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Carda-Döring, Claudia u.a.
berührt
Zwischen Liebe, Mitleid und Diskriminierung
194 S., Br., € 15,90
3-86099-829-3![]()
Sechs Frauen im Alter von 30 bis 40 Jahren, die sich seit sieben Jahren regelmässig treffen haben Geschichten über ihre Kinder gesammelt. Es sind traurige, skurrile, berührende, ärgerliche und witzige Geschichten, die in dieser Form anders sind, weil ihre Kinder anders sind. Die Kinder hinterlassen besondere Spuren bei ihren und den Familien und im Umfeld. Die Kinder haben eine geistige Behinderung:
„Wir Frauen leben alle in festen Partnerschaften und haben zusammen genommen 13 Kinder. Jede von uns hat ein Kind mit einer Besonderheit, wie z. B. das Perisylvische Syndrom, Mikrozephalie oder das Angelman Syndrom. In unserer Gesprächsrunde erzählen wir über unsere Erlebnisse und Befindlichkeiten. Dabei drehen sich unsere Gespräche, so unterschiedlich die Inhalte auch sein mögen, immer wieder um ähnliche Gefuehle. Sie sind geprägt von Hilflosigkeit, Wut und Trauer, aber auch von Stolz, intensiver Fürsorge und Engagement.
Wir haben viele dieser Geschichten aufgeschrieben, weil wir sie bewahren wollen. Wir wollen sie aufbewahren für unsere Geschwisterkinder, die mit uns in dieser besonderen Familiensituation leben und gross werden. Wir möchten einen Teil dieser Geschichten veröffentlichen, weil wir erklären wollen, wie es uns in unseren Familien ergeht, wie wir von unserem Umfeld behandelt werden und wie wir uns zurecht finden müssen in der Gesellschaft.
Statistisch gesehen hat jeder achte eine persönliche Verbindung zu einem geistig behinderten Menschen in seiner Nachbarschaft, am Arbeitsplatz, in der Familie oder im Bekannten- und Freundeskreis. Mit unserem Buch möchten wir dieses Umfeld erreichen. Wir hoffen, es gelingt uns, unsere Sorgen und Nöte zu schildern, in einer Art und Weise, die nicht Betroffenheit und Mitleid auslösen sollen, sondern Verständnis, Anteilnahme und Akzeptanz.
Es sind keine Heile-Welt-Geschichten, die wir zusammengetragen haben. Das würde nicht unserem Alltag entsprechen. Was uns vorantreibt in diesem Alltag ist die Liebe zu unseren Kindern. Manchmal versteckt sie sich, ist nicht mehr sichtbar, aber diese Liebe und Fürsorge sind der Motor, der uns am laufen hält. Die gemeinsame Freude über jeden errungenen Sieg und die kleinen Schritte voran, sind die Erfolgserlebnisse, die oftmals Enttäuschungen, Verletzungen und Traurigkeit vergessen machen. Unsere Kinder haben uns beigebracht wie nah das Lachen und das Weinen beieinander liegen. Sie haben uns Demut und Behutsamkeit gelehrt und unser Menschenbild verändert. Sie bestimmen unser Leben und haben uns gezeigt, dass wir die Vielfalt und jegliche Form menschlichen Daseins akzeptieren müssen. Wir kämpfen uns und unsere Kinder durch einen Alltag, der von Hindernissen geprägt ist, und dennoch wollen wir uns den Blick auf diese Vielfalt bewahren. Wir hoffen, dass wir mit unserem Buch dazu beitragen.“