinären Gesellschaft auf den Grund. Franzobel zeigt eine Gesellschaft, die erwartet statt zu handeln. Die auf ihren Glücksanspruch pocht, doch Verantwortung nur allzu gern beim Nächsten sucht. In Zynismus und Passivität gefangen, wünscht diese Gesellschaft nichts mehr, als wieder glauben zu können, unschuldig und rein. Aber könnte man sich tatsächlich ohne Ironie und Arrangements, ohne Wenn und Aber dem Glauben ergeben?
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Franzobel, geboren 1967 in Vöcklabruck, lebt als freischaffender Fahrradfahrer in Wien und betätigt sich gelegentlich auch als Autor von Romanen, Erzählungen, Gedichten und Essays.Von Franzobel erschien im Passagen Verlag:
Mayerling (ISBN 3-85165-514-1)
Mozarts Vision (ISBN 3-85165-611-3)
Der Narrenturm (ISBN 3-85165-660-1)
ANDREAS HERBERG-ROTHE:
Lyotard und Hegel.
Dialektik von Philosophie und PolitikAndreas Herberg-Rothe schreibt im vierten Kapitel seines Bandes Lyotard und Hegel zum Thema Freiheit und/oder Gleichheit in einer globalisierten Welt: "Haben mit den Epochenjahren 89/91 nicht nur die USA über die UdSSR, der demokratische Westen über den despotischen Osten gesiegt, sondern auch das System der Freiheit über das der Gleichheit (Diner 1999)? Bezüglich des real existierenden Sozialismus war der Mangel an Freiheit unübersehbar und ein wesentlicher Grund seines letztendlichen Zusammenbruchs. Doch wie sieht es umgekehrt aus, gibt es nicht einen Mangel an Gleichheit im Kapitalismus? Das liberale Verständnis sieht zwar in der individuellen Freiheit des Menschen die zentrale Voraussetzung seiner Gleichheit: Menschen seien darin gleich, dass sie frei sind. Doch bereits Rousseau wies in seinem Discours sur I’inégalité darauf hin, dass die unbegrenzte Entfaltung individueller Freiheit zu Ungleichheiten führt, die das Bürgerideal der politisch Gleichen zur abstrakten und wirkungslosen Norm werden lassen können."